Warum riecht es in Lush-Läden so stark? Und warum sind die Produkte so teuer? Antworten auf oft gestellte Fragen.

Die berühmte Primatenforscherin Jane Godall und die Lush-Mitbegründerin Rowena Bird wollen nicht weniger, als die Welt retten. Davon träumen die Powern-Frauen nicht nur, sondern verbessern die Welt mit ihrer Arbeit tatsächlich jeden Tag ein bisschen.

Deswegen feiere ich die beiden seit Jahren und träume davon, sie zum Interview zu treffen. Mit Bird hat es geklappt. Ich ziehe extra viel Animal-Print an, weil Lush die erste cruelty free Kosmetikmarke ever war, also die erste Beauty-Brand, die keine Tierversuche macht.

Rowena Bird erinnert mich an meine Oma: elegant, pragmatisch und voller Energie. Sie strahlt und ist super fokussiert, obwohl sie direkt nach einem einstündigen Vortrag zum Interview kommt und eine Stunde mit mir redet.

Wir sitzen im Estrel Hotel in Berlin, und kaum haben wir begonnen, lässt ein Kellner ein Tablett voller Gläser fallen. Es kracht und scheppert, sodass sich jeder richtig erschreckt. Es ist Rowenas Reaktion, die am besten beschreibt, wie sich ein Treffen mit ihr anfühlt: "Oh, ich wette, er könnte jetzt eine Umarmung gebrauchen, der Arme", sagt sie und wirkt dabei aufrichtig ergriffen.

Für einen kurzen Moment denke ich, sie springt wirklich gleich auf und umarmt den Pechvogel höchstpersönlich, so eine grundauf nette Person scheint sie zu sein. Aber sie bleibt höflich sitzen und beantwortet meine Fragen: darüber, wie groß unsere Verantwortung als Konsumenten wirklich ist, ob Lush bald vegan wird und warum es natürlich ist, dass auch Männer Make-up tragen.

NOIZZ: Rowena, welche Inhaltsstoffe sollte ich meiden, wenn meine Kosmetik nicht meine Haut und allgemein nicht meine Gesundheit schädigen soll?

Rowena Bird: Vor allem Mineralöl. Und achte auf die Konservierungsstoffe, sie sind wichtig, aber es gibt ein paar, die wirklich sehr schädlich sind. Alles, was irgendwie mit Erdöl in Verbindung steht. Das sollte wirklich vermieden werden, dieser Inhaltsstoff sorgt für Reitzungen. Aber es wird oft verwendet, weil es billig in der Produktion ist und ein sehr schönes Gefühl hinterlässt. So wie Vaseline, die fast ausschließlich daraus besteht. Aber die Leute haben sich sehr lange darauf verlassen.

Richtig, das macht es so schwierig, etwas zu ändern. Wir Menschen sind es gewohnt, diese schädlichen Produkte zu verwenden. Diese Inhaltsstoffe, die du erwähnt hast, sind dieselben, die nicht nur meiner Haut schaden, sondern auch unserer Umwelt?

Rowena: Eine Sache, die man vermeiden sollte, ist Glitzer – aufgrund der Mikrokügelchen. Sie bleiben lange im System, verschmutzen unsere Meere, landen in den Fischen und somit in unserer Zukunft. Auch Konservierungsstoffe sind nicht so gut, sie bleiben lange im System und je mehr wir davon haben, umso mehr landet in den Wassersystemen. Aber als Konsument ist es nicht so leicht, das herauszufinden.

Das Gefühl habe ich auch. Ich denke, viele Verbraucher heutzutage wollen wirklich besser handeln. Wer trägt mehr Verantwortung: die Verbraucher oder die Industrie?

Rowena: Wir haben beide eine Verantwortung. Als Verbraucher musst du eine Entscheidung treffen. Wenn du beispielsweise zu Lush gehst, hast du die Wahl: Möchtest du Shampoo in einer Flasche oder willst du es fest? Ich denke, diese Dinge sind wirklich wichtig.

In Berlin haben wir bei Lush unseren Naked Shop am Alexanderplatz, und wenn die Leute dort die festen Shampoos statt die flüssigen in der Flasche kaufen, immer wieder, hören wir auf, die Flasche zu produzieren. So einfach ist das. Als Verbraucher solltest du die Entscheidung treffen: Möchte ich diesen Topf Creme kaufen, der in einer Schachtel steckt, die wiederum in etwas verpackt ist – und das ist nur eine Feuchtigkeitscreme. Oder finde ich so eine Creme mit ähnlich schönen Inhaltsstoffen, die mir hilft, ohne Verpackung, ohne Schachtel. Wenn Verbraucher damit anfangen, zu sagen "Ich will keine Verpackung", dann stellt die Industrie die Produktion dieser Verpackung ein, weil sie diese Hinweise annehmen, denn wenn ein Kunde aufhört, zu kaufen, liefert die Industrie nicht mehr.

