Weißt du wirklich, was Facebook über dich weiß?

Ich fühle mich ein bisschen so, als würde ich um (m)eine ganz besondere Geheimakte bitten.

[Mehr dazu: So trittst du den Spionen von Facebook, WhatsApp und Google in den Arsch]

Ein bisschen Unmut schwankt in mir - will ich wirklich wissen, was Facebook alles über mich speichert? Oder soll ich mir doch lieber weiterhin in glückseliger Unwissenheit Kardashian-Memes und Kochvideos reinziehen?

Doch wie jeder braver Bürger hinterfrage ich meinen Datenschutz – ich wage den Selbstversuch.

Anleitung zum Nachmachen:

1. Melde dich bei Facebook an

2. Oben rechts den kleinen Pfeil ausziehen und auf deine Einstellungen gehen

3. Dort findest du folgende Option:

Hier dann draufklicken. Foto: Facebook.de / facebook.de

Los gehts!

Ich fordere eine Kopie an und fühle mich wie bei einer investigativen Untersuchung des nächsten Privatsphäreskandals. Dabei ist das ganze ja gar kein Delikt, noch nicht mal eine Bagatelle. Denn irgendwie habe ich irgendwann irgendwem ja erlaubt, das alles zu speichern und zu benutzen.

„Stimmen Sie den Datenschutzbestimmungen zu?“ Ja, ja, klar … Durchlesen? Macht eh keiner.

Ungefähr eine Stunde später steht eine Zip-Datei zum Download bereit.

Vor mir offenbaren sich ganze elf Ordner, die angeblich alle Informationen enthalten, die Facebook über mich speichert. Ich klicke mich durch und bin in meiner Sensationslust ziemlich enttäuscht.

Das soll alles sein?

Ein paar Dokumentationen über meine Event Invites, Meine Freundesliste und eine leere Kontaktinfo-Seite?

Doch dann wird es prickelnder. Ich finde Massen an scheinbar wahllos zusammengewürfelten Nachrichten mit längst vergessenen Menschen, manchmal nur knappe Dialoge wie:

„Hey danke für die Einladung, kann ich vielleicht XY mitbringen?“ - „Ja klar! Bis dann :D“.

Doch bei anderen geht das Ganze in eine eindeutigere Richtung, und mir wird langsam klar, was genau Facebook in meinen Nachrichten sucht.

„Warte wo wollten wir uns nochmal treffen?“ - „lass doch einfach da bei Fassbender und Rausch“ - „Da Hilton?“ - „Ja genau“.

Oder: „Hahahahah guckt mal meine krassen Socken an, wisst ihr noch??“

Und: „Glaube die Züge waren so 40€ aber weiß nicht genau ob hin und zurück“

Wow Facebook. I see what you did there …

Krieg ich deswegen immer Werbung von diesen komischen Happy Socks, weil mich mit 14 einmal jemand an ein lustiges Weihnachtsgeschenk erinnert hat? Kayak.de, Urlaubspiraten, EasyJet Posts - alle nur, weil ich manchmal meine Reisen über Messenger kläre?

Black Mirror in seiner realsten Form

Doch dann knacke ich den Jackpot: Ein Ordner namens „Ads“. Ich öffne ihn. Eine ellenlange Liste von Markennamen und Genres. Manches kann ich nachvollziehen, Musiker und manche Sportseiten. Andere Namen sagen mir aber gar nichts. Wer zur Hölle ist "Rhine"? Was soll ich mit "Orlando Magic"? Wieso assoziiert mich Facebook mit einem "Colors Magazine", "Razz Poker," und "Boris TV-Series"?

Selbst Ländernamen sind in der Liste, vielleicht das Resultat einer Analyse meiner geliketen Urlaubsposts.

Weiter unten verschärft sich das Ganze. Eine Liste aller Werbeanzeigen, die mich schonmal zu einem Klick verleitet haben, die meisten kann ich jetzt gar nicht mehr zuordnen.

Und dann habe ich gar keinen Bock mehr: Ganz unten eine Liste aller Werbenden mit meiner Kontaktinfo.

Entschuldigung, sagt einem das mal jemand?

Woher haben die meine Info? Von wem haben sie die gekauft?

Wieso bin ich und meine privaten Nachrichten ein offenes Buch für alle Werbetreibenden?

Ich ärgere mich, weil ich weiß, dass morgen mein Ärger nicht verflogen, aber kurzzeitig vergessen sein wird.

Die Konsequenz: Ich werde deswegen trotzdem nicht mein Facebook löschen, und ich werde trotzdem überall meine Daten angeben, wenn danach gefragt wird, und ich werde trotzdem, sobald ich für meine Zustimmung der Datenschutzbestimmungen gefragt werde, faul einfach nur Ja ankreuzen. Und, dass ich dann kein Recht habe, mich zu beschweren, weiß ich auch – also ärgere ich mich über mich selbst.

Mein Tipp, nach meiner Exkursion in mein Facebook-Innerstes:

Gehet hin und verirret euch im Datenlabyrinth! Denn schlimmer, als all seine Daten einem wildfremden Algorithmus zur Verfügung zu stellen, ist es, so zu tun, als gäbe es ihn nicht.

Quelle: Noizz.de