Die Bundeskanzlerin rät dazu, die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. In Italien – Europas aktuellem Corona-Herd – herrscht strikte Ausgangssperre. Auch in Österreich sollen die Leute drin bleiben. Und in Deutschland schallt es aus allen Ecken verächtlich: "Ähm, Entschuldigung, ich bleib jawohl nicht drei Wochen allein zu Hause!?"

So sieht's aus: Wir treffen uns trotz Appell aus der Regierung weiter fleißig mit Freunden zum Dinner. In Berlin hofft man inständig auf Secret Corona Raves. Und am vergangenen Wochenende, als die Bars und Kneipen noch nicht dicht hatten, wurde das restliche Bisschen Freiheit aus den Abenden gelebt, als ginge es um eine mehrjährige Haftstrafe. "Ich treffe mich doch nur mit meinen gesunden Freunden, alte Menschen meide ich" oder "Naja, dann werd ich halt krank, zur Risikogruppe gehöre ja ich nicht. Das wird dann schon", hört man, wenn kritisch nachgefragt wird.

>> Coronavirus: Der ultimative Guide gegen Fake News

Um es kurz zu machen: Es ist unfassbar dreist, so zu denken! Warum du verdammt nochmal zu Hause bleiben sollst:

Schauen wir uns mal Berlin an, wo NOIZZ.de beheimatet ist: Wir verstehen schon, gerade in Großstädten leben die Leute für ihre Freiheit. Wir alle sind in eine solche gezogen, um uns frei zu machen – von Konventionen, von Leuten, die uns sagen wollten, wie wir zu sein und zu leben haben. Und: Wir haben uns hier unser ganz persönliches Gefühl von Freiheit erkämpft. Da fällt es bisweilen schon mal schwer, zu verzichten.

Verzicht ist in einer Stadt wie Berlin, in einem Land wie Deutschland eine äußert unangenehme Aufgabe. Wir sind nämlich allesamt verwöhnt und privilegiert. Wer sich mal mit den eigenen Privilegien befasst hat, erkennt, wie schwer es ist, davon loszukommen. Genau deshalb ist allerhöchste Eisenbahn über den Tellerrand der eigenen Gemütlichkeit zu schauen, um zu kapieren, was ansonsten passiert. Auch, wenn du jung, generell gesund und somit nicht zur Risikogruppe gehörst, hast du nicht das Recht einfach so weiterzumachen, wie bisher – oder dir gar ein Schlupfloch in Form einer geheimen Party zu suchen.

Faktisch sieht es nämlich so aus: Experten gehen davon aus, dass rund zwei Drittel der Deutschen am Coronavirus erkranken werden

80 Prozent davon leicht, 20 Prozent brauchen medizinische Hilfe – und sechs Prozent benötigen Intensiv-Betreuung. "Sechs Prozent, das klingt nicht nach viel, sind aber mehr als eine Million Menschen", erklärt ZDF-Moderator Claus Kleber kürzlich richtig. Was das bedeutet? Sollten wir zulassen, dass sich die Coronaviren so schnell ausbreiten, wie sie es nach aktuellem Wissenstand nun eben tun, dann zwingen wir unser Gesundheitssystem gelinde gesagt in die Knie. "Es wird Klinik und Ärzte überwältigen", heißt es im ZDF weiter.

In Italien sehen wir gerade, was dabei rumkommt, wenn zu viele Leute zu schnell krank werden. Die Ärzte müssen entscheiden, wem sie den Vortritt lassen. Auch ein entspanntes Dinner mit Freunden, bei dem keine Person aus der Risikogruppe dabei ist, birgt die Gefahr, dass sich eine weitere Person ungewollt ansteckt. Und selbst wenn du mit deiner Coronaerkrankung nicht auf die Intensivstation musst, dann verstopfst du mit deinem "Wehwehchen" das Gesundheitssystem und zwackst Zeit ab, die an anderer Stelle überlebenswichtig sein könnte.

Mach es dir also einfach auf der Couch gemütlich, wenn du nicht unbedingt raus musst – für all diejenigen, für die das Coronavirus eine größere Gefahr ist als für dich.

>> Quarantäne-Entertainment: 5 Dinge für ein bisschen Fun in der Corona-Isolation

>> Wie wirkt sich das Coronavirus eigentlich auf unsere psychische Gesundheit aus?

  • Quelle:
  • Noizz.de