Wenn die Verbraucher der Industrie vermitteln "Hört auf, uns das zu geben, wir wollen das nicht", hört sie auf. Aber wenn wir es weiterhin kaufen und sie weiterhin Profit damit machen, dann verkaufen sie es weiterhin. Warum sollten sie aufhören, etwas zu verkaufen, mit dem sie viel Geld verdienen?

Aber auch dann kommt es auf die Branche an. Lasst uns die Kunden aufklären. Geben wir ihnen diese Wahlmöglichkeiten. Oder beginnen wir damit, unsere Verpackung zu verkleinern und nicht mehr davon in die Verpackung zu legen. Und die Kunden werden folgen. Ich meine, okay, dann gibt es keine Verpackungen mehr, aber ich habe immer noch das Produkt, das ich liebe.

Wir als Menschen müssen diese Schritte unternehmen, um all diese Dinge loszuwerden. Aber manche Leute denken, als Kunden braucht man diese Verpackungen, um den Kunden zum Kaufen zu bewegen. Aber Kunden werden die Produkte trotzdem kaufen, denn sie sind nicht dumm. Sie wollen sich die Inhaltsstoffe anschauen, sie wollen wissen, was diese Inhaltsstoffe für Auswirkungen haben. Ich denke – und ich hoffe –, das ist Kunden wichtiger als die Verpackung.

Ich kenne es von mir selber, ich liebe Verpackungen und ich hasse Verpackungen, natürlich werden wir von der Verpackung als Kunden auch angezogen. Aber wenn das funktioniert, dann kann auch etwas hübsches Unverpacktes anziehend sein oder etwas, das nur in ein hübsches Papier eingewickelt ist. Wir müssen mit unseren eigenen Gewohnheiten, unseren eigenen Ängsten und Gedanken brechen, mit der Vorstellung davon, wie Qualität aussieht und wie Luxus aussieht, und das anders umwandeln.

Was würdest du einem Kunden bei Lush sagen, der ein Produkt ohne Verpackung kauft, um es dann in Plastikdekoration einzupacken und zu verschenken?

Rowena: Ich kenne jemanden, der das macht ... immerhin hat die Person das Produkt unverpackt gekauft. Das ist ein Anfang. Ich werde niemanden dafür runtermachen. Man hat damit etwas Verpackung gespart.

Das Bewusstsein wächst mit jedem Schritt, den man wagt. Zum Beispiel sieht man auf Instagram Menschen mit Plastikstrohhalmen. Wenn 50 Millionen Menschen keine Plastikstrohhalme benutzen, gibt es da draußen 50 Millionen Plastikstrohhalme weniger. So ein einfacher Schritt bedeutet viel, wenn ihn jeder macht. Und das ist der Punkt, nicht wahr? Es ist uns allen klar: Es geht nicht nur um uns, es geht um das Gesamtbild. Also alles, womit wir aufhören, stoppen wir im großen Ganzen.

Zurück zur Industrie: Was sind einige der größten Herausforderungen bei der Entwicklung dieser nachhaltigen Produkte? Denn wenn es so einfach ist, zum Beispiel Highlighter ohne Verpackung herzustellen, warum sagt dann nicht jede Kosmetikmarke auf der Welt: Oh ja, es ist billig, es ist einfach, es ist nachhaltig – lasst uns loslegen!

Rowena: Tja, es ist nicht billig und es nicht einfach. Das ist der Grund. Die Leute sind es gewohnt, Make-up auf bestimmte Weise zu kaufen. Kunststoff ist ein wahnsinniges Material. Aber es ist nicht das Material, das das Problem darstellt, sondern das, was wir damit machen. Wir könnten alle zu dem Lippenstiftbehälter übergehen, den wir auf den Markt gebracht haben, der nur aus Aluminium besteht. Der Kunststoffeinsatz fehlt also, sodass das Ganze recycelt und eingeschmolzen werden kann. Es geht also zurück in die Vergangenheit.

Es besinnt sich auf das, was wir gemacht haben, als wir noch kein Plastik hatten. Wir hatten diesen reinen Metallbehälter, und man hat den Lippenstift hochgeschoben. Das Endergebnis ist genau das Gleiche. Wir verkaufen unsere Lippenstifte als Nachfüllpackungen, sodass man nur das Wachs von den Lippenstiften abziehen muss, den Behälter ausleert und dann einfach einen neuen Lippenstift einsetzen kann. Du wirfst also den Behälter nicht weg.

