Danke, Facebook: Freunde treffen, ohne Freunde zu treffen.

Juhu, wir feiern Geburtstag! Deine besten Freunde sind auch da. Im Freizeitpark. Mit bunten Ballons. Und lustigen Hüten.

Zugegebenermaßen ist schon alleine das ein skurriles Setting für eine Party – denn immerhin bist du eine hippe Mittzwanzigerin. Aber es wird noch schräger: Denn tatsächlich sind deine besten Freunde mit den bunten Ballons und den lustigen Hüten gar nicht im Freizeitpark.

Keine Sorge: Sie sind auch nicht Manuel Neuer. Sondern lümmeln schlicht ganz gemütlich daheim auf ihrem Bett. Ohne bunte Ballons. Und ohne lustige Hüte. Du sitzt übrigens auch daheim rum. Ohne deine besten Freunde.

Alles was euch verbindet, ist, dass ihr euch alle eine klobige Virtual-Reality Brille vor die Augen geschnallt habt. Und kleine Controller in den Händen haltet.

Das ist die Zukunft – zumindest wenn es nach Facebook geht.

Auf seiner Entwicklerkonferenz F8 hat das Soziale Netzwerk mit „Facebook Spaces“ eine App für Treffen in der virtuellen Realität vorgestellt.

In verschiedenen Umgebungen können sich User in Form von Avataren, die ihrem tatsächlichen Äußeren nachempfunden sind, treffen. Die VR-Brille versetzt User dabei direkt in Fotos und Videos.

Im Video, mit dem Facebook die neue App bewirbt, kundschaften beispielsweise zwei Geschwister virtuell einen Ort aus, den sie als Urlaubsziel anvisiert haben. Telefonieren mit Freunden, die sich gerade im „real life“ herumtreiben. Und feiern eben auch mit einer gemeinsamen Freundin Geburtstag.

Das ist eine technisch beeindruckende Vision der Zukunft. Und gleichzeitig furchtbar gruselig.

Ich jedenfalls schaue an meinem Geburtstag lieber in die tatsächlichen Augen meiner Freunde statt in Comic-Grimassen. Bekomme lieber eine ehrliche Umarmung statt eines falschen Ballons. Kippe mir in der echten Kneipe lieber das echte Bier übers echte Shirt.

Ich habe gerne nach einer langen Reise den Wind, die Sonne und wenn es blöd läuft vielleicht auch den Sand im Gesicht, statt mich bequem mit der Chipstüte in der Hand von der Couch aus an die exotischsten Strände zu beamen.

Und ich habe Hoffnung. Die trägt ein Preisschild von 585€. So viel kostet nämlich momentan die Oculus Rift, also die Brille, die den Ausflug in die virtuelle Realität erst möglich macht. Das bedeutet immerhin, dass sich zumindest Lieschen Müller aus der siebten Klasse nur schwerlich in virtuellen Realitäten verlieren kann. Ihr schmales Taschengeld reicht nicht für VR-Hightech.

Ihr bleiben wohl oder übel nur die Erfahrungen, die das echte Leben bietet.

Die fröhliche Geburtstagsrunde im Video lässt sich natürlich von derartigen Gedankengängen die Stimmung nicht verderben.

Das Party-Trio ist vielmehr ganz entzückt darüber, dass sogar schon der virtuelle Selfie-Stick in der virtuellen Realität Einzug gefunden hat. Die drei kinpsen flink ein Foto von ihren grinsenden Avatar-Visagen und teilen das sofort mit ihren Freunden – natürlich auf Facebook.

Quelle: Noizz.de