In Berlin startet jetzt das erste Modellprojekt.

Berlin und die Drogen: Joints, Teile, Lines – es ist eine lange Liebes- und gleichzeitig eine Leidensgeschichte. Alleine im vergangenen Jahr starben 168 Menschen in der Hauptstadt, weil sie illegale Rauschmittel konsumieren. Eine Zahl, die seit Jahren konstant ist. In Ländern wie der Schweiz wird neben Prävention mittlerweile auch auf kostenlose Drogen-Checks gesetzt. Das soll es nun auch in Berlin geben.

Kokain, Amphetamin, Speed und Co. sind illegal. Die Substanzen unterliegen demnach keinerlei Überwachung, schon gar keinen Vorschriften zum Mischverhältnis. Die Zusammensetzung des Stoffes liegt allein in der Hand des Herstellers. Und der möchte – natürlich – den größtmöglichen Gewinn aus seinem illegalen Business schlagen. Das Ergebnis: Der gängige Drogenkonsument hat keine Ahnung, was er sich da gerade einschmeißt.

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Beim Drug-Checking analysieren Experten kleine Proben des jeweiligen Rauschgifts. Dabei geht es um den Anteil des Hauptwirkstoffes und die beigemischten weiteren Inhaltsstoffe. Dazu werden meist eine Tablette oder Teile davon oder 30 bis 50 Milligramm eines Pulvers benötigt. (Das entspricht etwa einer Messerspitze.)

In der Schweiz gibt es zum einen bereits Anlaufstellen wie das Drogeninformationszentrum (DIZ) in Zürich. Dort können Konsumenten ihre Drogen zwei Mal in der Woche untersuchen lassen. Außerdem gibt es Teams aus Labortechnikern und Sozialarbeitern, die die Drogen direkt im Club untersuchen und während der Auswertung Beratungsgespräche führen.

Vergangenen Donnerstag startete das erste Projekt „Drug Checking“ in der Hauptstadt, wie die „Deutsche Presse Agentur“ jetzt berichtete. Dem voraus ging ein Versprechen im Koalitionsvertrag von Rot-Rot-Grün: Es hieß man wolle Maßnahmen zur „Verminderung der Begleitrisiken von Drogenkonsum“ stärken – Drug-Checking wurde dabei als ein Baustein genannt.

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Der Startschuss fürs Drug-Checking fällt vorerst aber nicht. Wie das nunmal in der Politik so läuft: Zuerst wird die Lage in Sachen Drug-Checking gecheckt. Zunächst soll ein Gutachten zur juristischen Machbarkeit des Testangebots eingeholt werden. Für das Modellprojekt stellt der Berliner Senat in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt 150.000 Euro bereit. Den Zuschlag für die Umsetzung erhielt Organisationen der Berliner Drogen- und Suchthilfe.

Allerdings: Selbst im Fall eines Erfolges ist völlig offen, wann und wie in Berlin tatsächlich Drogen getestet werden könnten. Der Antrag der Träger sieht weitere Schritte vor: Unter anderem sollen Personal eingestellt sowie Ausstattungs- und Laborressourcen geschaffen werden. Geplant ist eine Internetseite, auf der Ergebnisse veröffentlicht werden sollen. Aufgabe der Träger ist es demnach auch, das Projekt bekannt zu machen und Beratungssprechstunden anzubieten.

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de