Dicke Menschen werden diskriminiert, weil sie nicht in die eingeschränkten Schönheitsraster passen. Damit soll endlich Schluss sein. Influencerinnen starten jetzt eine entsprechende Kampagne.

Faul, unsportlich, hässlich – dicke Körper passen nicht in unsere Welt. Sobald zu viele Kilos auf den Rippen sind, gilt man als "außerhalb der Norm". Hartnäckig hält sich auch das Vorurteil, dass Dicksein ein selbst gewähltes Schicksal ist und Dicke einfach zu faul und undiszipliniert sind, um abzunehmen und endlich so auszusehen, wie es alle anderen tun.

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Kurzer Disclaimer: Wir entscheiden uns ganz aktiv für den nicht wertenden, sondern lediglich beschreibenden Begriff "dick", weil wir finden "Übergewicht" impliziert eine Abnormalität: "Über dem Normalgewicht". Wir respektieren hierbei keine sogenannte "Normalität" wie den BMI oder Ähnliches.

Julia Kremer akzeptiert keine Diskriminierungen. Ihre Kampagne #RespectMySize kämpft für mehr Respekt und Diversität.

So einfach ist das mit dem Dick- und Dünnsein alles nicht: Körper sind unterschiedlich. Manche Männer und Frauen essen den ganzen Tag nur Zucker und Fett und sind schlank. Andere achten auf ihre Gesundheit und ausgewogene Ernährung und sind dick. Manche Dicke joggen länger und weiter als Dünne. Manche Dünne sind fauler als Dicke. Gibt es beides aber auch anders herum. Wie auch immer die Zahl auf der Waage einer Person ausfällt, sagt jedenfalls gar nichts über Charakter oder Biografie eines Menschen aus. Und genau das sollte endlich in die Köpfe der Menschen sickern.

Wer dick ist, soll zu Hause bleiben?

"Also ich finde es persönlich diskriminierend, dass ich so einen Anblick ertragen muss – ehrlich gesagt. Und ich weiß, wenn ich dick bin, dass da was nicht stimmt", sagte Hotelbetreiberin Angelika Hargesheimer vom Beachhotel Sahlenburg und meint damit dicke Besucher*innen in ihrem schicken Designhotel. Wer dick ist, soll ihrer Meinung nach also bitte zu Hause bleiben und sich nicht am Strand aufhalten. Hargesmeier äußerte sich in einem Zeitungsartikel des Magazins "Buten und Binnen" am 4. Juni dieses Jahres.

Verena Prechtl kämpft in der Kampagne #RespektMySize dafür, dass Dicke nicht diskriminiert und ausgeschlossen werden.

Dicke sind Teil unserer Gesellschaft und gleichzeitig nicht Teil unserer Gesellschaft: In Filmen kommen sie allerhöchstens als lustiger Sidekick vor, wenn Dicke in Werbung vorkommen, ist das direkt megadivers und etwas ganz Besonderes. Wer dick ist, gilt als jemand, der eigentlich gerne schlank wäre und Diät macht. Die deutsche Durchschnittsfrau trägt übrigens Hosengröße 42-44. Und es wird gerade in verschiedenen Studien untersucht, inwiefern Dick- und Kranksein nicht nur deshalb zusammenhängen, weil Dicke sich ständig mit Diskriminierungen rumschlagen müssen.

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Deutsche Influencerinnen starten Kampagne

Influencerinnen Julia Kremer und Verena Prechtl starten deshalb eine Kampagne: Unter den Hashtags #RespectMySize und #GemeinsamGegenVorurteile setzen sie ein Zeichen gegen Diskriminierung. Nachdem nämlich der oben genannte Artikel mit den O-Tönen von Hotelbetreiberin Hargesheimer herauskam, fühlten sich Kremer und Prechtl direkt getriggert. "Ich war erst letztens aus und da sagte mir jemand, ich sei hässlich, weil ich dick bin," erzählt Kremer.

