In einem aktuellen Video hat die Influencerin durch ein Gespräch mit dem Journalisten Wolfgang Drechsler koloniales und rassistisches Gedankengut verbreitet. Dass man solche Dinge hinterfragen und richtigstellen sollte? Ist ihr leider erst danach aufgefallen.

Wir haben keine Lust, Diana zur Löwen als beautybloggendes Influencerblondchen darzustellen, dass sich offenbar naiv und ahnungslos durchs Leben lächelt. Ist auch schon gemacht worden von den Medien in den letzten Tagen, etwa in diesem Artikel. Grund des medialen Interesses an der 24-Jährigen: Sie war für ein paar Tage in Kapstadt unterwegs. Neben den üblichen Strandbildern, die man bei einer solchen Reise halt macht, ein bisschen Werbung in den Posts auf Instagram (etwa fürs Microblading) sollte es auch Content mit Tiefgang geben. Denn: Diana zur Löwen schreibt sich seit mindestens zwei Jahren auf die Fahnen (oder auf den Header ihres Youtube-Kanals), dass es bei ihr um "Politik & Persönliches" geht.

Sie trifft in Kapstadt also Wolfgang Drechsler, seines Zeichens Journalist, der unter anderem als Afrika-Korrespondent für das Handelsblatt arbeitet. Er lebt seit 30 Jahren in Afrika und zur Löwen will mit ihm eine Runde über das Land sprechen. Drechsler lässt sich auch gar nicht lange bitten und lamentiert einen vom Stapel, dass Björn Höcke direkt einer abgehen dürfte. Drechsler spricht vom "Afrikaner an sich" und erklärt, dass dieser eher keinen Unternehmergeist habe, sich lieber in seinem kleinen Kreis im Dorf aufhält und auch sonst wenig zukunftsorientiert lebt. Deshalb gehts Afrika nämlich auch so schlecht.

Außerdem sagt Drechsler, dass sich die Anzahl der Bevölkerung in Afrika in den nächsten Jahren verdoppeln wird. Wirtschaftlich, so findet Drechsler, hat das Land aufgrund seiner Kultur Probleme an den Rest der Welt aufzuschließen. Ist ja klar: Lungern alle ständig nur im Dorf rum und können offensichtlich nur von 12 bis Mittag denken, wenn man dem Drechsler so zuhört. Diana nickt und merkt an, dass das ja für die westlichen Länder ein Problem sein könnte: "Die wollen dann alle nach Europa oder nach Amerika." Drechsler, in seinem rosafarbenen Polohemd, stimmt eifrig zu.

"Afrika soll mal aus den Puschen kommen!"

Drechsler holt dann aber noch mal so richtig aus: "Der Afrikaner" lebt nämlich nicht nur im Hier und Jetzt, sondern vor allem auch in der Vergangenheit. Afrika wurde im 19. Jahrhundert von Europa besetzt. Kolonialherrschaften unterjochten Teile der Länder, beuteten sie aus, mordeten die Bevölkerung, hielten sie als Sklaven und verhielten sich – daran glaubend, dass sie die weißen Oberbabos sind – wie die Axt im Wald. Die Entkolonialisierung erfolgte erst spät im 20. Jahrhundert, etwa ab 1950. Bis dahin haben westliche Eliten in dem Land gewütet.

Drechlser findet, dass Afrika deshalb aber so langsam auch genug gejammert hat, die sollen lieber mal aus den Puschen kommen, statt etwa von "uns" (damit meint er offenbar die weißen Europäer) weiterhin Reparationsanforderungen zu stellen. Dabei lässt Drechsler natürlich aus, dass das Land aufgrund der Kolonialisierung so richtig doll gelitten hat und die Spätfolgen noch heute merkbar sind. Er erwähnt nicht, dass Europa sich bereichert hat an Afrika und dies teilweise auch noch heute tut. Dass die Länder Afrikas unter extremer Korruption leiden, an der auch wir nicht unschuldig sind. Der Autor Tom Burgis etwa, beschreibt in seinem Buch "Der Fluch des Reichtums" ein Afrika, das dank der Gier von multinationalen Konzernen immer noch ausgenommen wird, wie eine Weihnachtsgans.

