"So was hab ich noch nie erlebt."

Um 6.30 Uhr morgens steht Fliki, 26, vorm Ikea in Berlin-Lichtenberg – zusammen mit 100 bis 200 anderen. Es ist noch dunkel und ziemlich kalt: nur wenige Grad über Null. Um kurz nach 8 Uhr geht die Sonne auf, um Punkt 9 macht der Ikea auf – und die Videos, die dann entstehen, werfen bei Uneingeweihten nur eine, ratlose Frage auf: Was zur Hölle?!

Hunderte Menschen, die wie von der Tarantel gestochen durch die offenen Türen rennen, an den Kassen vorbei, hinein in den Tempel der Glückseligkeit. Es sind vor allem Jungs, die meisten von ihnen dürften noch zur Schule gehen. Manche von ihnen rutschen in einer Kurve aus, deren Boden wohl gerade noch feucht gewischt worden ist.

"Es war echt verrückt", sagt Fliki gegenüber NOIZZ. Auf Instagram ist er als @kushblogger unterwegs, hauptberuflich arbeitet er für Nike. Fliki sammelt leidenschaftlich Sneaker und Streetwear, jede Woche geht er mit seinen Freunden zu Releases von limitierten Hype-Artikeln. Das meiste davon verkaufen sie wieder, mit dem Gewinn gönnen sie sich sogenannte Grails, also extrem seltene Sneaker. An diesem Donnerstag geht es um Einrichtungsgegenstände, die Kult-Designer Virgil Abloh (Off-White, Louis Vuitton) zusammen mit dem schwedischen Möbelhaus entworfen hat: einen Stuhl, ein Tagesbett, eine Uhr, einen Werkzeugkasten, zwei Teppiche, einen Spiegel, und, und, und.

>> Wir haben Ikeas Virgil-Abloh-Kollektion "MARKERAD" schon jetzt gesehen

"MARKERAD" heißt die Kollektion. Man erkennt sie an den Wörtern in Anführungszeichen, mit denen die meisten Items bedruckt sind. Die Gegenstände selbst sind nicht wirklich teuer. Eine einfache Tasche kostet noch nicht mal 10 Euro.

Das Problem: die Artikel sind streng limitiert, und jeder Kunde darf jeweils nur ein Exemplar kaufen. Ein gefundenes Fressen für Reseller, die die Sachen nicht selbst behalten wollen, sondern sie nur shoppen, um sie später gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Einer von ihnen ist Fliki. "Man ist ja normale Camp-outs mit Listen gewohnt", sagt er am Donnerstagabend. "Aber so was hab ich noch nie erlebt." Bei Camp-outs zelten Leute vor Stores, um als erster an heiße Waren zu kommen. Mitarbeiter der Läden legen dann eine Liste an, damit nichts durcheinander geht. "In Spandau haben sie eine Liste gemacht und immer nur zehn Leute auf einmal reingelassen", sagt er mit Blick auf das Prozedere beim Ikea in Berlin-Spandau. Dort hätten seines Wissens rund 200 Leute vor der Filiale gewartet, in Berlin-Tempelhof seien es circa 400 gewesen.

In Berlin-Lichtenberg schlugen die ersten laut Fliki schon am Mittwochabend gegen 23 Uhr ihre Zelte auf.

Die Ausbeute des Sammlers ist nicht schlecht: eine Mona Lisa, drei "Wet Grass"-Teppiche, zwei Kassenzettel-Teppiche, zwei "Sculpture"-Taschen, drei Uhren, Bettwäsche und Werkzeugkästen.

Kushbloggers Ikea-Virgi-Abloh-Cop Foto: Instagram / Kushblogger

Hä? Wir dachten, jeder darf jeden Artikel nur einmal kaufen?

"Na ja, sagen wir so: Man darf sich nicht dumm anstellen", sagt Fliki und beschreibt, wie er's angestellt hat: "Wir waren eine Gruppe aus fünf bis sieben Leuten. Einer hat auf den Safe-Platz aufgepasst. Alle haben ihre Sachen dahin getragen. Dort wurde alles gebunkert, anschließend aufgeteilt. Und wir sind immer wieder zur Kasse und haben jeden Artikel einmal bezahlt – aber halt mehrmals. Einer hat dann draußen auf die bereits bezahlten Sachen aufgepasst."

Wer es heute Früh nicht zu Ikea geschafft hat, wird die "MARKERAD"-Kollektion wahrscheinlich nur noch bei eBay kriegen – für einen deutlich höheren Preis ...

Hier gibt es noch ein paar weitere Videos vom großen Run auf Ikea:

Quelle: Noizz.de