Und wir dachten, dass die Papierlosigkeit gut wäre.

Online-Streaming ist gut für die Umwelt. CD-Hüllen, Verpackungen, Umschläge – durch die digitale Revolution fällt vieles weg. Also ist auch alles gut?

Forscher sind sicher, dass diese Revolution positive Auswirkungen auf die Umwelt hat. CO2-Emissionen gehen nach unten, weniger Energie muss aufgewendet, um den Menschen Musik, Filme und Spiele nach Hause zu liefern. Doch es gibt einen kleinen Haken. Und der heißt: Pornos!

Während die Sex-Filmchen in haptischer CD- und Buchform früher nur in ausgewählten Läden zu erwerben waren, und beim Einkauf stets ein Schamgefühl mit sich brachten, hat sich die Industrie in den letzten 20 Jahren elementar gewandelt. Pornos sind durch das Aufkommen des schnellen Internets und der unendlichen „Tubes“ dauerhaft und kostenlos abrufbar, das Haus muss nicht mehr verlassen werden. Der angebliche „Tabubruch“ für das Umfeld nicht mehr spürbar. Anonymität, Bezahlbarkeit, Abrufbarkeit!

The Atlantic nennt hierzu nur ungefähre Zahlen. So sei die bekannteste Seite „Pornhub“ im Jahre 2013 14,7 Milliarden Mal aufgerufen worden. 2016 waren es dann schon 23 Milliarden Besuche. Insgesamt seien hier 4,59 Milliarden Stunden Pornos geschaut worden. Und das nur auf einer Seite! Die Pornoindustrie boomt seit der Digitalisierung. Aus einem Nischenprodukt wurde gesellschaftliche Normalität.

Doch schadet die Online-Pornoindustrie der Umwelt deswegen heutzutage mehr als früher? Schätzungen von Experten gehen deutlich in eine Richtung: Ja, der boomende Pornokonsum ist für die Umwelt schlimmer denn je. Leider fehlen adäquate Vergleichszahlen. Weder existieren solche zur Pre-Internet-Ära, als Heftchen und Videos noch im Laden gekauft werden mussten, noch schätzen Experten die von Pornhub und Co. herausgegeben Zahlen als hundertprozentig valide ein.

Und so können Forscher bisher nur Schätzwerte liefern. Nathan Ensmenger, ein Professor an der Universität von Indiana, hat versucht sich den Auswirkungen zu nähern. Dazu nahm er die von Netflix veröffentlichten Werte zur Energieeffizienz und wendete sie auf Pornhub an. Sein Ergebnis: Wenn Pornhub so effizient wie Netflix arbeiten würde, läge der Verbrauch bei fast 6 Milliarden Kilowattstunden. Das sind circa 11.000 Glühbirnen, die ein ganzes Jahr lang an wären.

Und diese Zahlen gelten nur für „Pornhub“. Zweifelhaft, ob es einen solchen Verbrauch durch Verpackung, Versand und Werbung früher gab. Doch valide sind diese Zahlen nicht, noch nicht! Deswegen warnt Jon Koomey, ein Datenforscher, gegenüber dem The Atlantic vor Spekulationen.

Deshalb wollen einige Forscher der Frage wissenschaftlich nachgehen: Wie umweltschädlich sind Pornos in der heutigen Zeit? Wir sind gespannt! Eine Tendenz gibt es ja schon ...