"Berlin 4 Lovers" lässt Menschen über ihr Single-Dasein zu Wort kommen

Es ist nicht ganz eindeutig, ob "Berlin 4 Lovers" ein Film über die Liebe in der Hauptstadt ist oder ein Film über die Liebe zur Hauptstadt. Der gemeinsame Nenner beider Lesarten ist eindeutig der Drang zur Freiheit aller Liebenden. "Wir hatten vor, einen Film übers Tindern zu machen. Am Ende wurde es aber irgendwie auch ein Film über Berlin", erklärt Leonie Scholl, Regisseurin und Produzentin des Films. Die Grundidee zur Doku kam ganz einfach: Fast alle in Leonies Freundeskreis nutzen Tinder – und sie wollte dem ein wenig auf den Grund gehen.

Tinder scheint die erste und beliebteste Möglichkeit, einen Partner zu finden – oder halt jemanden für einen netten Abend, ein gemeinsames Bier, ein bisschen Bettgymnastik. Keine Frage: Tinder hat das Dating-Game nachhaltig und extrem verändert. "Die App ist aber in Berlin gar nicht unbedingt direkt an Sex gebunden", sagt Leonie. “Das ist mir durch den Film auch immer deutlicher geworden: Es geht um Kontakt zu anderen Menschen. Vor allem User, die eher introvertiert sind oder welche, die erst hergezogen sind, nutzen Tinder gegen Einsamkeit oder Langeweile."

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Jede Person, die im Film "Berlin 4 Lovers" zu Wort kommt, erzählt zunächst, welche Irrwege ihn oder sie nach Berlin geführt haben. Es sind ausnahmslos Zugezogene. Menschen, die irgendwann ihre Heimat, ihre Eltern, ihre Freunde und ihre Jugend hinter sich gelassen haben, um in Berlin zu stranden.

Diese Stadt aus mittlerweile 3,5 Millionen Einwohnern besteht zum Großteil aus Menschen, die ihre Wurzeln nicht hier haben. Das macht einerseits den Reiz aus – man kann sich hier neu finden, neu erfinden, neu wiederfinden. Aber auch verlieren. Ein Protagonist des Films, Gabriel, bringt es ganz gut auf den Punkt: Es gibt hier kein soziales Netz – wenn man es nicht selbst knüpft. Es gibt keine Erwartungen, keine Bedingungen. Auch das beeinflusst die Art, wie Menschen miteinander umgehen: Begegnungen werden flüchtiger, man kommt nicht, um zu bleiben, sondern, um gleich wieder weiterzuziehen.

"Das ist in Berlin einfach der Zeitgeist, schätze ich", sinniert Leonie. Für sie ist Berlin ebenfalls Wahlheimat. Sie arbeitet als Redakteurin, ist Musikerin (unter dem Namen "Die Supererbin") und Filmproduzentin. Bei ihr laufen meistens mehrere Projekte gleichzeitig. Für den Film "Berlin 4 Lovers" hat sie Menschen aus ihrer eigenen Bubble zu Wort kommen lassen. Natürlich wird dadurch kein allgemeingültiges Bild angestrebt – es ist mehr eine Momentaufnahme, die eine eingegrenzte Gruppe von Menschen zeigt. Dennoch erwischt man sich beim Anschauen des Films häufig dabei, wie man die gezeigten Menschentypen auch im eigenen Freundeskreis wiederfindet.

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Leonie ist auch auf Tinder – wenn sie nicht gerade hinter der Kamera steht. Foto: Leonie Loretta Scholl

Die Männer und Frauen in der Doku sprechen über ihre persönlichen Erfahrungen mit Tinder. Sie alle sind sich einig: Tinder, das bedeutet Kurzlebigkeit. Diese wird jedoch jeweils unterschiedlich interpretiert: Für manche bedeutet das Freiheit, Bestätigung und Spannung, für andere Beliebigkeit, Zerstreuung und Konsum. Wer tindert sucht auf jeden Fall etwas – sei es einen Boost fürs Selbstwertgefühl oder aber eine Möglichkeit sich abzulenken. Und das gilt für Männer und Frauen.

"Allerdings ist mir aufgefallen – und das hat mich sehr überrascht –, dass Männer und Frauen durchaus unterschiedlich an die Nutzung der App herangehen. Ich hätte das nicht gedacht, aber Frauen suchen auch via Tinder häufig nach einem festen Partner, Männer nach Spaß", erklärt Leonie ihre Beobachtungen. Natürlich sind diese höchst subjektiv, aber sie erzählt, dass sie durchaus überrascht war, dass es sogar im progressiven Single-Berlin so konservativ zugeht.

Was Leonie sonst noch während der Dreharbeiten gelernt hat? "Das alles nicht so ernst nehmen! Wenn man locker mit Tinder umgeht und Spaß hat, ohne zu viel auf allem herumzudenken, kann man am besten damit umgehen – finde ich zumindest."

"Berlin 4 Lovers" feiert am Montag, 15. April Kino-Premiere im Babylon Berlin.

Quelle: Noizz.de