Zeig mir dein Smartphone und ich sag dir, wer du bist.

Als Samsung bei seinem alljährlichen Presseevent im November ein faltbares Smartphone vorstellte, war sich unsere Autorin Luisa ziemlich sicher: Sie braucht das neue faltbare Samsung-Handy. Sogar von „Liebe“ war die Rede. Vier Monate später steht fest: Die Südkoreaner bringen das Smartphone, das man zu einem Tablet aufklappen kann, tatsächlich auf den Markt.

Ob sie sich aber wirklich so ein multifunktionales Schweizer-Taschenmesser-Handy zulegen wird, ist angesichts des aufgerufenen Preises wohl eine nicht ganz so sichere Sache. Das Galaxy Fold, so der Name des Gerätes, soll zum Preis von 2.000 Euro Anfang Mai in den Handel kommen.

Say what?!

Außerdem wird es das neue Premium-Gerät Galaxy S10 in vier Varianten in verschiedenen Preiskategorien geben. Darunter ist auch eine Version für den superschnellen 5G-Datenfunk, den es in Deutschland noch gar nicht gibt. Aktuell bringt dir das Smartphone in dieser Hinsicht keinen Vorteil.

Das teure Falt-Smartphone hat einen für heutige Verhältnisse eher kleinen Bildschirm mit einer Diagonale von 4,6 Zoll auf der Frontseite. Zum Vergleich: Das aktuelle iPhone XS Max vom Konkurrenten Apple hat ein 6,5-Zoll-Display. Dafür entfaltet der neue Samsung-Typ ein 7,3 Zoll großes Tablet-Display beim Aufklappen aus.

Samsung wirbt damit, dass man innerhalb einer App nahtlos zwischen den Bildschirmen wechseln kann. Öffnet man etwa auf dem kleinen Display die Google-Karten, sieht man beim Aufklappen dieselbe Stelle – aber in einem größeren Ausschnitt und mit mehr Daten. Wie eine Lupenfunktion.

In seiner aktuellen Werbekampagne, die hochtrabend die Zukunft unseres digitalen Daseins ausruft, hat das futuristische Falt-Phone bereits seinen ersten großen Auftritt:

Mit der neuen Technologie testen die Südkoreaner aus, wie teuer ein Smartphone sein darf. Als der Preis auf dem Event verkündet wurde, wurde es im Saal laut Medienberichten auf einmal Mucksmäuschenstill. Der hohe Preis ist eine Ansage. Samsungs Hauptkonkurrent Apple ruft für das bis dato teuerste iPhone-Modell, das XS Msx mit 512 GB Speicherkapazität einen Marktpreis von 1.649 Euro ab. Und auch hier war die Kritik groß, viele halten den Preis für ein Mobiltelefon überzogen.

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Samsung hält dagegen. Manager Mario Winter sagt:

Die Netzbetreiber haben großes Interesse an dem Produkt – auch weil sie auf dem großen Bildschirm ihre Inhalte ausspielen können.

Geht die Rechnung auf, könnten die Fold-Geräte zumindest in hochpreisigen Mobilfunk-Verträgen großzügiger subventioniert werden. Aber mal ganz ehrlich: Brauchen wir das wirklich?

Wenn man bedenkt das Smartphones mehr und mehr auch Ausdruck eines gewissen Lifestyles geworden sind – dann vielleicht. Wer sich ein Samsung Galaxy zulegen wird, will vor allen Dingen wohl drei Dinge betonen. 1. Ich bin Team Android. 2. Ich bin die Zukunft und 3. Ich bin für alle Fälle ausgerüstet. Wer sein Fold aus der Hosentasche zieht, hält vielleicht das nächste Motorola RAZR in seinen Händen. Ein Lebensgefühl, so futuristisch und funktional, dass man es sich als Nicht-Ingenieur kaum vorstellen kann.

Und was macht der Rest der Handyhersteller?

Samsung sind nicht die ersten mit faltbaren Handy. Bei der weltweit wichtigsten Technikmesse in L.A., der CES, stellte der chinesische Hersteller Royale ebenfalls ein faltbares Telefon vor. Das hatte allerdings einige Schwächen und sah ganz schön scheiße geknickt aus, war dafür aber auch etwas preiswerter mit umgerechnet gerade mal 1.150 Euro.

Apple hingegen überdenkt zurzeit seine Smartphone-Strategie. Lange war das iPhone das Ass im Ärmel des Tech-Riesens aus Kalifornien. Doch die neuen iPhone-Modelle schwächeln und finden nicht den erhofften Absatz. Das mag zum einen daran liegen, dass sich der Markt etwas gesättigt hat. Viele Menschen sind mit guten Smartphones und den Vorgängermodellen iPhone 7,8 und X ausgestattet, die noch sehr gut funktionieren und im Gegensatz zu den moderneren Modellen keinen krassen technischen Nachteil haben.

Aktuell gibt es Gerüchte, dass das iPhone SE, also eine kleinere Smartphone-Variante mit dementsprechend geringerem Preis, in einer neuen Version auf den Markt kommen soll. Viele Nutzer, vor allem im wichtigen US-Markt, wünschen sich ein kompaktes Zweithandy zurück, das kleiner ist. Das Fachmagazin 9to5Mac berichtet, dass es sogar noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Allerdings soll es nicht, entgegen vieler Vermutungen, auf dem geplanten Apple-Event im März vorgestellt werden.

Vielmehr sollen dort wahrscheinlich Apples neuer Streamingdienst in Zusammenarbeit mit Netflix vorgestellt werden, sowie Apples eigener Nachrichtendienst – und so dem Branchenprimus ein weiteres Geschäftsfeld sichern und das Smartphone-Geschäft etwas entlasten.

Samsung und Apple waren jahrelang klar die Nummer eins und zwei im Markt, inzwischen nimmt die Konkurrenz chinesischer Anbieter zu. Allen voran verdrängte Huawei im vergangenen Jahr Apple vom zweiten Platz im Markt nach Geräteabsatz – oder holte nach Berechnungen anderer Marktforscher zumindest auf. Premium-Geräte chinesischer Hersteller seien günstiger als entsprechende Modelle von Samsung und Apple, böten aber zumindest in bisherigen Generationen vergleichbare Leistung und Funktionen.

Alle zwei Jahre ein neues Telefon? Das scheint bei den aktuellen Preisen der Premiumsmartphones ein überholtes Modell zu sein.

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de