Luxemburg erhält für das neue Verkehrskonzept nicht nur Lob.

Vom 1. März 2020 an ist Luxemburg das erste Land der Welt, in dem man für Busse und Bahnen keine Fahrkarten mehr braucht. Im Gegensatz dazu Deutschland: Mit Beginn des neuen Jahres müssen Fahrgäste von Stadtbussen, Straßenbahnen und U-Bahnen für Tickets vielerorts wieder tiefer in die Tasche greifen.

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Deutschland – die meisten Fahrgäste zahlen mehr

Das betrifft in Deutschland Kunden im Ruhrgebiet, im Rheinland, in Berlin und Brandenburg, in den Großräumen Hamburg und Bremen sowie im Rhein-Main-Gebiet. Hinzu kommen alle, die in Regionalzügen außerhalb von Verkehrsverbunden unterwegs sind. Zwischen 1,3 und 3,3 Prozent mehr verlangen die Verkehrsunternehmen von ihren Kunden. Damit sollen etwa höhere Gehälter der Mitarbeiter und gestiegene Kraftstoffpreise ausgeglichen werden.

Viele Kunden in Süddeutschland dagegen kommen ungeschoren davon. Im Großraum München sind die Tickets seit Mitte Dezember im Schnitt sieben Prozent günstiger. In und um Stuttgart machten einfachere Tarifzonen viele Verbindungen günstiger. Mehr Menschen sollen Bus und Bahn fahren und so klimaschädliches Kohlendioxid vermeiden. Das ist eines der Ziele des Klimaprogramms, das Bundestag und Bundesrat kurz vor Weihnachten beschlossen haben. Der Bund steckt dazu auch zusätzliches Geld in den Nahverkehr.

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"Die Klimaschutzziele im Verkehrssektor sind nur über einen starken öffentlichen Personenverkehr zu erreichen", sagte Ingo Wortmann, der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen. "Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und den Verkehrsunternehmen." Massive Investitionen seien nötig, um die Netze von Grund auf zu erneuern und auszubauen. Die jährlichen Einnahmen von 13 Milliarden Euro aus dem Fahrscheinverkauf seien dafür entscheidend.

Luxemburg – hier zahlt nur noch die erste Klasse

Nur die 1. Klasse der Bahn bleibt ab dem 1. März in Luxemburg kostenpflichtig. Fahrkartenschalter werden geschlossen, Kontrolleure bekommen neue Service-Aufgaben. Die freie Fahrt im zweitkleinsten EU-Land mit gut 600.000 Einwohnern und 2586 Quadratkilometern Fläche ist Teil eines größeren Bemühens um eine Verkehrswende. Denn Luxemburg platzt aus allen Nähten. In 20 Jahren hat die Bevölkerung um gut ein Drittel zugenommen, die Hälfte der Bürger stammen aus dem Ausland. Zusätzlich pendeln noch rund 200.000 Menschen aus Frankreich, Belgien und Deutschland täglich zur Arbeit nach Luxemburg: Ein Anstieg um 140 Prozent gegenüber dem Jahr 2000. Morgens und abends herrscht Stau allerorten.

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Mobilitätsminister François Bausch von den Luxemburger Grünen hat wiederholt gesagt, er erwarte nicht, dass alleine wegen der Kostenfreiheit viele Autofahrer auf den öffentlichen Verkehr umsteigen werden. Die Kostenfreiheit sei nur ein "Sahnehäubchen auf einer umfassenden multimodalen Verkehrsstrategie."

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Neue Parkplätze und Bahnen sollen die Autopendler aus Lothringen, der Wallonie, dem Saarland und der Region Trier vor Erreichen der Stadt abfangen und auf Schienen schnell zur Arbeit bringen. Die Zahl der Park-and-Ride-Parkplätze wird laut Plan bis 2025 verdoppelt. Zudem werde das Radwegenetz auf 1100 Kilometer fast verdoppelt. Und auch das Busnetz soll reorganisiert werden, eine Schnell-Straßenbahn mit Spitzentempo 100 km/h wird bis 2035 als Verbindung der Ballungszentren Luxemburg und Esch angepeilt.

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Trotz aller Verbesserungen - die neue Verkehrsstrategie ist nicht unumstritten. Luxemburg betreibe nach wie vor eine "ganz stark Auto-orientierte Verkehrspolitik", sagt Verkehrsexperte und Stadtplaner Heiner Monheim in Trier. Vor allem das bessere Park-and-Ride-Angebot sieht er kritisch."Das hilft dem öffentlichen Verkehr eigentlich nichts."

[Zusammen mit dpa]

  • Quelle:
  • Noizz.de