Eigentlich soll die App sozialer sein als Insta & Co ...

Die neue Social-App Vero soll das Instagram der Zukunft sein, nur in besser: ein soziales Netzwerk ohne Werbung, ohne bezahlte Inhalte und ohne Algorithmus. „True social” (deutsch: wirklich sozial) lautet der Slogan.

[Mehr dazu: Die Hype-App Vero nervt schon jetzt]

Aus Frustration mit den bisherigen Netzwerken wurde die App gegründet, heißt es auf der Website des Unternehmens.

Dia App geöffnet auf einem Handy - wird sie das neue Instagram?

Gegründet wurde die App bereits vor zweieinhalb Jahren, doch der Erfolg auf den Charts-Spitzen der App-Downloads ist erst eine Woche alt.

Der Grund für den Über-Nacht-Erfolg ist bisher niemanden so richtig klar. Auf jeden Fall haben in den vergangenen Tagen überraschend viele Prominente und Influencer ihren Beitritt zu Vero verkündet - in Deutschland unter anderem der Sänger Casper und der Moderator Klaas Heufer-Umlauf mit seiner neuen Sendung „Late Night Berlin“.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Twitter
Um mit Inhalten aus Twitter und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Einige werfen der App nun eine gekaufte Kampagne vor. Auf Twitter melden sich auch vermehrt Nutzer zu Wort, die sich unter #deletevero (deutsch: Vero löschen) wieder von Vero verabschieden - auch weil sie den Machern der App misstrauen.

Um das zu beurteilen muss man sich anschauen, in wessen Hand die neue Erfindung eigentlich liegt. Bei der Konkurrenz von Instagram & Co sind die Gründer junge Amerikaner, wie zum Beispiel Snapchat-Boss Evan Spiegel, 28 Jahre alt, in LA groß geworden und leidenschaftlicher Turnschuhträger.

Bei Vero fällt die Besetzung etwas untypischer aus. Der Gründer und Chef ist der Libanese Ayman Hariri, der Sohn des libanesischen Ex-Präsidenten Rafiq al-Hariri. Dieser regierte von 1992 bis 1998 sowie von 2000 bis 2004 im Libanon und wurde 2005 bei einem Attentat getötet.

Sohn Ayman hat Millionen geerbt; sein Vermögen lag laut Forbes 2015 über einer Milliarde. Im Mai wird er 40. Er lebt mit Frau und Kind in Saudi-Arabien.

An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Seine Ausbildung genoss Hariri in den USA und studierte Computer Science an der Georgetown-Universität in Washington DC. Dort traf er den Mitgründer von Vero, Scott Birnbaum. So weit, so gut.

Bis 2013 war Ayman Hariri stellvertretender Geschäftsführer und stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Saudi Oger, einer der größten Baufirmen in Saudi-Arabien. Gegründet wurde das Unternehmen 1978 von seinem Vater. Die Firma ist umstritten, weil sie Tausende Mitarbeiter aus Südasien monatelang nicht bezahlt hat, vielen Arbeitern blieb nicht mal Geld für Essen. Der Grund waren gestrichene oder verspätete staatliche Zahlungen, berichtete im vergangenen Jahr das Newsportal "Gulf Business". Im Sommer 2017 hat die Firma ihren Betrieb eingestellt, die Mitarbeiter wurden entlassen.

Laut „Golf Business“ habe das saudische Gericht ein Urteil gefällt, das Saudi Oger zur Zahlung von Gehältern an die Arbeiter zwinge. Die Schulden der Firma gegenüber lokalen Banken seien im November 2017 auf 13 Milliarden SAR (circa 2,8 Milliarden Euro) geschätzt worden, so das Newsportal.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Der Fall in Saudi Arabien wirft definitiv kein gutes Licht auf den Mann, der mit Vero und seinem „richtig sozial“-Mantra einen auf Social-Media-Weltverbesserer machen will.

Auch beim Thema Datenschutz weckt die App Bedenken. So verlangt Vero zur Anmeldung zwingend eine Telefonnummer - unter anderem um die Echtheit der Nutzer zu überprüfen, wie es heißt.

Auch das Team hinter Vero, das auf der Homepage vorgestellt wird, entspricht nur wenig sozialen Innovationen. Von 23 Teammitgliedern sind 22 Männer - aufgeteilt in die Chefs, Engineering und Design. Die eine Frau am Ende der Liste hat eine eigene Kategorie: customer care (deutsch: Kundenbetreuung)

Mal sehen, wie es mit Vero weitergeht. Bekanntlicherweise kommt Hochmut vor dem Fall. Ob dieser zu befürchten ist, liegt bis dahin in unserer Hand: in der des Verbrauchers.

  • Quelle:
  • Noizz.de