Die Sammelbecken der Weihnachts-Schrecklichkeit machen einfach nichts schöner.

Ich liebe Weihnachten – heiß und innig. Ich mag den Kitsch, renne gerne durch die Läden auf der Suche nach Geschenken, meine Augen strahlen bei Lichterketten und Lametta und ich höre die ganze Zeit „Last Christmas“. Eigentlich müssten Weihnachtsmärkte mein Mekka sein. Sind sie aber nicht.

Meine Abneigung könnte man zurückführen auf mein erstes Semester in Heidelberg: Die Einführungsveranstaltung in die alt-griechische Sprache fand in der „Neuen Uni“ direkt am Universitätsplatz statt. Auf dem platzierte man ab Anfang Dezember den Weihnachtsmarkt – und neben dem Fenster meines Seminarraums wurde alljährlich das Kinderkarussell aufgebaut.

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Das bedeutete: zwei Stunden lang trockenste Grammatik bei einer Dozentin, die wirkte, als wäre sie zur selben Zeit geboren, wie die alt-griechische Sprache selbst und im Hintergrund das ewige Gedudel des unsäglichen Kinderkarussells.

Wir alle, alle Studierende dieses Kurses, waren Gefangene in einem nicht enden wollenden, allwöchentlichen Albtraum mit grausamem Soundtrack. Manche retteten sich damit, sich schon vor dem Seminar ein bis fünf Glühwein in den Rachen zu schütten – leider mag ich keinen Glühwein.

Glühwein ist typisch auf Weihnachtsmärkten. Die Trinkenden stehen in der Runde, meist mit flippigem Kopfschmuck – etwa Rentiergeweih oder „lustiger“ Nikolausmütze – und kippen sich lauwarmen Billo-Fusel hinter die Binde. Zum Pinkeln geht man bei fortgeschrittener Uhrzeit dann direkt neben die Holzbude, aus der die Glühwein-Plörre kommt.

Glühwein ist aber auch wichtiger Bestandteil des Abscheulichsten, was ein Weihnachtsmarkt zu bieten hat: Der Gestank! Besagter billiger, warmer Alki-Duft paart sich mit dem Geruch von gebrannten Mandeln, Frittierfett, Knoblauchsauce, Duftkerzen und gebratenem Zwiebel-Nackensteak. Diese Duftwolke wabert in jede Ecke des Marktes – und soll gemütlich oder anregend wirken. Dabei ist es ein Odeur, das mich eher an sehr misslungene Bar-Abende erinnert.

Bevor man sich ordentlich einen ansäuft, schaut man sich aber noch irgendwelchen Nippes an. Es ist beinahe egal, auf welchen Markt man geht – überall gibt es denselben Quatsch zu kaufen. Lichterketten, Papiersterne, Billo-Schmuck, Krippen, überteuerte (und zumeist ästhetisch bescheidene) Weihnachtsdeko, Kuckucks-Uhren und Seifen.

Vor allem am Wochenende fährt der gemeine Deutsche gerne auf Weihnachtsmärkte, die angeblich besonders schön sind. Als da wären: Nürnberg, Heidelberg, Dresden, Leipzig, oder so. Dort schieben sich dann dicht an dicht unendlich große Touri-Truppen durch die Gänge, genervt, meistens frierend, gelangweilt von Musik und immer selber Atmosphäre, mit dem einzigen Ziel: sich endlich an einen Glühweinstand zu begeben, und das alles zu vergessen – und genau hier fängt das ganze Advents-Elend dann wieder von vorne an.

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Quelle: Noizz.de