Make-up-Marke hat Mut zum Damenbart

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Wer findet die Härchen? Foto: @maccosmetics / Instagram

Und trotzdem haben einige Idioten etwas zu meckern.

MAC zeigt einen „Damenbart“ – eher ein paar „Damenbart-Härchen“ – und das Internet rastet aus. Et voilà, ein neuer Hashtag ist geboren: #skinpositivity.

Okay, ganz neu ist der Hashtag nicht. Seit Jahresbeginn sammeln hier allerlei Menschen, egal welchen Geschlechts, offen Bilder ihrer nicht immer makellosen Haut. Doch nochmal ganz von vorne.

Oft ist es so, dass gerade Hersteller diverser Make-Up-Linien perfekte Bilder zeigen. Schließlich ist der Zweig der dekorativen Kosmetik genau dafür da: Uns aufzuhübschen und etwaige Makel zu verstecken.

Keine glatte Haut? Fältchen? Blaue Flecke? Alles verkaufshemmend. Und so haben wir uns über Jahrzehnte damit abgefunden, dass es eben so ist: Die Werbung täuscht uns eine perfekte Beauty-Illusion vor.

Doch nun kommt dieses Bild langsam ins Bröckeln. Immer mehr Hersteller überdenken ihre Außendarstellung und Werbestrategie. Gerade in Zeiten von Instagram, wo die Optik mehr denn je zu zählen scheint, gibt es auch einen gegenläufigen Trend – Gott sei Dank. Der Pauschalbegriff für die Bewegung:„Bodypositivity“.

Das Pauschalisierung eine Sache oftmals nur unzulänglich abbildet, ist uns allen klar. Begrüßenswert ist es trotzdem, gerade in einer Welt voller optischen Reize, in denen kein Normalmaß mehr zu gelten scheint. Und damit wären wir auch wieder bei unserem Eingangsbeispiel.

Der Kosmetikhersteller MAC ist für viele Frauen ein heiliger Gral und gilt als Kult-Marke mit hohen Qualitätsansprüchen. Vor allem junge Frauen schätzen das Make Up der kanadischen Firma. Vor einigen Tage überraschte die Firma dann auf Instagram mit diesem Bild:

Wer sich jetzt fragt: Was soll dran überraschend oder gar verkehrt sein? Herzlichen Glückwunsch! Ihr seid in der freien Welt angekommen.

Es gab allerdings einige Nutzer, die das ganz anders sehen und MAC offen dafür diskreditierten, dass dort ein Damenbärtchen gezeigt werde. Bitte was?!

Die paar Mini-Härchen am rechten Mundwinkel? Ich bitte Euch! Selbst mit Bleichcreme werden die nicht unsichtbar. Und im normalen Leben sieht das doch keiner.

Das Bild von MAC ist nun der Anstoß einer breiten Debatte. Es geht mal wieder vor allem darum, dass in unserer Gesellschaft doch tatsächlich die Illusion vorherrsche, Frauen hätten eben keine Haare im Gesicht, auch nicht an Brust- und Bauchnabel, Fingern, Zehen oder Füßen. Spoiler: Haben wir wohl. Manche mehr, manche weniger. So jetzt ist es raus. Kriegt euch ein.

Immerhin trauen sich nach und nach immer mehr Marken mit dem Hashtag #skinpositivity auch makel-behaftete Haut zu zeigen. So wie etwa Urban Decay: Sommersprossen, Cellulite, große Poren, Leberflecke, Schuppenflechte, Neurodermitis. Alles was es gibt, das ist eben menschlich.

Hätten wir uns in den vergangen Jahrzehnten nicht der Illusion makelloser Werbung hingegeben, sondern wären schon immer offen mit eingewachsenen Härchen, Pustelchen, Behaarung an komischen Körperstellen und so Kram wie diesem umgegangen, vielleicht wären einige in der Pubertät relaxter gewesen.

Und hätten sich nicht Unmengen an Frauenzeitschriften gekauft um zu wissen, wie sie denn diese verdammten Haare loswerden – um dann unter Umständen eine andere Problemhaut zu bekommen.

Vielleicht sollten die Kritiker des MAC-Posts einmal darüber nachdenken. Over and out.

Quelle: Noizz.de

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