Hillsong Church: Wir waren in der Hipster-Kirche von Justin Bieber

Isabell Finzel

Politik, News, Lifestyle
Teilen
Twittern

...und haben eine Party mit Gott gefeiert!

„Er liebt wie Sonnenlicht“, singt ein Typ mit Hipster-Brille und Gitarre. Er steht auf der Bühne, während hunderte junge Menschen davor tanzen und mitgrölen. Aus den Boxen schallt laute Pop-Musik, an der Decke dreht sich eine Disco-Kugel. Langsam wird mir klar: Ich bin auf einer Party gelandet. Eine Party mit Gott.

In der Hillsong Church in Düsseldorf treffen sich jeden Sonntag hunderte Menschen zum Gottesdienst, um Jesus zu feiern. Die Freikirche Hillsong wird immer beliebter. Durch die Medien geht ihr Name aktuell vor allem wegen eines Pop-Stars: Justin Bieber. Der Sänger wird in letzter Zeit ständig mit seiner Flamme Selena Gomez in der Hillsong Church in Los Angeles gesichtet. Mit dem Hipster-Pastor Carl Lentz ist er gut befreundet, postet Bilder mit ihm auf Instagram und schreibt: „Er holt das Beste aus mir heraus“.

Auch in Deutschland ist die Freikirche längst angekommen. „Welcome Home“ steht riesengroß am Eingang der Hillsong Church in Düsseldorf. Zwei Frauen begrüßen mich: „So schön, dass du da bist!“ Ich fühle mich sofort wohl bei so viel Freundlichkeit.

Ich suche mir einen Sitzplatz. Auf jedem Stuhl liegt schon ein Spendenumschlag bereit – so finanziert sich die Hillsong Church. Nach etwa einer Stunde und unzähligen Popsongs über Jesus, Gott und seine Gütigkeit steigt endlich Pastor Freimut Haverkamp auf die Bühne. Er hat Tattoos auf dem Unterarm, trägt eine lässige Jeansjacke und Timberlands. Tosender Applaus, die Menge jubelt – es kommt mir vor, als hätte gerade ein Teenie-Star die Bühne betreten.

Haverkamp ist der „Lead Pastor“ der Hillsong Church Deutschland. Er ist Ende dreißig, sieht gut aus, ist verheiratet. Vor sechs Jahren hat er die Freikirche nach Konstanz gebracht. Zwei weitere Gemeinden entstanden in München und Düsseldorf.

Eigentlich kommt die Bewegung aus Australien. Hier betreibt die Freikirche sogar ein eigenes Hillsong-College, das die Pastoren ausbildet – auch Haverkamp studierte nach eigenen Angaben dort.

Laut Hillsong besuchen jede Woche 100.000 Menschen weltweit die Gottesdienste. An diesem Sonntag sind in Düsseldorf rund dreihundert gekommen. Pastor Haverkamp begrüßt die Menge, sein Gesicht ist auf einer riesigen Leinwand zu sehen.

Was mich erstaunt: Er redet in Jugendsprache, sagt oft Wörter wie „krass“ und macht Witze über Bezeichnungen in der Bibel, als er aus ihr vorliest.

Den Monat März, in der Bibel „Nisan“ genannt, vergleicht er etwa mit der Automarke „Nissan“. „Wer von Euch fährt einen Nissan?“ fragt er in die Menge. Gelächter.

In seiner Predigt ruft er dazu auf, sich zu Gott zu bekennen. Es sprudelt förmlich aus ihm heraus, er redet so schnell, dass ich mich konzentrieren muss, um ihn zu verstehen. Viele der jungen Menschen schließen die Augen und breiten ihre Arme aus, während Haverkamp den Segen spricht.

Warum ist Hillsong so angesagt?

Es sind etwa gleich viele Frauen und Männer gekommen, unter ihnen viele Hipster – gerade bei ihnen ist Hillsong beliebt.

Die Freikirche verbinde das Prinzip amerikanischer Megakirchen, die stark auf Gemeinschaft und gemeinsames Erlebnis zielen, mit einem modernen Anstrich, sagt der Theologe Gert Pickel von der Uni Leipzig zu NOIZZ.

Sie nehmen Musik aus der Popkultur auf und produzieren sie sogar selbst. „Damit sprechen sie ein religiöses Klientel an, das in der europäischen Kirche, die doch stark traditionell und auf Musik à la Bach konzentriert ist, eher schwach bedient wird.“

Der Eingang der Hillsong Church in Düsseldorf Foto: Isabell Finzel / Noizz.de

Doch hinter der modernen Verpackung der Hillsong Church stecken konservative Einstellungen. So spricht sich die Kirche gegen Sex vor der Ehe aus und erlaubt Homosexuellen keine Führungspositionen innerhalb der Gemeinde.

Der Theologe sieht das aber nicht als Problem: „Aus ihren Einstellungen macht die Freikirche selten ein Geheimnis und es ist legitim auch solche Positionen zu vertreten - selbst wenn einem aus liberaler Sicht gelegentlich Bedenken kommen mögen“, sagt Pickel.

Immer wieder ermutigt Pastor Haverkamp die Besucher, mit ihrem Sitznachbarn zu reden: „Sagt dem Typen neben euch, er sieht heute gut aus!“ Neben mir sitzt Haruto(*). Er kommt aus Japan und ist erst vor sechs Monaten nach Düsseldorf gezogen, erzählt er mir. Zum fünften Mal besucht er heute den Gottesdienst – für ihn sei Hillsong eine gute Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen.

Die Mitglieder treffen sich unter der Woche in Kleingruppen zum Beten, Kochen oder Sport treiben. Nach dem Gottesdienst trinken sie in einem Zelt am Eingang zusammen Latte Macchiato. Hier gibt es jede Menge Hillsong-CDs, Bücher und Bibeln zu kaufen. Wie viel Geld die Hillsong Church damit und mit den Spenden einnimmt, ist nicht bekannt.

Für mich ist die Gottesdienst-Party nun zu Ende, irgendwie hat es Spaß gemacht. Wiederkommen werde ich wohl trotzdem nicht. Obwohl die Menschen alle offen und sympathisch waren, schien mir die Freundlichkeit doch etwas aufgesetzt und oberflächlich.

(*)Name geändert

Themen

Hillsong Church Kirche Düsseldorf Justin Bieber
Kommentare anzeigen

Auch spannend

Mehr