Dabei können mich andere echt positiv überraschen!

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Ich habe einen ganz bestimmten Typ Mann. Ich stehe auf Typen, die eine Mischung aus arrogantem Arschloch und humorvollem Proll sind. Das Gute daran: Sie achten auf ihr Äußeres, wollen es Frauen ordentlich besorgen und streben meistens eine ganz beachtliche Karriere an. Das Schlechte daran ist: Diese Type sorgen dafür, dass man sich in sie oder zumindest den Sex mit ihnen verliebt, und brechen einem dann das Herz.

Neben ihrem arroganten Blick und dem schmutzigen Humor haben die meistens auch noch andere Merkmale gemeinsam: In 99 Prozent der Fälle haben sie dunkle Haare, braune Augen, lange dunkle Wimpern und volle Lippen. Wenn ich so einen Typen irgendwo erspähe, springt meine Vagina im Dreieck.

Wenn ich gerade mal einen schwachen Moment habe und meinen Freunden davon erzähle, dass meine Männerausbeute gerade nicht ganz so erfolgreich ist oder mir einer dieser oben beschriebenen Typen mal wieder das Herz rausgerissen hat, dann ernte ich eigentlich immer den gleichen Blick: Da liegt etwas Verzweiflung, aber auch eine Portion Wissen drin. Der Lieblingssatz meiner besten Freundin: „Vielleicht musst du einfach mal nach einem anderen Typen Ausschau halten.“

Das ist eine ziemlich ernüchternde Antwort – es ist ja nicht so, dass ich mir das ausgesucht habe. Was kann ich denn bitte dafür, dass sich meine Vagina eben nur bei solchen Typen und nicht bei dem freundlich lächelnden Kerl auf der Hundewiese regt? Es geht mir nicht darum, dass die Typen aussehen wie aus einer Zeitschrift entsprungen, sie müssen nur etwas haben, das mich catcht ... und bisher haben mich eben nur die dunkelhaarigen Arschloch-Typen mit dem merkwürdigen Humor dazu gebracht, meine Beine zu spreizen. Wenn ich es mir recht überlege, hatte ich, glaube ich, noch nie Sex mit jemandem, der keine dunklen Haare hatte ...

Na ja, zumindest bis vor Kurzem. Denn da stand plötzlich ein Typ vor mir im Club, der mich echt überrascht hat. Ich weiß gar nicht mehr, worüber ich mich am Anfang mit Fabio unterhalten haben. Aber eins stand fest: Er hatte weder einen arroganten Blick, noch die dunklen Haare, die ich so sexy finde. Aber irgendwas an ihm fand ich trotzdem spannend. In seinen grünen Augen lag Herzlichkeit und Selbstbewusstsein. Er verriet mir, was er beruflich machte und plauderte mit mir etwas über seine Heimat.

Trotzdem konnte ich es nicht lassen, vor ihm meine sehr gut einstudierte Show als „die Unnahbare“ abzuspielen. Ich flirtete mit ihm, schlug ihm aber auf die Finger, wenn er näher kommen wollte. Es waren die kleinen Gesten, die ihm zeigen sollten, dass er mich nicht haben konnte. Eigentlich wende ich diese Nummer bei jedem Flirt an – vor allem, wenn ich eigentlich nicht interessiert bin. Ich finde sie nicht besonders toll, aber effektiv: So findet Frau relativ schnell heraus, worauf der Typ eigentlich aus ist und ob er auch mal damit klarkommt auf die Nase zu fallen.

Er sah mir dabei zu, wie ich versuchte ihn gespielt auf Abstand zu halten und fing irgendwann an zu grinsen: „Du bist echt süß!“

Süß? Ich kann mich nicht erinnern, dass das JEMALS ein Mann zu mir gesagt hat! Ich sah ihn verwirrt an. „Du spielst hier die toughe unnahbare Karrierefrau ... Aber ganz tief in dir drin, suchst du einfach nur einen Typen, der dir zeigt, wo es lang geht!“

Ich fing an zu lachen ... Klar, hahahaha, als ob ... Ich war ganz sicher nicht auf der Suche nach einem Typen ... schon gar nicht nach einem der mir zeigte, wo es lang ging und vor allem nicht nach Fabio, der ja noch nicht mal meinem Typ entsprach. Die Einzige, die hier vielleicht suchte, war meine gerade etwas untervögelte Vagina ... aber die konnte ich eigentlich ganz gut im Zaum halten.

Mein beinah schon hysterisches Lachen brachte ihn allerdings so gar nicht aus der Ruhe. Er orderte noch zwei Getränke und zog mich dann auf die Tanzfläche. Ich schüttelte den Kopf. Ich bin eigentlich eine ganz gute Tänzerin – zumindest, wenn es darum geht eine kleine Piepshow zu R'n'B und Hip-Hop Songs hinzulegen, wenn ich allerdings mit einem Mann tanzen soll, kann das problematisch werden. Wenn ich mich nicht gerade in einem Bett befinde und um meinen nächsten Orgasmus bettele, dann lass ich mich nicht gerne führen.

Fabio stand da drüber: Er griff meine Hüfte und schob mich so bestimmt in eine Richtung, dass ich gar nicht anders konnte, als mit ihm zu tanzen. Und verdammt: Es fühlte sich gut an, sogar richtig gut!

Ich lachte und blickte ihm in seine Augen. Plötzlich brodelte da etwas in der Luft zwischen uns ... Huch, woher kam denn plötzlich dieser Sex-Blick, den ich aufgelegt hatte? Er grinste breit, zog mich näher an sich heran und küsste mich. Ich versuchte es nochmal mit der Unnahbaren und biss ihm auf die Zunge. Er schüttelte nur mit dem Kopf, legte seine beiden Hände an meinen Wangen und zog mich wieder zu sich. Eins musste man ihm lassen: Er wusste verdammt noch mal, was er da tat und ich konnte ihn mit keinem meiner kleinen Spielchen abschrecken – das war definitiv ein Pluspunkt für ihn.

Als wir uns nach dem Kuss lösten, lächelte ich ihn an und sagte dann mit einem Zwinkern: „Du traust dich ja was ...“ Er nickte, griff nach meiner Hand und zog mich mit sich.

Ich überlegte kurz: Obwohl ich ihn sonst niemals für eine heiße Nummer in Betracht gezogen hätte ... Er hatte mir definitiv bewiesen, dass auch andere Typen, die nicht in mein Muster fielen, eine Chance verdient hatten. Also gab ich meiner Freundin kurz ein Zeichen, drehte mich wieder zu ihm, gab ihm einen Kuss und ging mit ihm mit ... Wollten wir doch mal sehen, ob andere Typen genau so viel im Bett drauf hatten, wie meine Muster-Männer.

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Quelle: Noizz.de