„Keine Schwarzen, keine Schwuchteln, keine Fetten.“

Die Schwulen-Dating-App Grindr hat ihre neue Kampagne Kindr gestartet. Dabei handelt es sich um eine Art Kurzserie auf YouTube.

In der ersten Episode sprechen Nutzer der App über ihre Erfahrungen mit „sexuellem Rassismus“.

Es geht um verletzende Kommentare von Hatern, die zum Beispiel offen in ihr Profil schreiben: „Keine Asiaten, keine Schwarzen, keine Fetten.“

„Manche der Kommentare verfolgen mich in den Alltag“, sagt eine Betroffener. Ein anderer meint: „Ich habe irgendwie diese Sicht auf mich übertragen, war verunsichert, ob etwas falsch mit mir ist, ob ich mich schämen muss.“

Die App stand schon länger in der Kritik, nicht genug für den Schutz ihrer Mitglieder zu sorgen und Unverschämtheiten zu ignorieren. Jetzt will das Unternehmen also ein deutliches Zeichen setzen gegen jede Form von Diskriminierung.

Die App hat deshalb auch ihre Richtlinien angepasst. Darin steht jetzt die Ansage: „Profilsprache, die benutzt wird, um offen andere Nutzer zu diskriminieren, wird nicht toleriert.“

Das Motto: Lieber sagen, was man will und mag, als was man hasst.

In der zweiten Episode von Kindr erzählen Betroffene von Bodyshaming, teilen Geschichten, wie sie für ihr Gewicht beleidigt wurden.

Es sind Sätze wie „Du solltest dich geehrt fühlen, dass du mir überhaupt einen blasen darfst“, „Du bist hässlich“, „Du darfst mir keinen Korb geben, weil du fett bist.“

Die Dating-App ist nicht alleine mit dem Versuch, für ein respektvolles Klima zu werben.

Gerade das Thema Bodyshaming beschäftigt verschiedene Branchen.

Auch „Weight Watchers“ hat wohl gemerkt, dass Kalorien zählen und ein genormtes Schönheitsideal längst nicht mehr so modern sind.

Deshalb hat sich das US-amerikanische Unternehmen umbenannt – in schlicht WW. Es soll zukünftig um Wellness und Wohlbefinden gehen, nicht ums Hungern.

Der Versuch, Bewegungen gegen Mobbing und Body-Bashing als Marketing-Mittel zu benutzen, kann aber auch schief gehen …

Der Online-Shop Revolve hatte sich vor ein paar Wochen mit „Girls“-Produzentin und Body-Positivity-Aktivistin Lena Dunham zusammengetan, um mit einer Kollektion auf Cyber-Mobbing aufmerksam zu machen. Dafür druckte der Shop eine Auswahl von Beleidigungen, die prominente Frauen im Laufe ihrer Karriere in den Kommentaren lesen müssten, als Slogans auf ihre Sweater.

Die Aktion sorgte jedoch schnell für einen Shitstorm – denn ohne Kontext wirkte der Spruch „Fett sein ist nicht schön, es ist eine Ausrede“ einfach nur wie ein Mobbing-Motiv, das jeder als modisch akzeptabel tragen kann.

[Mehr dazu: Online-Shop schockt mit Fatshaming-Sweater]

Die Kampagne war also ein Fail – der Fatshaming-Sweater wurde sogar wieder aus dem Sortiment genommen.

Ein ähnliches Prinzip fährt aktuell die Luxusmarke Diesel. Statt Haute Couture hat das Label jetzt Hate Couture gelauncht. Gesicht für die Mode gegen Mobbing ist Rapperin Nicki Minaj.

In einem Video zur Kampagne tragen die schwulen „Tote Mädchen lügen nicht“-Stars Miles Heizer und Tommy Dorfman unbekümmert Diesel-Jacken, auf denen fett „Faggot“ gedruckt steht, also das Schimpfwort „Schwuchtel“.

Auch Bella Thorne („Nerve“) tanzt fröhlich in einem Rotlicht-Schaufenster, auf ihrem Oberteil steht „Slut“, also „Schlampe“.

Es sind Begriffe, mit denen Normalsterbliche, aber eben auch Schauspieler und Sänger regelmäßig in den sozialen Netzwerken belastet werden.

Auch Twitter hat reagiert und seine Richtlinien um das Thema Dehumanizing ergänzt. Neben einer Definierung des Begriffs gibt es eine neue Regel:

„Du darfst niemanden entmenschlichen, denn das kann zu Schaden führen.“

Aber der Hass schafft es auch auf die Straße. Wer nicht hinterm Mond lebt, kennt die Schlagzeilen über Angriffe auf Menschen, die offen schwul, queer oder trans sind.

2017 soll es mehr als 5.300 Beschwerden über Hassverbrechen in Schottland gegeben haben.

Deshalb hat die schottische Regierung jetzt auch eine Kampagne gegen Hassverbrechen gestartet: Mit Postern, auf denen transphobe und rassistische Menschen direkt angesprochen werden, wie in einem offenen Brief.

Diverse Poster gegen Diskriminierung hängen in Schottland Foto: Screenshot / www.onescotland.org
Absender Schottland: Ein offener Brief an Transphobe Foto: Screenshot / www.onescotland.org

Und sie werden gewarnt – ihr Verhalten sei strafbar und werde Konsequenzen haben.

Im diesem Fall bleibt es nicht nur bei der Kampagne – unter ww.onescotland.org gibt es auch eine Hotline, um Hassverbrechen zu melden – inklusive Notfalllnummer und Online-Formulare für anonyme Beschwerden.

Quelle: Noizz.de