Das Video ist mittlerweile gelöscht, aber der Journalist Malcolm Ohanwe hat es glücklicherweise aufgenommen, zusammengeschnitten und selbst noch mal kommentiert. Wer es sich also anschauen mag:

Hat hier jemand Rassist gesagt?!

Wir wollen euch jetzt keinen Geschichtsunterricht geben und auch keinen Exkurs dazu halten, wie Kolonialisierung, Wirtschaft, Kultur und Spätfolgen zusammenhängen. Wir wollen nur sagen: Drechslers Haltung zu "dem Afrikaner" ist ohne Zweifel rassistisch. Und zwar nicht in dem Sinne, dass er einfach Rassen trennt (was jetzt auch nicht unkritisch ist). Drechsler findet nach wie vor, dass "der Afrikaner" es halt nicht so bringt, wie die Europäer. Und dass "der Afrikaner" daran selber schuld ist. Außerdem soll "der Afrikaner" doch bitte in Afrika bleiben und nicht etwa zu "uns" nach Europa kommen, um sich dort an unserer reibungslosen Wirtschaft zu bereichern. Wie gesagt: Höcke und seine Kumpel dürften sich ein Loch in den Kopf gefreut haben, bei so viel altdeutscher Rassenlehre.

Das Problem an dem Video ist aber nicht der alte, weiße Mann, der seit 30 Jahren mit seinem deutschen Gehalt in einem ausgebeuteten Land lebt und großkotzig seine beschränkte Weltsicht ins World Wide Web posaunt. Es ist die junge Frau neben ihm, die kein einziges Mal hinterfragt, was hier eigentlich gerade an komplett rassistischer Kackscheiße an ihre Follower rausgeht.

Die falsche Haltung zu promoten wiegt viel schwerer, als der falschen Nackellack

Der Shitstorm Richtung zur Löwen ließ nicht lange auf sich warten. Die Influencerin wurde mit Rassismus-Vorwürfen überzogen. Sie hat das Video dann schnell gelöscht und sich bereits mehrfach entschuldigt. Außerdem hat sie versprochen, sich jetzt mal mehr zu informieren. Gut für sie! Nur leider ist es damit nicht getan.

Diana zur Löwen hat sich irgendwann dazu entschieden, auf ihren Kanälen zwar über Beauty und Mode zu sprechen – aber eben auch über Gesellschaft und Politik. Eine gute Sache! In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt Orange 2018 bespricht sie die Politikverdrossenheit ihrer Generation und kritisiert diese deutlich. Sie sagt "Wir müssen uns für Politik interessieren, sonst wird sie ohne uns gemacht. Deshalb ist jede und jeder einzelne von uns gefragt, sich mit Politik auseinanderzusetzen, sich eine eigene Meinung zu bilden und aktiv zu werden." Und sie hat Recht! Und es ist verdammt gut, dass sie mit ihren 640.000 Subscribern auf YouTube und ihren gut 830.000 Followern auf Instagram ihre Reichweite nutzt, um ihre Generation zu mehr Engagement zu bewegen. Nur kommt mit diesem Anspruch eine gewisse Verantwortung mit sich.

Bei einer Reichweite wie der zur Löwens hat man sowieso eine immense Verantwortung – oder sagen wir es doch gleich: Macht. Diese lässt zur Löwen sich ordentlich was kosten. Ihr Job ist es unter anderem, Menschen zu beeinflußen. Dafür wird sie von Brands bezahlt. Sie macht Werbung, die durch ihre Authentizität und Nähe zum Medium Internet viel wert ist. Wäre dem nicht so, könnte sie davon nicht leben (was zweifelsohne aber der Fall ist). Sobald sie sich politisch äußert, wirkt sie auf die Meinungen ihrer Follower ein. Promotet sie eine doofe Gesichtscreme, ist das zwar blöd, aber dann haben eben ein paar Leute nun eine doofe Gesichtscreme im Schrank stehen. Lässt sie sich für die falschen politischen Haltungen einspannen, kann das moralisch und gesellschaftlich richtig schwer wiegen.

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Journalistin oder Influencerin?