Unsere Lippenstifte zum Nachfüllen kannst du übrigens in jeden Behälter stecken, den du magst. Steck ihn rein, gib dem Behälter ein anderes Leben, mach dir keine Sorgen um uns, das macht mir nichts aus. Es geht mir nicht um die Verpackung. Es geht mir darum, einer Verpackung neues Leben einzuhauchen und sie davor zu stoppen, als eine von zehn Millionen Lippenstiftbehälter ins Meer zu gelangen.

Und wenn wir unsere Lidschatten herausbringen, werden die Lidschatten in Nüsse verpackt. Wir haben sie in Scheiben geschnitten und verpackt. Das sieht nicht nur ziemlich schön aus, sondern ist auch sehr stabil. Statt sie einfach wegzuwerfen, kannst du sie auf den Kompost legen – es ist ja quasi nur eine Nuss. Aber es würde nicht genug Nüsse auf der Welt geben, damit alle anderen es uns nachtun. Also musst du nach Alternativen suchen. Vielleicht denkst du, Papier ist eine Alternative. Es gibt nicht genug Recycling-Papier. Da haben wir also Wälder, die speziell dafür angepflanzt sind. Wir verlieren zehn Millionen Hektar Wald pro Jahr nur für die Kartons. Inseln sterben, weil sie alle Bäume fällen. Bäume sind so lebenswichtig, aber wir fällen jedes Jahr zehn Millionen Hektar von ihnen.

Wann wird Lush vegan?

Rowena: Ich weiß es nicht! Das werden wir niemals versprechen. Wir sind eine vegetarische Firma. Wir haben immer gesagt, wir sind Vegetarier. Wir verzichten jetzt immerhin schon mal auf Eier.

Was in der veganen Community sehr wohlwollend aufgenommen wurde.

Rowena: Ja, wir haben die Eier entfernt, aber wir halten Honig und Bienenwachs fest, beides schöne Inhaltsstoffe und sehr wohltuend für einige Hauttypen. Bienenwachs steckt zum Beispiel in unserem Augenbrauenprodukt. Aber das meiste Make-up wird vegan sein.

Und Lush ist frei von Tierversuchen.

Rowena: Ja, unsere Einkaufspolitik schließt uns vom Kauf bei Unternehmen aus, die Tierversuche durchführen. Der Grund dafür ist, dass wir keinen dieser Gewinne wollen.

Warum gibt es deiner Meinung nach immer noch so viele Kosmetikmarken, die Tierversuche machen?

Rowena: Ich habe absolut keine Ahnung! Es ist nicht notwendig. Und wir haben wirklich hart daran gearbeitet, Wissenschaft, Professoren und junge Studenten und ihre Forschung über den Lush-Preis zu finanzieren. Die ist nicht bekannt genug, Leute machen immer noch Tierversuche, und es gibt falsche Fakten, die verbreitet werden. Wir alle wissen das, und es ist lächerlich, und doch sagt die Industrie, dass man diese Tests durchführen muss, und dann sagt der Kunde, dass es nicht sicher ist, wenn es nicht an Tieren getestet wird.

Ich verstehe es auch nicht, ich meine, warum sollte ich etwas auf meine Haut auftragen, das möglicherweise für Tiere oder meine Haut schädlich ist. Welche drei ersten Schritte würdest du einer Kosmetikmarke empfehlen, die es besser machen möchte?

Rowena: Verstehe wirklich, woher alle Inhaltsstoffe stammen, die du verwendest. Welchen Weg haben sie zurückgelegt, wie wurden sie produziert? Bist du damit zufrieden, wie sie entstanden sind, unter welchen Bedingungen? Stelle sicher, dass du keine moderne Sklaverei unterstützt. Dann denke darüber nach, wie du das Produkt verpacken willst, oder noch besser, wie du es gar nicht verpacken willst. Und dann denke über deine Botschaft nach, warum du das alles machst, und sei transparent. Wenn du nicht stolz auf das bist, was du tust, dann stimmt dieser Aspekt nicht, und das solltest du vermeiden.

