Über fehlende Klospülungen und das Kanzlerinnen-Handy – Intermezzo mit dem Hamburger Rapper Negrow

In unserem neuen NOIZZ-Format „Häng with the Gäng“ begleiten wir Künstler und interessante Persönlichkeiten auf ihrem Weg nach oben:

Wir klinken uns mit Kamera und Mikro in das Leben von interessanten Menschen ein, bei denen das Insta-Stalking-Radar Alarm schlägt!

Den Startschuss zu unserem Format gibt Musa, der als Negrow bereits seit 2013 im Verbund mit der Steilshooper Stylezhood-Crew Deutschrap von der Straße liefert.

Im Januar droppte der Hamburger mit dem Management- und Produktions-Team „Tracksetters“ seine EP „City Kids“ mit den vorab veröffentlichten Singles „Morgens am Hafen“ und „Razer“.

Mit ehrlichen Texten und einer unverkennbar rauen Stimme nimmt er uns mit auf einen Trip in den Großstadtdschungel, delivered auf 5 Tracks Wortgewalt mit Vielfalt und gutem Vibe.

Als ersten Protagonisten unserer Serie treffen wir Negrow in der Hansestadt – passend zu der ersten Single seiner EP, „Morgens am Hafen“ – dort, wo am „Tor zur Welt“ die Schiffe anlegen.

Wir wollen unser anstehendes Projekt mit ihm abstimmen. Bevor wir offiziell mit unserer NOIZZ-Hängerei beginnen, wollen wir gucken „was Phase ist“, wie man es als urbaner Hanseat mit street credibility zu sagen pflegt.

Weil Negrow wegen seines EP-Releases schwer am Machen ist, kommt er kurzfristig zwischen einer Session im Studio der Tracksetters, und einem Auftritt im Hamburger Club „Uebel & Gefährlich“ mit seinem Manager bei uns vorbei.

Die Zeit ist knapp, weswegen wir unser Gespräch auf ein kurzes Intermezzo beschränken müssen.

Zeit für einen Tee haben wir aber.

Musa trinkt Grünen: „Ich mag alles was grün ist“, sagt er und haut dabei ein verschmitztes Lächeln raus. Was er damit meint ist klar.

Zwischen Tee und Honig klären wir, dass Musa unseren Instagram-Account übernimmt, wenn er zu der Fortsetzung eines freshen Videodrehs nach Stuggi fliegt.

Dass sein Song „Razer“ rein gar nichts mit dem Motorola Klapphandy zu tun hat, vermittelt er uns eloquent.

Unsere Frage zum Einstieg war nämlich, ob die Kiddies heutzutage überhaupt noch etwas mit dem (Moto)razr anfangen könnten.

Negrow spricht in seinem Song von einem Kryptophone, einem Krypto-Handy.

Mit meinem Razer Kryptophone / Die Bullen hören nicht mit / Doch verfolgen jeden Schritt /

„Das Teil verschlüsselt Gesprächsdaten vor der Übertragung. Merkel hat doch auch so eins. Merkel-Phone. Abhörsicher. Meinem Kanzlerinnen-Handy habe ich einfach den Spitznamen Razer gegeben.“

Also doch Motorola? Nein, ein Gamer-Smartphone mit 120-Hz-Bildschirm. So begibt man sich also auf die dunkle Seite des Mobilfunks.

Was auffällt, wenn man mit dem Steilo-Jungen an einem Tisch sitzt, ist eine sympathische Zurückhaltung und seine angenehme Art zu sprechen.

Während er unsere (diversen) Fehlinformationen berichtigt, stellen wir ihn uns vor einer Tafel stehend in einer Lehrfunktion vor und das Bild passt – besser als das Bild eines Klischee-Gangsta-Rappers. Dieses zerschlägt Musa mit seiner positiven gelassenen Ausstrahlung, sobald er den Raum betritt.

Im Gespräch fallen Dinge wie "Hausdurchsuchung" und "ich war kurz davor eingeknastet zu werden."

Mit der Cross-Media-Production-Ausbildung am Medienbunker in Hamburg hat er auch nur begonnen, weil sein Anwalt meinte, er solle „irgendwas“ machen.

Irgendwas? „Ja, wegen eines laufenden Gerichtsverfahrens. Im Februar bin ich aber eh durch mit dem Diplom, muss man also eigentlich nicht erwähnen.“

Finden wir schon erwähnenswert, weil so ein Abschluss den Vorurteilen entgegenwirkt, welche ein "Straßenrapper" verkörpert, denen er aber absolut nicht entspricht.

"Es ging in meiner Laufbahn nie darum, wie gewisse andere Hampelmänner auf Gangster zu machen und das nach außen zu tragen. So arbeite ich nicht und das ist nicht mein Wesen. Wer den Unterschied nicht versteht, hat das Thema Negrow verfehlt!"

Weil es sich anbietet, ziehen wir den direkten Vergleich zu seinem Hamburger Kollegen der 187 Straßenbande – Gzuz.

Wir zeigen ihm das Video des NDR, in dem der 187-Rapper wegen seiner vermeintlich gepimpten Karre von der Polizei angehalten wird.

"Beamtenbeleidigung gibt es nicht. Ist kein eigener Tatbestand."

Als wir behaupten, dass es nicht so schlau sei, dem Polizisten ein „Hurensohn“ vor laufender Kamera ins Gesicht zu werfen, weil darauf direkt 'ne saftige Anzeige wegen Beamtenbeleidiung folge, lernen wir von Musa: „Beamtenbeleidigung gibt es nicht. Ist kein eigener Tatbestand.“ (Anm. d. Redaktion: Gzuz hat eigentlich auch nicht den Polizisten, sondern den Kameramann beleidigt)

„Mit 22 bin ich von Steilo in eine Bude in Winterhude mit eigenem Studio gezogen. Da hatten wir mal ‘ne derbe STLZhd-Session, Gzuz war zwar nicht dabei, aber Maxwell von 187 war mit am Start, Nate 57 und Telly Tellz auch: Kompletter Abriss!“

Mit der Info, dass nach diesem Abriss-Abend mysteriöserweise die Klospülung fehlte und er bis heute nicht weiß, wer sie mitgenommen hat, verlassen er und sein Manager die illustre Runde.

"Vielleicht finden wir ja zusammen raus, welcher Hund das Teil eingesteckt hat", wirft Musa lachend in den Raum, "aber das klären wir dann beim nächsten Mal."

Am Samstag trafen wir Negrow wieder. Nicht Morgens, aber Abends am Hafen.

Auf dem Weg zum Flughafen schaut er kurz bei uns vorbei, um euch auf Instagram via noizz_de mit auf seinen Trip zum Videodreh nach Stuttgart zu nehmen.

Negrows okkafarbenen Sneaker sind farblich auf seinen AntiSocialScocialClub-Hoodie abgestimmt. Als wir ihn auf seine freshen Looks ansprechen, sagt er: "Ich rocke Hood-Couture!" – Sein Sinn für Style und Ästhetik ist in seinen MusikVideos und auf seinen Social-Media-Kanälen nur unschwer zu erkennen.

In unseren Stories zeigt er euch Sonntag, was in 0711 geht und mit wem er so hängt.

Dranbleiben!

Quelle: Noizz.de