#januhairy: Frauen lassen wieder Achselhaare auf Insta sprießen

Teilen
36
Twittern
Der Hashtag „Januhairy“ erobert gerade Instagram Foto: billiebodybrand / Unsplash

Wie ein Hashtag mit einem Tabu brechen will.

Sie sprießen überall: auf dem Kopf, an den Beinen, auf und unter den Armen, im Intimbereich, am Po – und: Sie erfüllen damit einen Haufen Funktionen. Haare regeln unsere Körpertemperatur, bieten Schutz und können sogar Erregung verstärken.

Trotzdem rasieren, zupfen und waxsen wir seit der Antike, als gäbe es keine Morgen. Wir können einfach nicht anders. Der Grund liegt auf der Klinge: die glatt rasierte Haut entspricht in weiten Teilen unserer Welt dem Schönheitsideal.

>> Mobbing, Schönheitsideal, Selbst-Liebe: Aktivistin Harnaam Kaur im NOIZZ-Interview

Die Ästhetik der haarlosen Haut ist seit Jahrzehnten en vogue. So sehr, dass es eine ganze Industrie aus dem Boden gestampft hat. Rasierer- und Rasierschaum-Hersteller, Laser- und Waxing-Studios: Mit unserer unbändigen Rasierlust machen viele Leute sehr viel Geld.

Der Hype um den stoppellosen Look geht sogar so weit, dass wir wuchernde Körperbehaarung – vor allem bei Frauen – als eklig und unangebracht empfinden. Eine Frau, die sich nicht rasiert? „Sie muss sich der Hygiene verwehren“, hört man die Massen schreien. Oder: „Die ist einfach zu faul.“

Jetzt schlägt die Aktion #januhairy Wellen in den Sozialen Netzwerken

Dabei trifft sowohl die Hygiene- als auch die Faulheits-Annahme in den meisten Fällen nicht zu. Auch die junge Engländerin Laura Jackson sieht das so. Deshalb startet sie kürzlich die Aktion #Januhairy. Mit dem Hashtag ruft die 21-Jährige auf Instagram Frauen dazu auf, ihre Achseln im Januar nicht zu rasieren – und hat damit Erfolg. Unter #Januhairy finden sich bereits über 2.300 Beiträge von Frauen, die stolz ihre haarigen Achseln in die Kamera strecken.

Laura selbst ließ ihre Achselhaare im Mai 2018 das erste Mal nach Jahren wieder sprießen. Für eine Performance für ihr Schauspiel-Diplom. Das war der Startschuss. Nach einigen Wochen der Rasur-Abstinenz fühlte sich Laura befreit. „Ich fing an, meine natürlichen Haare zu mögen. Ich fing auch an, das Ausbleiben des lästigen Rasierens zu mögen“, schreibt sie auf Instagram.

Obwohl sie sich befreit fühlte, hätten viele nicht verstanden, warum. Auch ihre Mutter ging davon aus, dass ihre Tochter möglicherweise einfach „zu faul“ sei. „Mir wurde klar, dass es noch so viel mehr zu tun gibt, damit wir uns voll und ganz akzeptieren können. Dann dachte ich an Januhairy und dachte, ich würde es ausprobieren. Zumindest ist es ein Anfang“, schreibt sie weiter.

>> Der Pirelli-Kalender 2019 ist gut gemeint – und trotzdem total daneben

Laura ist nicht die Erste, die sich gegen den Rasierzwang wehrt

Bereits im Sommer 2015 riefen Frauen in Amerika unter dem Hashtag #Freeyourpits dazu auf, das Achselhaar wuchern zu lassen. Die Aktion unterstützten Stars wie Madonna und Miley Cyrus.

Geht man noch einen Schritt tiefer in die Achselhaar-Historie, stellt man schnell fest, dass der Aktivismus in Sachen Körperbehaarung noch weiter zurückreicht. In den Achtzigern machte Sängerin Nena weltweite Schlagzeilen, weil sie sich öffentlich mit Achselhaare zeigte. Noch früher machte es Punk-Legende Patti Smith mit ihrem Album „Easter“ vor. 1978 posierte sie inklusive Achsel-Frisur auf dem Cover der Platte.

Geändert haben all diese Aktionen am allgemeinen Unwohlsein um das Thema Achselhaare augenscheinlich nicht viel. Ich und ein Großteil der Frauen, die ich kenne, stehen trotz der Erkenntnis, dass es sich bei der Achselrasur um ein stumpfes Ideal handelt, allmorgendlich unter der Dusche und lassen die Klinge unter die Arme rutschen.

>> Kritische Fragen, die die aberkannte Krone der Miss Ukraine aufwirft

So ist das nunmal mit Schönheitsidealen. Sie sind tief im Kopf einer Gesellschaft verankert – und können nur mit viel Mühe, Geduld und in diesem Fall vielen Achselhaar-Aktivistinnen aus unserem Bewusstsein verschwinden. Möglicherweise braucht es nach #Freeyourpits und #Januhairy noch viele weitere Aktionen, um uns davon zu überzeugen: Achselhaare sind so was von geil.

>> Drei Gründe, warum du dir sofort die Serie „Dietland“ anschauen solltest

Quelle: Noizz.de

Kommentare anzeigen