Die neue Subkultur, die dir bald so hart auf den Sack gehen wird.

Eine schwarze Hose mit silbernen Ketten, dazu ein angesagtes, übergroßes Vintage- oder Marken-T-Shirt, darunter ein gestreiftes Longsleeve, fluffige Haare und ein trauriger Blick: Das ist die Anatomie des E-Boy.

Auf Social Media verkündete Matty Healy, Sänger der Band The 1975 kürzlich: "Ich habe den E-Boy erfunden." Ein Blick auf seinen Account lässt bereits oberflächlich erahnen, womit man es hier zu tun hat. Doch was steckt hinter der neuen Subkultur der E-Boys, die gerade die Ästhetik deines Instagram-Feeds übernehmen?

Das E in E-Boy steht entweder für emotional oder electronic, so ganz ist sich das Internet nicht einig. Vermutlich steht es aber auch einfach für beides, wenn man sich die Protagonisten dieser Bewegung so ansieht. Meistens handelt es sich um Teenies, die mit der Romantisierung von traurigen Gefühlen und Depressionen kokettieren – im Internet.

Der E-Boy ist kurz gesagt eine männliche Version von Billie Eilish, ihrerseits ein typisches E-Girl, und postet unter seinen Mirror-Selfies dementsprechende auch gerne mal Lyrics mit Anspielungen auf BDSM.

A boy who has black painted nails, skates, wears black clothes and chains and beanies, and they sometimes have their hair parted down the middle, and their usually rally pale. – "Urban Dictionary"

Musikalisch hören E-Boys all das was Melancholie, Popkultur und prätentiöse Lyrics vereint: Lana Del Rey, Rex Orange County, Lil Peep oder The 1975. Indiemusik und Emo-Rap stehen generell besonders hoch im Kurs, sowie alles "wovon du bestimmt noch nicht gehört hast".

In ihrer ganzen Pracht kann man diese Spezies übrigens dort bestaunen, wo es die dauerhafte Jahresversammlung aller E-Boys gibt: TikTok. Denn diese Jungs "leben grundsätzlich auf TikTok und bekommen dort nur Likes für ihr schönes Gesicht", wie "Urban Dictionary" verrät. Alle Beiträge unter dem entsprechenden Hashtag #eboy haben zusammen bereits über 600 Million Aufrufe.

Der TikTok-User John Supnik ist ein typischer E-Boy Foto: TikTok / johnsupnik

Die meisten zeigen einen ziemlich guten, aber nicht ganz perfekten, Timothée-Chalamet-Verschnitt mit Babyface und gestylter "Ich bin gerade erst aufgewacht"-Frisur. Der tatsächlich nichts weiter macht, außer sein thematisch makelloses Antlitz zu präsentieren. Die meisten Videos eines generischen E-Boy bei TikTok bestehen daher einfach nur aus einer Aneinanderreihung von kurzen Clips, bei denen sie posieren, traurig schauen oder andeuten, entweder die Zuschauer oder sich selbst zu choken (Beispiel gibt's hier). Bonuspunkte gibt es fürs Augenverdrehen und Zungerausstrecken.

Ein E-Boy der sich auf TikTok würgt Foto: TikTok / cadeduncan

Während sich die guten alten Fuckboys noch bei Instagram tummelten, werden E-Boys auf TikTok gemacht. Denn dort gibt es die Inspiration, die Möchtegern-Mattys und -Timmys, die ihre bloße Existenz zu dem Klang von mal mehr, mal weniger melancholischer Musik zelebrieren. Während der Fuckboy noch durch sein Verhalten (gegenüber Frauen) definiert wurde, zeichnet sich der E-Boy durch seinen Look aus. Das oberste Ziel scheint die erfolgreiche Visualisierung einer depressiven und doch gleichzeitig sexualisierten Ästhetik zu sein. Nicht ohne Hintergedanken.

Laut "Urban Dictionary" trügt der Schein des unschuldigen Gesichtes des "soft boi": "Sie gewinnen exponentiell viel Aufmerksamkeit von eGirls und beschweren sich immer noch darüber, einsam zu sein, nur um mit eGirls rumzumachen und Aktfotos zu bekommen."

Das Wort Nudes fällt in den meisten Erklärungen auf der Webseite, die Jugend- und Netzkultur für Menschen über 25 erklärt, tatsächlich sehr häufig. Nacktfotos einfordern – zumindest dieses Goal scheinen Fuck- und E-Boys zu teilen, wenn man bösen Zungen glauben schenken will.

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Quelle: Noizz.de