Das Rosa-Winkel-Symbol findet seinen Platz in der neoliberalen Kommerzialisierung der Queer-Community.

Der Pride-Monat Juni neigt sich dem Ende zu, während die Fußball-WM in Russland noch in vollem Gange ist. Nike zieht nun mit neuen LGBTQ-Sneakers nach, um Solidarität gegenüber queeren Sportlern ausdrücken und die LGBTQ-Community - eine nicht zu unterschätzende und lukrative Zielgruppe - für sich zu gewinnen.

Konkurrent Adidas hat dieses Jahr bereits Schnürsenkel in Regenbogenfarben gelaunched, eine Pride-Linie von Nike ist seit 2011 auf dem Markt. Mit der neuen „BeTrue-Kollektion“ möchte der Sportartikelhersteller nun erneut ein Zeichen setzen und unter dem Motto „Mit der Macht des Sports können wir die Welt verändern“ für „Vielfältigkeit, Gleichberechtigung und Freiheit“ kämpfen.

Nike verwendet Nazi-Symbol

Blöd nur, dass sich die Marketingabteilung dafür ausgerechnet eines alten Nazi-Symbols bedient: Der Sportartikelhersteller nutzt den Rosa-Winkel als Design-Element für seine Schuhe, ein historisch vorbelastetes Symbol, das von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg als Kennzeichnung von homosexuellen Häftlingen in Konzentrationslagern verwendet wurde. Den Häftlingen wurde der Rosa Winkel an ihre KZ-Kleidung genäht.

Der Hersteller argumentiert, dass man eine Umdeutung und positive Besetzung des Symbols erreichen wolle. Eigentlich ein ehrenwerter Gedanke – doch in der deutschen queeren Community und den sozialen Netzwerken kommt die Idee nicht besonders gut an.

Das Symbol scheint emotional immer noch zu stark belastet und sollte mit Recht nicht unüberlegt verwendet werden. Im Netz wird dem Hersteller vorgeworfen, sich nur aus finanziellen Motiven der streitbaren Symbolik bedient zu haben.

Queere Community nutzte Symbol bereits in den 70er und 80er Jahren

Dabei ist die Idee der Umdeutung des Symbols keine Erfindung von Nike. Bereits zu Beginn der politischen LGBTQI-Bewegung in den 70er und 80er Jahren wurde der Rosa-Winkel auf Demonstrationen von Aktivist*innen als Symbol im Kampf für ihre Rechte genutzt.

Der Rosa-Winkel ist seitdem ein internationales Symbol der Schwulen-Bewegung. Die 1978 entworfene Regenbogenfahne löste erst in den 90er Jahren den Rosa-Winkel als vereintes politisches Symbol der queeren Bewegung ab.

Von der queeren Bewegung ist der Rosa-Winkel jedoch genutzt worden, um eine politische Motivation zu einen. Eine extreme Symbolik wurde dabei instrumentalisiert, um zu provozieren und auf sich aufmerksam zu machen.

Auch der Global Player Nike hat mit dem Rosa-Winkel-Design auf sich aufmerksam gemacht. Ob die Welt allerdings schon für eine kommerzielle Umdeutung des ehemaligen Nazi-Symbols bereit ist, ist zu bezweifeln.

Quelle: Noizz.de