Da fliegen ganz schön die Fetzen – zumindest beim Nord-Teil des Albrecht-Imperiums. Von Untreue ist die Rede. Dabei soll es um mindestens 150 Millionen Euro geben, die sich die Familienmitglieder einfach so aus der Erbsumme gegönnt haben. Nun ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft!

Gerade erst hat der wohl bekannteste deutsche Lebensmittel-Discounter Aldi mit einer "Aldi Original Kollektion" das Ende der Streetwear besiegelt. Trotzdem verkaufte sich das Hype-Merch ganz gut. Aldi ist eben, genauso wie Lidl, ein bisschen Alman-Kult. Mit solchen Aktionen wird auch versucht, beide Teile des Unternehmens wieder enger zusammen zu führen. 1961 wurde Aldi nämlich in Nord und Süd aufgeteilt – unter anderem weil sich die beiden Brüder Theo und Karl nicht darüber einig werden konnten, ob man Zigaretten verkauft oder nicht. Seitdem beide Gründer verstorben sind, arbeiten die Unternehmensgruppen wieder enger zusammen. Doch hinter den Kulissen von Aldi Nord brodelt es – die Geschichte könnte der ideale Stoff für ein Intrigen-Thriller sein.

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Die Kieler Staatsanwaltschaft geht nämlich nun Untreue-Vorwürfen gegen Mitglieder der Unternehmerfamilie Albrecht und einen Rechtsanwalt nach. Allerdings geht es dabei nur um den Nord-Teil, also den Erben des Imperiums von Theo Albrecht. "Bei uns ging im August eine private Strafanzeige wegen des Vorwurfs der Untreue zum Nachteil der Jakobus-Stiftung ein", sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Michael Bimler. Über die Jakobus-Stiftung wird ein Teil des Vermögens von Theo Albrecht verwaltet. Zurzeit werde der Strafvorwurf überprüft. Über die krassen Vorwürfe hatte das zuvor bereits Wirtschaftsmagazin "Business Insider" berichtet.

Einfach mal 150 Millionen gegönnt

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Die gesamte Familie Albrecht lebt eigentlich ziemlich zurückgezogen von der Öffentlichkeit, nur wenig ist über sie bekannt. Das liegt auch daran, dass Theo Albrecht im Jahr 1971 entführt wurde, um Lösegeld zu erpressen. Seitdem hat er alles dafür in die Wege geleitet, sein Vermögen zu schützen – das führte auch zur Gründung von drei Stiftungen, die für einen bitteren Erbstreit seit Theos Tod im Jahr 2010 sorgen. Der Grund: Die Stiftungen sorgen für eine komplizierte Eigentümerstruktur. Das Unternehmen gehört diesen Stiftungen mit Sitz in Schleswig-Holstein: die Markus-, Lukas- und Jakobus-Stiftung. Große Investitionen und wichtige Entscheidungen können von den Stiftungen nur einstimmig freigegeben werden.

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Die Erben des 2012 verstorbenen Aldi-Gründersohns Berthold Albrecht erlitten zuletzt 2019 vor dem Bundesverwaltungsgericht eine weitere Niederlage. Die Leipziger Richter entschieden, eine Revision der Erben gegen das Urteil des schleswig-holsteinischen Oberverwaltungsgerichts im Fall Aldi nicht zuzulassen.

Das Oberverwaltungsgericht hatte im Dezember 2017 eine Satzungsänderung in der Jakobus-Stiftung für rechtens erklärt, mit der Berthold Albrecht kurz vor seinem Tod den Einfluss der Familienerben auf die Geschicke des Discounters eingeschränkt hatte. Das heißt: So einfach kommen die Erben nicht an ihre Kohle. Das war wohl voll im Sinne von Aldi-Nord-Gründer Theo, seine Nachkommen finden das aber eher mies. So kam es also nun einfach so mal dazu, dass sie sich aus der Jakobus-Stiftung selbst bedient haben – mit mehreren Millionen Euro.

Die Stiftungen sind nicht auflösbar

Eine Aldifiliale

Theo Albrecht gehörte zu den reichsten Menschen der Welt. 2010 schätzte das Forbes-Magazin sein Vermögen auf über 16 Milliarden US-Dollar – also stolze 13,6 Milliarden Euro. Wer in den einzelnen Aldo-Nord-Stiftungen das Sagen hat, ist ebenfalls aufgeteilt. In der Jakobus-Stiftung sind Babett Albrecht, die Ehefrau des verstorbenen Berthold Albrechts, und ihre fünf Kinder verantwortlich.

Über Jahre hinweg sollen sie sich regelmäßig Millionenbeträge aus ihrem Stiftungsteil ausgezahlt haben. Das ging den restlichen Familienmitgliedern, allen voran Theo Albrecht Junior, der in der Markus-Stiftung aktiv involviert ist, gegen den Strich. In der "Bild am Sonntag" wird ein Brief von ihm zitiert, indem er vor allem Schwägerin Babett und ihre Kinder kritisiert:

Das Un­ter­neh­men muss für die ganze Ei­gen­tü­mer-Fa­mi­lie auch in Zu­kunft an Po­si­ti­on 1 ste­hen, wenn es nicht un­ter­ge­hen soll. (...) Meine Schwä­ge­rin und ihre Kin­der sehen sich statt­des­sen selbst an Po­si­ti­on 1.

Anzeige ist raus – aus Rache?

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2019 sollte solche Auszahlungen eigentlich unterbinden, anscheinend war das Babett Albrecht und ihren Zöglingen ziemlich egal. Das Drama geht aber weiter: Inzwischen soll es wohl zum Streit zwischen Babette und ihrem Sohn Nicolay gekommen sein. Das berichtet zumindest die "FAZ". Angeblich geht es um einen Betrag von 150 Millionen Euro, die erneut ausgezahlt wurden sein sollen – allerdings ging Nicolay in der Runde leer aus.

Aus Rache habe er nun selbst bei der Staatsanwaltschaft Kiel nun offenbar Anzeige gegen seine Mutter, drei seiner Geschwister und angeblich gegen einen Rechtsanwalt der Familie erstattet. Krasser Move! Das Unternehmen selbst äußerte sich bisher nicht. Ich hol mir eine Tüte Popcorn und warte ab, was sich noch so ergibt in diesem Wirtschafts-Intrige-Drama made in Germany!

[Text: Zusammen mit dpa]

  • Quelle:
  • Noizz.de