Legales Kiffen könnte Deutschland Milliarden bringen

Genna-Luisa Thiele

Popkultur, Psycho
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In Sachsen gibt es bereits 170 Hektar Cannabis-Pflanzen für medizinische Zwecke Foto: Robert Nelson / Unsplash

Das zeigt die erste breit angelegte Cannabis-Studie des Deutschen Hanfverbands.

Justus Haucap von der Universität Düsseldorf hat für den Deutschen Hanfverband untersucht, wie sich eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland auf das Staatsvermögen auswirken würde.

Die Debatte ist aktueller denn je: Ab Mitte Oktober wird es in der ersten G7-Nation legal Cannabis zu kaufen geben. In Kanada dürfen dann alle Volljährigen straffrei kleinere Mengen besitzen und konsumieren, sogar bis zu vier Cannabispflanzen anbauen.

[Mehr dazu: Kanada gibt grünes Licht für Cannabis-Legalisierung]

Der Ökonom hat bereits erste Erkenntnisse aus der Studie gesammelt, die im November final veröffentlicht werden soll.

Stichwort Steuereinnahmen, wegfallende Repressionskosten und ein neuer Wirtschaftszweig, der den Schwarzmarkt ersetzen soll.

Im Gespräch mit spiegel.de verrät Haucap die ersten Prognosen:

1. Steuereinnahmen

Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich zwischen 200 und 600 Tonnen Cannabis in Deutschland konsumiert werden. Die Dunkelziffer ist nicht bekannt.

Im Vergleich mit jenen neun US-Bundesstaaten, in denen Kiffen legal ist, darunter Kalifornien und Washington, kann man aber den ungefähren Verbrauch in Deutschland einschätzen.

Haucap hat für die Studie mit 250 Tonnen pro Jahr gerechnet, also einem recht niedrigen Wert.

Trotzdem: Eine hypothetische Cannabissteuer würde dem Ökonom zufolge mindestens eine Milliarde Euro in die Staatskasse spülen.

Realistisch sei hier eine Cannabis-Steuer von vier Euro je Gramm bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von zehn Euro pro Gramm. Das entspricht etwa dem Preis auf dem Schwarzmarkt.

Der Staat würde auch von der Mehrwertsteuer von rund 60 Prozent profitieren. Zum Vergleich: Bei Tabak sind es 75 Prozent.

2. Wegfallende Repressionskosten

Wo Drogen illegal sind, muss deren Herstellung, Besitz und Konsum strafrechtlich verfolgt werden mithilfe von Ermittlungen und Inhaftierungen durch die Polizei, Verurteilungen vor Gericht und Staatsanwaltschaft.

Aktuell machen Cannabis-Vergehen 60 Prozent aller Rauschgiftdelikte aus.

[Mehr dazu: Mutter kifft mit Tochter – jetzt steht sie vor Gericht]

In Deutschland brachte die Polizei 2017 laut Bundeskriminalamt mehr als 198.000 Cannabis-Straftaten zur Anzeige. 84 Prozent davon wegen Konsum, nicht wegen Handel oder Schmuggel.

Damit würde der Kiffer kriminalisiert, der Schwarzmarkt belebt. Deshalb hat sich sogar der Bund Deutscher Kriminalbeamter Anfang 2018 für eine Legalisierung von Cannabis ausgesprochen.

Im Falle der Legalisierung würden der zeitliche Aufwand und die Kosten für die Strafverfolgung von Cannabis stark reduziert.

3. Wirtschaftszweig statt Schwarzmarkt

Der US-Bundesstaat Colorado dient Haucap als Vorbild für den Cannabismarkt. Seit der Legalisierung vor sechs Jahren sind dort knapp 30.000 Arbeitsplätze entstanden, die Arbeitslosenquote hat sich in diesem Zeitraum halbiert und liegt sogar weit unter dem nationalen Durchschnitt.

Der Wirtschaftswissenschaftler rechnet für Deutschland mit Arbeitsplätzen im fünfstelligen Bereich.

Deshalb ist der Ökonom auch zuversichtlich, dass es nur eine Zeitfrage ist, bis es auch in Deutschland legales Cannabis zu kaufen gibt.

Denn: Das Verbot sorgt nicht gerade dafür, dass die Menschen kein Cannabis konsumieren.

Schätzungen zufolge konsumieren rund vier Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig Cannabis.

In Deutschland ist außerdem der Wirkstoff Cannabidiol, kurz CBD, auf dem Vormarsch.

[Mehr dazu: Wir haben in einem Cannabis-Laden übers „Kiffen light“ gesprochen]

In Sachsen werden auf 170 Hektar Fläche Cannabispflanzen der kanadischen Firma Mariplant angebaut – für medizinisches Marihuana.

Knapp 80.000 Bundesbürger unterzeichneten 2017 eine Initiative zur Legalisierung von Cannabis – die mit Abstand erfolgreichste Petition im vergangenen Jahr.

Die Debatte wird in Deutschland also weiter gehen …

Quelle: Noizz.de