Über PR-Aktionen, die so humorvoll sind, wie Bielefeld selbst.

WG-Party, irgendwo in Süddeutschland, Small-Talk, "Und? Wo kommst du her?" – "Kleinstadt, kennst du nicht. Ist da in der Nähe von Bielefeld." – "Bielefeld?! Das gibt's doch gar nicht!" Der Typ mir gegenüber findet sich selbst total pfiffig, weil er sowas Lustiges gesagt hat. Ich schaue resigniert und weiß sofort: Der Humor meines Gesprächspartners ist ungefähr so lauwarm, wie mein Bier, dass ich seit einer Stunde in der Hand halte in dieser winzigen Küche, in die sich 20 StudentInnen gequetscht haben. Mein Gespräch mit dem Typen ist vorbei. Ich gehe. Mein Bier lasse ich bei ihm.

Es gibt wahrscheinlich kaum Leute, die diesen Spruch nicht schon mal irgendwo gehört oder – noch schlimmer – selbst geäußert haben. Achim Held, vermutlich auch so ein ganz pfiffiger Typ, hat die Verschwörungstheorie vor 25 Jahren erfunden: Damals war er noch Informatik-Student und kannte offenbar genug Leute, die Bielefeld zwar kannten, aber niemanden, der wirklich einmal dort war.

Kurzerhand dachte er sich diese Theorie aus, dass es Bielefeld gar nicht gibt. Dass es Aliens sind, oder die Regierung, oder vielleicht auch das CIA, die Landkarten und Nummernschilder an Autos manipuliert haben und den Namen der Stadt im Umlauf halten, damit alle glauben: Bielefeld gibt es wirklich. Warum genau Aliens nichts anderes zu tun haben sollten, als sich eine Stadt in Nordrhein-Westfalen auszudenken – das könnte man sich fragen. Haben vielleicht auch Leute gemacht. Der Zweifel hat aber nicht ausgereicht, diese Theorie nicht dennoch bei jeder Gelegenheit (etwa auf WG-Partys) dazu zu nutzen, sich den Smalltalk mit einer vielleicht sogar netten Person zu versauen.

Wie dem auch sei: Der Spuk hat noch kein Ende. Bielefeld nutzt nun, zum 25-jährigen Jubiläum der Theorie, selbige um die Werbetrommel für die Stadt so richtig schön zum Scheppern zu bringen. Eine Millionen Euro Preisgeld ist ausgeschrieben für die Person, die beweisen kann, dass es Bielefeld tatsächlich nicht gibt. Eine Million also, wenn die Existenz der gut 333.000 Einwohner starken Stadt negiert wird.

Mitmachen kann man auf der Website von Bielefeld Marketing, der Hashtag der Aktion ist #bielefeldmillion. Irgendwo dort bestätigen sie nochmal "Ja wir meinen das wirklich ernst!" So ein verrückt-flippiger Haufen, die Bielefelder. Außerdem lassen sie verlauten, dass sie sich mit ihrer "Nichtexistenz" abfinden, wenn es irgendjemanden geben sollte, der tatsächlich beweisen kann, dass die Stadt nicht existiert.

Der Kreativität sind übrigens keine Grenzen gesetzt. Also an alle Hobbyphilosophen: Ob es darum geht, der Stadt physisch oder theoretisch das Dasein abzusprechen, ist nicht festgelegt. Es wird sich doch sicherlich eine logische Gleichung finden lassen, die beweist, dass es Bielefeld nicht gibt. Einfach nur um Rache zu üben für diesen Spruch, den man auf den WG-Partys Deutschlands kassiert hat. Garniert mit idiotisch-verschmitzem Grinsen und verhindertem Lachen: "Bielfeld gibts doch gar nicht! Hahaha."

An alle, die jetzt schon sämtliche Materialien zusammen gesucht haben, um Bielefeld in die Luft zu jagen und dann hinterher sagen zu können: "So, ab jetzt gibt es Bielefeld nicht mehr!", denen sei ans Herz gelegt, dass dann auch die Millionen weg ist und vermutlich auch das gesamte Team von Bielefeld Marketing.

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Quelle: NOIZZ-Redaktion