„Die passen gar nicht zusammen. Die ist viel zu fett & hässlich für den.“ „Der ist eh viel zu gut für dich, mach dir da bitte keine Hoffnungen.“ ■ Solche Sprüche habe ich nicht nur einmal in meinem Leben gehört. Früher war es mir peinlich darüber zu reden. Es hätte sich wie ein Eingeständnis angefühlt. Besonders jetzt nach #Männerwelten ist mir klar, dass wir über solche Themen reden MÜSSEN! ♥️ ■ Eure Nachrichten haben mir gezeigt, dass gerade wir kurvigen Frauen bei diesem Thema oft klein geredet werden. Das darf so nicht weitergehen. Viel zu oft empfinden wir solche Situationen als „normal“, weil die Gesellschaft dieses Bild so gewohnt ist. Es ist Zeit, dass sich das verändert! Seht ihr das auch so? ♥️🙌🏻 ■ In meinem Video seht ihr meine 3 Tipps die mir dabei helfen mit solchen Kommentaren/Sprüchen/ „nett gemeinten Ratschlägen“ umzugehen. ■ Lasst uns zusammen schlagfertig werden! ♥️ Schreibt eure Meinung dazu gerne in die Kommentare. 🔽 ■ Wie reagiert ihr auf solche Sprüche? Was könnte man auf Beleidigungen sagen? (Bitte bleibt höflich & sachlich auch, wenn es ein recht emotionales Thema ist). ■ #StopptMobbing #Couple #SchönStark #supporther #wunderbarecht #Männerwelten 💾 𝐒𝐏𝐄𝐈𝐂𝐇𝐄𝐑𝐍 𝐍𝐈𝐂𝐇𝐓 𝐕𝐄𝐑𝐆𝐄𝐒𝐒𝐄𝐍! :) Speichere dir diesen Post, um keinen Tipp zu vergessen. Ich würde mich sehr freuen, wenn du den Beitrag durch ein Like oder einen Kommentar unterstützt. Und wenn er dir besonders gut gefallen hat, sende ihn gerne an deine Freunde ♥️

Sprüche wie diese sind keine Seltenheit. Familienmitglieder, Ärzt*innen und auch Partner konfrontieren Dicke häufig mit Unverständnis, Unwissenheit, Vorurteilen und vor allem so, als hätten sie keine Gefühle. "Wir wussten direkt, wir müssen was tun," sagt Kremer. Sie und Verena Prechtl fragten in ihren Communities nach Erfahrungen mit Diskriminierung. Der Rücklauf war enorm – und erschreckend.

Deshalb setzen sich die beiden nun noch mal verstärkt gegen Diskriminierung und Vorurteile ein. Auf Instagram kennt man die beiden eher als "schoenwild" und "ms_wunderbar", wo Fatactivism schon länger eines ihrer zentralen Themen ist. Zu Recht. Es muss sich endlich etwas ändern. Denn eigentlich fragen Prechtl und Kremer und mit ihnen ganz viele User*innen nicht nach viel: Es geht um Respekt und Akzeptanz. Es geht um den einfachen Grundsatz, den man eigentlich schon im Kindergarten lernt: Ein anderer Mensch mag dir nicht gefallen oder anders sein als du, aber das gibt dir in keinem Szenario das Recht oder das Selbstverständnis zu urteilen.

Wir unterstützen die Kampagne von Verena Prechtl und Julia Kremer aus vollster Überzeugung und finden, dass Diskriminierungen und einseitige Schönheitsideale endlich ein Ende haben müssen. Jede*r, der ernsthaft glaubt, Schönheit gäbe es nur auf eine ganz bestimmte Art und Weise, tut uns ernsthaft leid. Und nur als Sidenote: Dicke sind nicht "trotzdem" schön oder haben "wenigstens ein hübsches Gesicht." Sie sind schön oder hässlich – je nach Geschmack. Aber das hat gar nichts mit ihrem Gewicht zu tun.

Quelle: Noizz.de