Bei all den Lockerungen vergessen wir glatt, dass wir noch immer Mitten in einer Pandemie stecken, die sich vor allem durchs Reisen verbreitet hat. Trotzdem wächst in uns der Wunsch, die Sommersonne an den schönsten Plätzen der Erde zu verbringen. Was geht und was nicht, haben wir uns für und dich mal genauer angeschaut.

Zuerst hieß es, wir sollten uns von dem Gedanken, in diesem Jahr einen Sommerurlaub verbringen zu können, lieber verabschieden. Dann lautete die Parole: Urlaub nur im Inland. Und jetzt auf einmal soll es sogar Pilotversuche mit ausgewählten deutschen Touris auf Malle geben. Also was denn nun: Kann ich doch noch in den Sommerurlaub oder nicht?

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Bis zum 14. Juni gilt noch eine weltweite Reisewarnung aufgrund der Corona-Pandemie. Kein Wunder, schließlich hat sich das Virus auch durch unsere Reiselust und globalisierte Wirtschaft rasant verbreitet. Im Rahmen der aktuellen Lockerungen denkt man aber natürlich auch in der Reisebranche weiter und sieht einem Silberstreifen am Horizont. Wer will es ihnen auch verübeln? Wie prekär die Situation ist, weiß Markus Aspetzberger, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Tourismusverbandes.

Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland arbeiten im Tourismusbereich

"Seit Mitte März konnten die Gastgeber hier so gut wie keine Urlauber empfangen und auch in den nächsten Monaten gibt es teilweise strenge Einschränkungen", sagt er. Hinzu kommt, dass viele Reisen, die nicht gemacht wurden, sehr wahrscheinlich auch nicht nachgeholt werden. "Für viele Menschen, die jetzt vielleicht in Kurzarbeit sind, wird Urlaub auch keine Selbstverständlichkeit sein", sagt Aspetzberger. Der Deutsche Tourismusverband geht im Moment davon aus, dass es noch lange dauert, bis sich der Tourismus in Deutschland erholt.

Obwohl Außenminister Heiko Maas bis vor Kurzem noch skeptisch gegenüber einem Wiedereinstieg in den Tourismus war, kündigte er nun an, die Reisewarnung schrittweise abzubauen und ab dem 15. Juni durch Reisehinweise ersetzen zu wollen, die landesspezifisch angepasst werden sollen, ähnlich wie vor der ausgesprochenen weltweiten Reisewarnung. Das bedeutet aber auch: Die Situation kann sich jederzeit ändern.

Lohnt es sich, den Koffer zu packen in diesem Jahr?

Auch bei TUI Deutschland, einem der größten Anbieter von Pauschal- und Fernreisen in Deutschland schöpft man langsam Hoffnung in der Krise, wie Pressesprecherin Susanne Stünckel erklärt: "Wir bereiten uns derzeit intensiv auf den Neustart im Tourismus vor. Dafür stehen wir im engen Austausch mit den Regierungen unserer Urlaubsdestinationen."

Kann ich jetzt also doch in den Flieger nach Malle?

Ehe du jetzt in voller Reiseekstase das nächste Onlinereisebüro ansteuerst und eine Pauschalreise buchst, solltest du erst mal chillen und diesen Artikel weiterlesen. Denn Maas sagte in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" in der ARD auch: "Das, was wir als normal empfinden im Sommerurlaub, wird es dieses Jahr nirgendwo geben." Im Moment beraten sich viele Länder untereinander über mögliche Reiseabkommen und Quarantäne-, Einreise- und Schutzmaßnahmen für Touristen. Mit dabei bei diesen Gesprächen sind klassische Touriziele für den Alman: Spanien, Italien, Österreich, Griechenland, Kroatien, Portugal, Malta, Slowenien, Zypern und Bulgarien.

Campen steht im Moment bei vielen Urlaubsplänen weit oben auf der Liste.

Erst in der vergangenen Woche wurde der Grenzverkehr nach Frankreich, Luxemburg, Österreich und der Schweiz gelockert. Ist also ein Urlaub außerhalb Deutschlands in greifbarer Nähe? Jein. Viele südeuropäische Länder sind auf die Einnahmen durch die Tourismusbranche einfach angewiesen, so etwa Spanien, Italien und auch Griechenland. Es liegt also in ihrem Interesse, das gerade auch dieser Wirtschaftszweig nun wieder angekurbelt wird, wenn die Pandemie einigermaßen unter Kontrolle ist. Bei TUI geht man davon aus, dass die Saison in diesem Jahr später starten wird und sich der Schwerpunkt in den Spätsommer verschiebt. "Wir rechnen mit einem großen Ansturm im September und Oktober, denn in vielen Urlaubsorten am Mittelmeer ist dies sogar die schönste Reisezeit", so TUI-Pressesprecherin Stünckel.

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Die Baleareninsel Mallorca plant verschiedenen Berichten zufolge im Moment ein Pilotprojekt, in der ausgewählte Touristen ihren Urlaub unter besonderen Voraussetzungen und Regeln verbringen können. Maximal 1.200 Urlauber in zwei Wochen sollen es sein. Falls es also wirklich bald wieder Fernreisen geben wird, müssen wir uns auf strenge Reglementierungen einstellen. In manchen Konzepten werden Strandabschnitte sogar mit Plexiglastrennwänden ausgestattet und du sonnst dich mit Mundschutz.

