In Freiburg produzieren Studenten jetzt feministische Pornos

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Das Start-up heißt feuer.zeug, der erste Porno ist schon im Kasten. Foto: Instagram

Interview mit einem Fem-Porn-Start-up.

Die Idee vom feministischen Porno ist nicht ganz neu. Das Genre entwickelte sich schon in den 90ern als Gegenentwurf zum Mainstream-Porno. Das Ziel: die positive Darstellung weiblicher Lust auf realistischem Niveau. Keine „Oh, warum liegt hier denn Stroh?“-Szenen, keine Stiefmutter, die den Sohn ihres Partners verführt, kein Quickie beim Gynäkologen.

Vor allem aber, gibt es in feministischen Pornos keine herabwürdigende und entwürdigende Darstellung von Frauen. Die Liste solcher Sexfilme ist übersichtlich. Auch Deutschland kann bis heute noch nicht mit einer Vielzahl feministischer Porno-Hits aufwarten. Auch deshalb hat eine Gruppe Studenten aus Freiburg jetzt ein Start-up gegründet, um genau das zu ändern.

Auf ihrer Website stellen feuer.zeug charmant klar, was sie wollen und was nicht: „Wir haben keine Lust mehr auf Porno-Dialoge, die so dumm sind, dass wir eher einschlafen anstatt zu kommen und Settings, die so unrealistisch sind, dass die einzige Folgereaktion ein großes "Hä?" ist!“

Deshalb hätten sie entschieden: Sie machen es (sich) selbst und produzieren besseren Porno – fair, nach feministischen Kriterien und mit unternehmerischem Freigeist als Start-up.

Ich habe mit Gründerin und Politik- und Wirtschaftswissenschaft-Studentin Kira über ihr Herzensprojekt gesprochen:

NOIZZ: Mich würde die konkrete Situation interessieren, in der die Idee zum Projekt entstanden ist. Habt ihr euch über stereotype Porno-Storylines aufgeregt? Oder vielleicht ein ganz ehrliches Gespräch über den eigenen Pornokonsum geführt?

Kira: Wir waren zusammen in der Boulderhalle klettern, sind irgendwie auf das Thema Pornos gekommen und haben uns über Punkte im Mainstream unterhalten, die uns nicht gefallen. Die Idee, feministische, alternative Pornos zu machen, hatte ich schon mal – und im Gespräch und den kommenden Wochen kristallisierte sich dann heraus, dass wir das einfach mal versuchen würden.

Was regt euch besonders an Pornos auf, wie wir sie heute im Netz zu finden sind?

Oh, da gibt es tatsächlich ganz ganz viel! Auf einer Seite stehen fragwürdige Produktionsbedingungen, unter welchen die Beteiligten oftmals leiden und in denen Frauen, außer als Darstellerinnen, keine Rolle spielen. Oder, dass Männer sehr viel schlechter bezahlt werden als Frauen, was auch nicht in Ordnung ist.

Die andere Seite betrifft die Darstellungs- und Vermarktungsebene. Von rassistischem Labeling – etwa „exotisch" für People of Colour –, über herabwürdigende Darstellungen, fehlenden Darstellungen von Safer Sex und sexueller Vielfalt bis hin zu genormten Körperbildern, gibt es aus unserer Sicht viele Kritikpunkte, die auf eine große Zahl der Filme auf Mainstream-Seiten zutrifft.

Ein großes Problem ist auch die oftmals fehlende Darstellung von Konsenz, es findet keine Kommunikation zwischen den Darstellern statt, die dem Zuschauer zeigt, dass alle Beteiligten Lust und Spaß am Gezeigten haben.

Euer erster Porno ist im Kasten. Vor jedem Dreh besprecht ihr das Drehbuch mit Sexualwissenschaftlern. Welche Anmerkungen gab es nach dem ersten Entwurf? Was habt ihr gelernt?

Wir hatten schon vor der Absprache darauf geachtet, Konsenz in unseren Dialogen abzubilden - dazu haben wir positive Rückmeldungen bekommen. Gleichzeitig hatten die Sexualwissenschaftler noch ein paar weitere schöne Ideen, wie man Konsenz abbilden könnten. Zusätzlich kam zum Beispiel noch der Tipp, bei den expliziten Szenen, je nach Praktik, zusätzlich zu Kondomen auch sichtbar Gleitgel zu verwenden, da dies Verletzungen vorbeugen kann und damit, je nach Situation, auch ein Teil von Safer Sex ist.

Wie kommt ihr an eure Darsteller? Haben sie Vorerfahrung im Mainsteam-Porno – und wie reagierten sie auf eure Art von Porno-Dreh?

Unsere Darsteller für den ersten Dreh haben wir über einen Instagram-Aufruf gefunden, Kontakte ergeben sich jedoch auch auf Filmfestivals und ähnlichen Veranstaltungen. Eine Person, die nun in unserem Film zu sehen ist, hatte schon mal in einem ähnlichen Filmprojekt mitgewirkt, es handelt sich aber um Amateure. Die beiden stehen sehr hinter der Idee, wie wir produzieren.

Durften eure Darsteller den fertigen Porno schon sehen? Welche Anmerkungen gab es – und mussten gewissen Szenen vielleicht sogar herausgeschnitten werden?

Noch nicht, da die Filmaufnahmen noch nicht fertig geschnitten sind. Sie werden jedoch den fertigen Film sehen und erst, wenn sie ihn freigeben, besitzen wir die Rechte an den sexuellen und unbekleideten Aufnahmen.

Wie haben eure Darsteller auf eure Sorgenbeauftragte reagiert? Welche Konversationen entstanden bei der Zusammenarbeit?

Die Idee, eine Sorgenbeauftragte am Set zu haben, entstand gemeinsam mit unserer Darstellerin und dem Darsteller, da es in der Vergangenheit auch Fälle im feministischen Porno gab, wo wohl Grenzen von Performern überschritten wurde.

Klare Sorgen wurden dann während des Drehs nicht an unsere Beauftragte herangetragen, sie stellte jedoch sicher, dass es während des Drehs nicht zu Zeitdruck und damit verbunden Stress kam, informierte über die nächsten Schritte und fragte nach jedem Drehtag, ob sich die Darsteller wohl gefühlt hatten.

Insgesamt ist die Sorgenbeauftragte also eine Maßnahme, um eine gute Wohlfühl-Atmosphäre beim Dreh sicherzustellen.

Was die feuer.zeug-Crew bisher alles auf die Beine gestellt hat, erfährst du hier.

Im Dezember soll der erste feministische Porno von feuer.zeug Premiere feiern.

Quelle: Noizz.de

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