Wenn du es also aushalten kannst, dass jemand hereinkommt und fragt "Woher beziehen Sie diesen Inhaltsstoff?", und deine Antwort lautet "Oh, ich weiß nicht, irgendwo in Europa", bist du dann damit zufrieden? Bringt dich das dazu, zu denken "Diese Antwort geht in Ordnung"? Wenn du das okay findest, dann mach weiter. Aber wenn das für dich nicht gut genug ist und du wirklich sagen können willst, aus welchem Land genau das Produkt stammt und dass die Menschen, die es hergestellt haben, einen fairen Lohn bekommen haben und nicht in einer gefährlichen Umgebung dafür arbeiten mussten, was auch immer es ist, ob chemisch oder natürlich, unabhängig davon sollte es für dich derselbe Prozess sein: Es bedeutet, sich alles genau anzuschauen.

Als Verbraucher wollen wir diese Transparenz sehen. Man kann heute nicht einfach irgendwas machen und dann damit davonkommen.

Wie siehst du die Branche im Moment, nähert sie sich einer gemeinsamen Agenda an oder weichen die Marken in ihrer Politik immer weiter voneinander ab?

Rowena: Ich habe gestern L’Oréal sprechen hören, und sie werden oft als die Bösen bezeichnet, nicht wahr? Aber sie machen viele gute Sachen, was schön zu hören ist. Wie viel das prozentual verglichen mit dem großen Ganzen für sie ist, weiß ich nicht. Aber sie bemühen sich, und das ist schön. Ich glaube, das geht darauf zurück, dass Verbraucher sagen: "Ich will mehr wissen."

Gestern hat jemand zu mir gesagt: "Oh, jetzt müssen wir transparent sein, wir müssen den Leuten zeigen, was wir tun." Nein, nein, sie haben angepasst, was sie tun, weil sie transparent sein müssen. Das ist der Druck, den Verbraucher dadurch aufbauen, weil sie nach diesen Dingen fragen. Unternehmen sagen: "Tja, wir müssen nachdenken über das, was wir machen, weil uns jemand wirklich auf die Finger schaut." Während die Leute nichts davon mitbekamen, konnten wir einfach tun, was wir wollten, weil niemand es in Frage gestellt hat. Heute kann es sein, dass jemand kommt und sagt: "Na, das schaue ich mir an." Also müssen Unternehmen sich ändern. Wir spüren diesen Druck.

Es geht um die Verbraucherfreundlichkeit, es ist wirklich wichtig, dass wir diese Fragen stellen und Druck auf die Hersteller ausüben, dass wir sagen: "Wir wollen das nicht. Gebt uns etwas anderes." Wir als Verbraucher wissen vielleicht nicht, was wir wollen. Aber haltet den Druck aufrecht. Sagt weiter: "Wir wollen etwas anderes. Gebt mir etwas anderes. Ich weiß nicht, was ich will. Das ist nicht mein Job. Das ist euer Job, mir etwas Neues zu geben." Und wir werden uns weiter bemühen und etwas anderes herstellen. Unsere Kunden wussten nicht, dass sie feste Shampoos wollten, aber jetzt freuen sie sich darüber.

Die Make-up-Produkte bei Lush: Für welches Geschlecht sind sie?

Rowena: Sie sind für alle da. Männer und Frauen testen unsere Prototypen, wir machen Shootings mit Männern und Frauen, und unsere Make-up-Artists sind Männer und Frauen. Das Tolle an den jungen Männern heutzutage ist, dass es ihnen nicht peinlich ist, unser Zeug zu benutzen, und sie sehen fantastisch damit aus! Du musst kein Schauspieler sein, um Make-up zu tragen. Warum nicht? In der Vergangenheit waren Männer viel schicker als Frauen. Und wenn wir uns die Natur anschauen, wenn man sich die Vögel anschaut, ist das Männchen immer bunter, gemusterter oder exotischer als das Weibchen.

Was wäre dein Ratschlag für Leute, die Lush-Produkte verwenden möchten, diesen intensiven Geruch aber einfach nicht ertragen können?

Rowena: Sie können sie online einkaufen, sie müssen nicht in den Laden kommen. Die Sache ist, der Geruch im Laden ist nicht deshalb so stark, weil wir ihn forcieren, sondern weil so viele unserer Produkte unverpackt sind. Wenn man sie auspackt, riecht man das. Aber denk mal darüber nach: Alle Düfte, die wir verwenden, werden aus ätherischen Ölen hergestellt. Warum denkst du, lächelt jeder bei Lush? Weil sie die ganze Zeit diese wunderbaren ätherischen Öle einatmen. Es schadet also niemandem.

Ich finde es viel schlimmer, in ein Taxi zu steigen mit diesen "Magic"-Lufterfrischern, wo man synthetische Vanille einatmet und davon Kopfschmerzen bekommt. Außerdem, wenn du ein paar Sekunden in unserem Shop bist, passt sich deine Nase an, und du riechst eh nichts mehr. Also, gib' dir einen Ruck. Aber wenn es dir zu komisch ist, schau online nach, lies dich ein und schick das Produkt zurück, wenn es dir nicht gefällt.

