Jan Schünemann ist 26, topfit und bis auf den letzten Muskel seines athletischen Körpers durchtrainiert. Sein Geheimnis: gesunde Ernährung, Sport, Yoga und täglich bis zu vier Liter Urin trinken, seine Haut mit Urin einreiben, seine Augen in Urin tränken. Im NOIZZ-Interview erklärt er seinen Lifestyle.

Unter Eigenharnbehandlung oder auch Eigenurinbehandlung ist eine Behandlungsmethode der Alternativmedizin bekannt, bei der man seinen eigenen Urin trinkt oder ihn in andere Körperöffnungen einflößt wie zum Beispiel in Nase, Ohren oder Augen. Wissenschaftlich gibt es keine Beweise für einen positiven Nutzen der Praktiken.

Ein Grund dafür könnte sein, dass Urin ein Ausscheideprodukt aller Stoffe ist, die unser Körper nicht verwerten kann und will.

Jan Shamanic, der weiße Tiger

Jan Schünemann aka Jan Shamanic aus Hamburg sieht das anders. Er ist begeisterter Yogi und glaubt an die selbstheilerischen Fähigkeiten des menschlichen Körpers. Deshalb trinkt er täglich bis zu vier Liter seines eigenen Harns, reibt seine Haut damit ein und tränkt auch seine Augäpfel in Urin, um so eine klare Vision zu bekommen, wie man auf seinem YouTube-Kanal "Jan Shamanic" erfahren kann.

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Die Praktik, den eigenen Urin zu trinken, trägt den Namen "Shivambu Kalpa" und ist ein lebensphilosophisches Konzept der Yogi mit langer Tradition. Im NOIZZ-Interview hat uns der Student aus Norddeutschland erzählt, nach welchem Essen Urin am besten schmeckt, wie seine Freundin damit umgeht und wieso er es ablehnt, seinen Urin mit Fruchtsäften zu mischen.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Urin als Lifestyle: Wie Jan Schünemann sein Leben um den eigenen Harn zentriert

Auf seiner "Instagram"-Page promotet der Hamburger seinen eigenwilligen Lifestyle mit immer neuen Videos, die das Trinken von Urin in Kombination mit meditativen, sportlichen und religiösen Aktivitäten zeigen. Sprints, Kampfübungen, Selbstgeißelung oder Meditation – für sich und seine Entfaltung geht Jan über körperlichen Schmerz, soziale Konflikte und literweise Pisse auf der Zunge.

NOIZZ: Jan, du trinkst täglich vier Liter Urin. Was hat es damit auf dich?

Jan: Shivambu Kalpa ist eine uralte Praktik, die schon vor Jahrtausenden praktiziert wurde. Die Ausgangsidee ist, dass der menschliche Körper wie ein Baum ist: im Kreislauf selbsterhaltend. Jede*r kann sich aus sich selbst heraus heilen und das eigene Wasser annehmen.

Selbsterhaltend durch den eigenen Urin?

Jan: Ja. Die Nieren destillieren für uns die perfekte Medizin, individuell auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten. Es ist das goldene Elixier. Alles, was wir tun müssen ist, es in einen heiligen Gral zu gießen und zu trinken.

Die Wissenschaft sieht das anders, zum Beispiel Professor Vögli, leitender Urologe des Universitätsklinikums in Aachen, oder Professor Michalsen der Berliner Charité. Nach ihnen ist Urin eine Mischung aus Wasser und Abfallstoffen, die von den Nieren herausgefiltert werden, weil der Körper sie nicht braucht oder als schädlich einstuft. Im besten Fall ist der Urin eines gesunden Menschen steril und ungefährlich. Ihn regelmäßig zu trinken, kann laut den Professoren aber auch gesundheitsgefährdend sein und zu Nierenschäden führen.

Jan: Ich habe wissenschaftliche Studien schon immer gerne gelesen, aber meine eigene Meinung zu Dingen zählt für mich mehr. Und bei Shivambu Kalpa habe ich schon sehr früh all die positiven Auswirkungen gespürt.

Welche sind das?

Jan: Tiefe spirituelle Einsichten, sowie körperliche und geistige gesundheitliche Steigerungen.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Goldenes Elixier: Was sagt eigentlich das Umfeld?

Du hast eine Freundin, wie ist das für sie und euch in der Beziehung?

Jan: Anfangs war es richtig schwer. Besonders der Geruch der Technik stand zwischen uns.

Und was sagt deine Familie?

Jan: Sie akzeptieren – oder eher: tolerieren es.

Wie tolerant bist du denn selbst gegenüber dem Geruch und Geschmack von Urin?

Jan: Ich stelle mich da wenig an. Shivambu Kalpa ist die höchste Ernährungsform. Ganz egal, was ich vorher gegessen habe – und wie mein Urin dementsprechend schmeckt – ich wertschätze mein eigenes Wasser jedes Mal.

Wonach schmeckt denn dein Wasser?

Jan: Von übel riechend und sehr bitter bis zum Geschmack von süßem Kokoswasser.

Machst du es dir denn irgendwie schmackhaft oder bist du Purist?

Jan: Es gibt Menschen, die sich ihren Urin mit Fruchtsäften mischen, ich halte das für eine Verfälschung. Urin wird so angenommen, wie er ist – ich nehme mich so an, wie ich bin. Mein Körper balanciert den Rest dann aus.

Jede*r kennt ja den Einfluss von Spargel auf den Geruch des Harns. Wie sieht es mit dem Einfluss von Lebensmitteln auf den Geschmack des Urins aus?

Jan: Wasser, Fruchtsäfte und Früchte sorgen für klaren, süßlichen Urin. Gemüse macht einen milden Harn, während Fleisch, Fisch und tierische Produkte einen kräftigen, bitteren Geschmack produzieren.

Fit und gesund bist du, aber von Urin leben kannst du noch nicht, oder?

Jan: Ich studiere aktuell noch Bildungs- und Erziehungswissenschaften im Bachelor, arbeite nebenher als Grundschullehrer und Kampfkunsttrainer.

Wohin geht deine Reise danach?

Jan: Ich möchte eine Ausbildung zum Personal Trainer machen und Einzelpersonen oder Kleingruppen trainieren und ihnen dabei helfen, ihre Gesundheit wieder zu erlangen und ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Wenn jemand dafür bereit ist, auch mit Shivambu Kalpa.

Quelle: Noizz.de