Strand auf Mallorca

Die Niederlande zum Beispiel wollen ihre Grenze ab 1. Juli für touristische Übernachtungen wieder öffnen – allerdings zunächst nur auf Campingplätzen. Also falls du Bock auf Zelten hast, wäre das eine Alternative. Aber auch hier gibt es nur begrenzte Kapazitäten. Spontanurlaub ist da wohl eher nicht angesagt. Sowohl Hotels als auch Kreuzfahrtschiffe werden zudem mit geringerer Auslastung an den Start gehen, erklärt etwa TUI.

Schritt für Schritt soll auch wieder der Flugverkehr aufgenommen werden. Aber auch hier gelten die üblichen Regeln im Flugzeug als auch am Flughafen: Abstand, Maskenpflicht, Hände waschen, Kontrollen bei der Einreise. Unklar ist allerdings noch, wie sich das gestalten wird: Möglich sind Fiebermessungen oder ein Corona-Schnelltest, den die Reisenden selbst zahlen müssten. Darüber gibt es noch keine Vereinbarungen. Auch der internationale Zugverkehr unterliegt einer Maskenpflicht.

Und wie schaut es mit dem Urlaub innerhalb Deutschlands aus?

Urlaub 2020: Strandkorb und Camping an der Oststee

In die Ferne zu schweifen, wird also schwierig und wahrscheinlich sehr eingeschränkt sein. Bleibt als Alternative noch das eigene Land zu entdecken. Auch der Deutsche Tourismusverband rechnet damit, dass wir eher Urlaub im eigenen Land machen werden. "Zum einen natürlich, weil der Sicherheitsgedanke eine Rolle spielt – was passiert, wenn sich die Lage ändert, Regionen oder Länder wegen neuer Ausbrüche Lockerungen zurücknehmen?", sagt Aspetzberger.

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Aber auch, weil Deutschland eine Vielzahl an Möglichkeiten bieten würde: Küste, Inseln, Berge, Weinregionen oder ein Städtetrip nach Berlin, München oder Hamburg. Jedoch musst du dich in Corona-Zeiten wohl auch bei einer Reise im eigenen Land vorab gründlich informieren – denn je nach Bundesland gibt es durchaus unterschiedlich strenge Richtlinien.

"In jedem Fall wird der Urlaub dieses Jahr anders aussehen, als wir ihn gewohnt sind. Und bei der Buchung einer Unterkunft lohnt es sich sicher, einfach einmal mit dem Gastgeber Kontakt aufzunehmen, um sich bei ihm Informationen über die Regeln vor Ort zu holen und zur Sicherheit auch über die Buchungs- und Stornobedingungen zu unterhalten", rät Aspetzberger und wiederholt damit irgendwie auch das Mantra von Außenminister Heiko Maas.

Neue Hygienekonzepte und weniger Massenevents

In allen Bundesländern ist es ab dem 25. Mai wieder möglich, in einem Hotel zu übernachten – aber auch hier mit Auflagen, Mindestabständen und Hygieneregeln. Die Hotels der TUI-Gruppe setzen dabei auf ein extra dafür ausgearbeitetes Hygienekonzept. Dazu gehören etwa Online-Check-Ins, ausreichend Desinfektionsspender und ein neues Reinigungskonzept. "In den Restaurants der Hotels wird es feste Tischzeiten, kleine Tische und weniger Büfett-Angebote geben und es werden mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Service eingesetzt", erklärt Stünckel.

Weniger kompliziert erscheint es da, eine Ferienwohnung oder -haus beziehungsweise einen Campingurlaub zu wählen. Aber Achtung, Wild-Camping ist in Deutschland verboten! Wer an Nord- oder Ostsee dafür will, muss sich wohl aber ranhalten. Tagesausflüge sind momentan noch ein Tabu und sollen erst in späteren Lockerungsphasen ermöglicht werden. In Sachen Urlaubsentertainment wird man wohl auch auf eher klassischen Zeitvertreib ausweichen müssen, wie etwa Stünckel erklärt: "Events, Sportarten und Entertainment-Angebote im Urlaub werden mit geringer Teilnehmerzahl und ohne engeren Kontakt durchgeführt. Golf oder Tennis beispielsweise kann stattfinden, ein Fußballturnier dagegen nicht."

Tennis kannst du auch trotz Corona in deinem Urlaub spielen.

Lust aufs Verreisen haben wir allerdings schon, wie Reiseanbieter TUI beobachten konnte. In den vergangenen Wochen seien die Suchanfragen online und über die Reisebüros angestiegen – gebucht haben aber nur wenige. Wie dein Urlaub 2020 also aussehen wird, kann niemand mit abschließender Sicherheit sagen. Es wird anders, und wahrscheinlich nicht all zu exotisch, sehr entspannt und achtsam, ohne große Menschenmassen.

Quelle: Noizz.de