Eine Berliner Stylistin hat uns über das Haarschnitt-Mysterium aufgeklärt.

Seiten kurz rasiert, oben die Haare lang und im besten (beziehungsweise schlimmsten) Fall noch mit einer Handvoll Haarwachs (für echte Männer) nach hinten gestylt: Das ist der Fuckboy-Haarschnitt, den wir alle kennen – tut nicht so, als wüsstet ihr nicht, wovon die Rede ist.

Seit einiger Zeit schon kitzelt dieser Haarschnitt unter den Rasierklingen wehrloser Friseurstudios. En masse frohlocken pubertierende Teens zum Haarmetzger ihres Vertrauens, mit dem einen, sehnsüchtigen Wunsch: So auszusehen wie einfach jeder andere Typ unter 30.

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Der Fuckboy: Im Grunde meint man damit eigentlich einen Typen, der mit ganz vielen Menschen Sex hat, ohne dabei Gefühle für sie zu empfinden. Möglicherweise schwindelt er ihnen sogar vor, mehr als nur Sex zu wollen, ohne das wirklich so zu meinen. Im umgangssprachlichen Jargon meint man damit aber manchmal auch nur einen Typ, der um alles in der Welt cool sein will.

Cool ist, wer dazugehört.

Deswegen wohl hat dieser eine Haarschnitt so auch einen Großteil der männlichen Bevölkerung infiziert. Doch meine stichprobenartigen, extrem unwissenschaftlich betriebenen Umfragen im Freundeskreis beweisen immer wieder, dass es nicht wirklich so aussieht, als würde irgendjemand so richtig auf den Fuckboy-Haarschnitt stehen. Im Gegenteil, dieser Haarschnitt scheint eher ein Abturn zu sein, ein Indiz dafür, wie sehr der boy in question dazugehören will.

Warum also wollen sie alle gleich aussehen, die Jungs?

Schon lange habe ich mich gefragt, ob es denen nicht ein bisschen an ihrem Ego kratzt, wenn einfach jeder morgens in den Spiegel sieht und auf ein Gesicht schaut, das aussieht wie jedes andere auf der Straße.

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Um dem Phänomen Fuckboy-Haarschnitt auf dem Grund zu gehen, habe ich Antworten beim treffsichersten Ressort für Modefragen gesucht: einer Stylistin aus Berlin.

Maren Assmus ist Stilberaterin. Betonung auf das Wort „Stil“ – denn Trends sind für sie vergänglich, Stil hingegen für immer. Sie denkt, dass die Fuckboy-Frisur für viele junge Männer sogar eine Art Anker sei. Bei Männern ist die Beschäftigung mit Mode weniger intuitiv als bei Frauen, da ihnen die Erwartung, sich mit Mode zu beschäftigen, nicht – wie bei Frauen – in die Wiege gelegt wird. Deswegen brauchen sie noch eher Vorbilder zur Orientierung. Manchmal suchen sie sich dann plötzlich alle dasselbe aus. „Das letzte war Justin Bieber“, erinnert sich Maren. Und wie das ausgegangen ist, wissen wir ja alle noch.

Sobald sich die große Gesamtheit auf ein Vorbild eingeschossen hat, fühlt sich das Ganze an, wie ein Copy-Paste-Verfahren. „Das ist dann kein Stil mehr“, findet die Stylistin.

Doch die Fuckboy-Frisur ist nicht allein in ihrem Dasein als Herden-Frisur. Auch „diese aufgebürsteten Haarkämme“ kann die Berliner Stilberaterin nicht mehr sehen – und auch alles andere, was zu overstylt aussieht.

Tatsächlich gibt es jedoch Jungs, denen die Fuckboy-Frisur stehen kann, meint Maren. Doch viel wichtiger ist eigentlich was ganz anderes. So kitschig es auch klingen mag, irgendwo hat sie schon recht: „Arbeitet zuerst an euren inneren Werten und tragt das nach außen“, sagt sie. „Wenn es fake ist, sieht man dir das an.”

Fazit: Wer selbstbewusst genug ist, er selbst zu sein, der sollte auch selbstbewusst genug sein, wie er selbst auszusehen – und nicht wie alle anderen. Also, Hand aufs Herz, Jungs. Vielleicht wird es langsam Zeit für eine neue Frisur?

Quelle: Noizz.de