Beim ersten Mal fand ich das noch interessant, heute finde ich es langweilig.

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem geilen Gesicht

Ich habe eigentlich nichts gegen direkte Kommentare: Wenn mich jemand mag, dann soll er es mir bitte genauso ins Gesicht sagen, wie im umgekehrten Fall. Das gilt auch für Sex. Ich bin grundsätzlich ein Freund von klaren und direkten Ansagen. Leider haben einige Männer dafür nicht das nötige Feingefühl...

Da gab es mal diesen Typen, mit dem ich zusammen zur Schule gegangen bin. Großes Interesse hatten wir beide nie, bis wir irgendwann mal dann doch mal in der Kiste ... oder eher auf dem Vordersitz meines Autos gelandet sind.

Bevor er mein Gesicht in beide Hände nahm und mir einen leidenschaftlichen Kuss aufdrückte, unterhielten wir uns über andere Menschen, die wir bumsen würden... Wir beide stellten fest, dass wir eigentlich gar nicht in das Beuteschema des anderen passten. Die Unterhaltung war trotzdem das perfekte Vorspiel für den Sex, der folgen sollte: Weil uns beiden klar war, dass es sich hier um eine einmalige Sache handelte, nahmen wir keine Rücksicht aufeinander. Er vögelte mich und ich genoss es, dass er sich mit seinem ganzen Gewicht auf mich lehnte und mich tief in den Autositz drückte. Es war die Art von Sex, die man eben so hat, wenn man Bock auf Sex ohne große Gefühle hat.

Als wir nach dem Sex noch eine Zigarette rauchten und meine Beine langsam aufhörten zu zittern, führten wir unser Gespräch weiter: Ich fragte ihn, wieso wir in der Kiste gelandet waren, obwohl wir eigentlich eher nicht ins Schema des anderen fielen. Er zuckte mit den Schultern und sagte dann: „Ich wollte dich schon immer mal flachlegen. Du hast einfach etwas Geiles in deinem Gesicht.“

In dem Moment war ich etwas perplex: Was genau ist denn bitte so geil an meinem Gesicht? Ich meine: Da sind genau wie bei jedem anderen Menschen zwei Augen, eine Nase und Lippen. War das jetzt ein Kompliment oder wie sollte ich das verstehen? Vor ein paar Monaten hatte ich einen kurzen Aha-Moment: Tatsächlich hat eine US-Studie herausgefunden, dass die Breite des Gesichts damit zusammenhängt, wie sexuell ein Mensch auf andere wirkt - okay, das erklärt einiges ... ein Hoch auf ein Mondgesicht!

Mein Sex-Gesicht wartet nur so auf eure Kommentare

Dieser Typ war allerdings nicht der Einzige, der diesen Satz zu mir gesagt hat. Anscheinend schreit mein Gesicht förmlich nach nasty Kommentaren... Klar finde ich es tendenziell besser, wenn Männer mir ansehen, dass es sich bei mir nicht um eine Jungfrau mit hohem Schlaftabletten-Konsum handelt.

Aber das hat auch seine Nachteile...

Erst vor Kurzem ist das wieder passiert. Ich war mit einer Freundin unterwegs – aus unerklärlichen Gründen (okay, an dem Abend war sehr viel Alkohol im Spiel) sind wir auf einer After-Party mit ein paar Typen gelandet.

Es war mitten in der Nacht, und wie es eben manchmal so ist... konnten wir es nicht lassen, einen Sprung in den Pool zu wagen. Die Szene war Hollywoodreif: Da waren wir also in einem fremden Pool, mit fremden Typen und guckten in den Nachthimmel.

Eigentlich der perfekte Zeitpunkt für Sex. Ich unterhielt mich mit einem Typen darüber, wie wir hier gelandet waren, bis er meinen Lieblingssatz sagte: "Du bist bestimmt richtig versaut …“ Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, nach dem obligatorischen Warum zu fragen: „Du hast einfach so was im Gesicht!“

Ich seufzte und musste dann lachen: Stimmt, ich und meine Sex-Stirn ... Wie konnte ich das nur vergessen? Leider sorgte sein Kompliment nur dafür, dass ich auf die andere Seite des Pools schwamm und ihn da stehen ließ. Wie gesagt: Den Satz habe ich einfach in zwischen zu oft gehört, als dass er mich noch ins Bett kriegen würde. Denkt euch bitte was anderes aus!

Deine Sex-Fragen

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Quelle: Noizz.de