Das Problem dabei ist, dass Diana zur Löwen einen sogenannten persönlichen Blog hat. Sie ist keine Journalistin – und im Grunde hat sie auch nicht den Anspruch. Wenn Journalisten politisch berichten, müssen sie dies transparent tun. Sie müssen klar machen, wo sie ihre Haltung her haben, wie sie politisch gefärbt sind und warum sie eine gewisse Haltung haben. Mehr als das: Sie müssen die Haltung des gegenüber in Diskussionen auch hinterfragen können. Zur Löwen muss das streng genommen nicht – und genau das ist das Problem. Es wird immer als die persönliche Entscheidung einer Influencerin verkauft, ob sie nun einen Typen wie Drechsler fragt, ob das was er da erzählt nicht ein bisschen rassistisch ist und dann durch gezielte Nachfrage verschiedene Perspektiven beleuchtet. Es wird als ihre persönliche Entscheidung verkauft, dass sie ihn nicht fragt, ob er eigentlich Lack gesoffen hat. Aber es ist nicht ihre persönliche Entscheidung: Sie stellt Fragen und lässt jemanden reden für Tausende ihrer Follower. Da ist sie keine Privatperson mehr, sondern eine machtvolle politische Aktivistin.

Dasselbe gilt, wenn sie etwa Philipp Amthor einen Tag lang auf ihrem Kanal begleitet. Sie zeigt nicht einfach mal, wie so der normale Joballtag eines Bundestagsabgeordneten ist. Sie gibt einem CDU-Politiker und allem, wofür er steht, 14 Minuten lang ein wertvolles Podest.

Sie folgt Amthor auf das feierliche Gelöbnis der Bundeswehr, sie schneidet die Rede Schäubles rein, der davon spricht, dass es manchmal nicht anders geht als das bewusste, bewaffnete Einsätze der Bundeswehr erforderlich sind. Sie lässt Amthors Büroleiter Sandro minutenlang darüber reden, wie toll der Amthor ist, was für ein begabter Tausendsassa und was für ein Medien- und Bürgerliebling. Zur Löwen schneidet Snippets von Reden in ihr Video, in denen Amthor erst die AfD grillt und dann die Grünen und die SPD. Sie lässt ihn knapp drei Minuten darüber sprechen was für ein Spitzenverein die CDU ist, weil sie sich für die Ehe für alle eingesetzt hat und erklärt danach, warum es gut ist, dass der Staat gar nicht so viele Gesetze erlässt, die nachweislich den Klimawandel einschränken könnten: Inlandsflüge verbieten, Spritpreise erhöhen, Fleischessen verbieten – alles Quatsch findet Amthor. Soll auch gar nicht der Staat entscheiden, sondern jede*r selbst, so der Nachwuchspolitiker.

Zwar nimmt sich Diana zur Löwen am Ende des Videos eine Minute und widerspricht Amthor in Sachen Klimapolitik, sie schreibt unter ihrem Post, dass sie keine Werbung für die CDU machen möchte. Aber hier ist ein kurzer Realitycheck: Nur weil das unter dem Video steht, heißt das nicht, dass in dem Video nicht genau das passiert. Es ist eine 14-minütige Werbesendung für einen CDU-Politiker, der in keinster Weise für seine Haltungen hinterfragt wird. Es ist kein unverfängliches Zeigen eines normalen Jobs, sondern eine Möglichkeit für Amthor, sich als total duften Kerl und seine Partei als großartigen Verein zu inszenieren – und damit auf die Jagd nach Wählerstimmen zu gehen. Ein durchstrukturierter, aufstrebender Politiker wie Amthor wäre auch wirklich dumm, die Sendezeit die ihm geboten wird, nicht zu seinen Gunsten zu nutzen.

Ob es zur Löwen gefällt oder nicht: Sie hat politische Verantwortung und Macht und sie kann sich nicht hinter ihrem Influencer-Status verstecken. Wenn sie loszieht um Politikern und politischen Statements Raum zu geben, muss sie sich entsprechend vorbereiten, muss genau prüfen, was sie aussendet und nicht hinterher sagen "Ups sorry, ich lese jetzt auch mal ein Buch über Rassismus." Sie hat sich von einem Rassisten und der CDU vor den Karren spannen lassen, und wir glauben ihr nicht, dass das aus reiner Naivität passiert ist.

Also, hier der Appell an dich Diana: Du bist kein beautybloggendes Influencerblondchen – also verhalte dich auch nicht so.

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Quelle: Noizz.de