Warum sind Lush-Produkte so teuer im Vergleich zu Drogerieprodukten?

Rowena: Entschuldige mal, aber lies die Auflistung der Inhaltsstoffe und du wirst sehen, warum. Die Dinge, die du in der Drogerie kaufen kannst und die billig sind, haben nicht die gleichen schönen Inhaltsstoffe wie unsere. Als wir vor 25 Jahren das Unternehmen gegründet haben, hatten wir kaum Geld. Also standen wir vor der Wahl, ob wir in die Verpackung oder in die Rohstoffe und ein schönes Produkt investieren sollten. Nun, die Wahl war für uns offensichtlich: Wir investierten in die Rohstoffe und stellten ein Produkt her, das wirkungsvoll ist und das die Kunden lieben.

Letztendlich geht es nicht um die Verpackung, sondern um den Inhalt. Die Verpackung schmeißt du eh in den Müll, das Produkt benutzt du für deine Haut und deine Haare. Das soll etwas für dich tun.

Ich habe gelesen, dass Lush nicht nur Kosmetikprodukte macht.

Das stimmt. Wir machen zum Beispiel auch Kampagnen, wir kaufen direkt von den Erzeugern, wir regenerieren, wir helfen den Menschen beim Aufbau ihrer Farmen, wir betreiben ihre Permakultur – das alles kostet Mühe, aber was du dafür bekommst, ist Qualität. Und ich würde sagen, wir haben eine bessere Qualität als viele Produkte, die du kaufen kannst, die doppelt so teuer sind. Schau dir die Inhaltsstoffe an und sag mir, warum ich deiner Meinung nach teuer bin. Wir sind nicht teuer. Wir sind wirklich verdammt billig und verdammt vernünftig. Deshalb machen wir auch keinen Sale. Wir können uns den Sale von einem Produkt mit so schönen Zutaten nicht leisten. Das würde heißen, dass wir es nicht wert sind. Nun, das sind wir aber!

Kannst du mir etwas darüber erzählen, wie eine Woche in deinem heutigen Berufsleben aussieht im Vergleich zu damals, als alles begann?

Rowena: Damals, als wir anfingen, hatte ich einen Laden – von Anfang an habe ich Läden in London eröffnet und mir angesehen, was wir verkauft haben und was nicht. Ich war mehr im Einzelhandel beschäftigt. Jetzt bin ich der Geschäftsseite viel näher, aber ich gehe immer noch in die Läden und kümmere mich um unsere Partner. Außerdem bin ich jetzt auch im Labor und entwickle Produkte.

Kannst du Make-up im Labor tragen? Ich habe eine Freundin, die im Labor arbeitet, und sie sagt: "Oh, niemand trägt Nagellack, niemand trägt Make-up." Und sie ist jemand, der Make-up wirklich mag. Aber der Gruppenzwang ist stärker. Besonders als Frau hat sie das Gefühl, nicht richtig ernst genommen zu werden, wenn sie sich schminkt.

Rowena: Oha, sie ist in der falschen Branche. Siehst du, sowas sind schlechte Neuigkeiten. Man sollte sein, wer man ist. Deshalb haben wir bei Lush keine Uniformen. Wir sagen, lasst uns Schwarz und Weiß tragen, weil das unsere Firmenfarben sind, aber welche Art von Outfit, entscheidest du. Was auch immer dich ausdrückt. Wir bestimmen nicht, dass man ein Hemd mit Kragen und eine Jeans tragen muss, weil es um Ausdruck geht. Es ist egal, welche Haarfarbe du hast, wie viele Tattoos du hast oder welche Piercings, wenn du ein Gefühl für Lush hast, wenn dir die gleichen Dinge wichtig sind wie uns, dann bist du willkommen.

Wenn du also Make-up tragen möchten, tu das, und wenn du kein Make-up tragen möchtest, ist das auch okay. Egal ob dick oder dünn, wenn du unverschämtes Zeug tragen willst, dann tu es. Sei einfach nicht beleidigend. Besser nicht BH und High Heels tragen, aber wer weiß, vielleicht geht sogar das. Und verbiege dich nicht, die Leute haben nicht das Recht, dafür zu sorgen, dass du dich fehl im Platz fühlst. Deine Freundin sollte ihr Make-up tragen, weil: Es geht um ihre Arbeit, nicht um ihr Aussehen. Das ist wie mit der Verpackung: Es geht um das, was drin steckt.

Quelle: Noizz.de