Das eigentliche Event interessiert dabei kein Schwein.

An jedem Himmelfahrtswochenende steht die kleine, wunderschöne Uni-Stadt in Niederbayern Kopf. Es ist das „Maibaumkraxln“-Wochenende.

Aber: Warum kommen dafür jedes Jahr so viele Leute nach Passau? Was ist das Maibaumkraxln überhaupt?

Das Maibaumkraxln ist ein Event, bei dem Männer der angrenzenden Gemeinde Freinberg in Oberösterreich 15 Meter hohe Maibäume hochklettern (im Dialekt: „hochkraxln“) – um die Wette.

Einzige Hilfestellung ist Harz an ihren Händen und Füßen. Wer als erstes die Glocke an der Spitze des Maibaums läutet, hat gewonnen.

In Passau selbst weiß kaum einer, warum das Event so heißt, wie es heißt. Man geht nicht zwangsläufig zum tatsächlichen Kraxln nach Österreich.

Ursprung der Passauer Veranstaltung waren ein paar Ex-Studenten, die einen Anlass finden wollten, um zurück in ihre Uni-Stadt zu kommen und dort zu feiern.

Sie entschieden sich, noch mehr Ehemalige einzuladen. Daraus wurde ein Massen-Event, das heute die größte Studi-Party der Stadt ist.

Um an eine Karte für das Maibaumkraxln zu kommen, muss man einen Einladungscode haben. Den bekommt man nur wenn man sich als Passauer Student registriert hat, oder von einem eingeladen wird.

So wollen die Veranstalter verhindern, dass das Party Wochenende öffentlich wird und den Geist der Grundidee verliert: Eine Zusammenkunft für Passauer Studenten, ehemalige Studenten und deren Freunde.

Party Auftakt im Voglstadl

Am Donnerstag des Himmelfahrts-Wochenendes trudeln so langsam die Gäste ein. Meistens kommen sie bei Freunden unter, die noch in Passau studieren. In kleinen Gruppen sitzen sie am Residenzplatz oder in den Clubs der kleinen Stadt und läuten den Spaß ein.

Freitags gibt's ein Fußballturnier, wobei die meisten Teams schon ordentlich einen heben – der Sport ist eher Nebensache. Denn: Abends geht es in Tracht hoch, nach Österreich, zum „Voglstadl“.

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In dieser Gaststätte bechern die Studenten und Alumni weiter und Haxn gegessen – begleitet von bayerischen Live-Bands. Die Haxn sind im Gesamtpreis für das ganze Wochenende (75 Euro) mit drinnen, genau so wie Freibier bis Mitternacht.

Am darauffolgenden Tag ist nichts mit Ausschlafen und Auskatern. Um 15 Uhr legt das Boot, die „MS Stadt Linz“, ab zur Bootsparty. Bis dahin muss man schon heiß auf die Party sein. Deshalb trifft man sich zum Weißwurstfrühstück und Vorglühen in den WGs.

Zum Teil skurril angezogene Gäste

Diesmal ohne Tracht, dafür aber relativ schick angezogen, zieht die „Kraxln-Meute“ also um 15 Uhr auf den Kaffeefahrt-Dampfer. Dieser legt mit lauter Musik ab und fährt circa 3,5 Stunden die Donau entlang, durch die traumhafte Landschaft Oberösterreichs.

Los geht's auf der Bootsparty

Was für ein geiles Gefühl: hammer Landschaft, Freunde, super Musik, Dancen, Bomben-Wetter. An Board gibt es alles, was man im Club auch trinken würde und natürlich „Leberkas-Semmeln“.

Feiern bei einem traumhaften Blick

Das Boot legt gegen 18 Uhr wieder an und spült das Party-Volk erneut in die romantische Passauer Altstadt. Von hier aus geht man was Deftiges essen, zieht sich um und zieht dann weiter zu Hauspartys oder ins „Goa“, einem der wenigen Clubs.

Passau im Hintergrund

Am Sonntag wäre dann eigentlich das Maibaumkraxln, das mit dem Event, außer dem Namen, nichts gemeinsam hat.

Es fahren Shuttle-Busse nach Freinberg. Aber man ist nach den zwei Tagen, die man durchgesoffen hat, so platt, dass man eher an den Stausee fährt und dort auskatert und baden geht. Ich persönlich habe es in vier Maibaumkraxln-Jahren nur einmal zur namensgebenden Veranstaltung geschafft.

Die meisten Gäste müssen jedoch ohne ihre Stimme und mit wenig Schlaf zurück in ihre Realität – weg aus der Unwirklichkeit des „Kraxln-Wochenendes“ und seinem maximalen Hedonismus.

  • Quelle:
  • Noizz.de