Es wird gemunkelt, dass bald Streamingdienste wie Netflix wegfallen sollen. Durch die Corona-Quarantäne schauen gerade angeblich zu viele Leute Serien über das Internet – aber wie sollen wir die Selbstisolation ohne Netflix und Co. überleben?

Es wäre die absolute Hiobsbotschaft, wenn wir jetzt auch kein Netflix mehr schauen könnten. Aufgrund des fortschreitenden Ausbruchs des Coronavirus' ist in Deutschland ist schon seit einigen Tagen Selbstisolation angesagt und auch die Kanzlerin betont: "Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge." Logische Konsequenz: Deutsche sitzen in Scharen vor Amazon Prime, Netflix und Sky, um sich in der freiwilligen Covid-19-Quarantäne wenigstens ein bisschen zu unterhalten.

Doch in der Schweiz gab es vor einigen Tagen bereits Gerüchte darüber, dass Streaming gedrosselt wird? Aber ist das überhaupt möglich und was bedeutet das genau für uns? Können wir dann gar kein "Narcos", "Stranger Things" und Co. mehr bingen?

Netflix vs Corona: Diese Änderungen beim Streaming kommen auf uns zu

"Ein komplettes Unterbinden von Streamingdiensten halte ich für sehr unwahrscheinlich", erklärt Dipl.-Ing. Siegbert Reuther, Experte für Datennetze, im NOIZZ-Interview. Eine Priorisierung von Servicen sei aber seit jeher möglich und kann durch die aktuelle Belastung des Netzes in Deutschland durchaus nötig sein. Dies könnte nicht nur pro einzelnem Internetanschluss passieren, sondern auch für ganze Orte oder das gesamte Netz.

Lokale Provider verzeichnen nach der Schulschließung in Bayern bereits einen Anstieg des Downstream-Traffics von 41 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, Videostreaming sei für circa 80 Prozent davon verantwortlich (Stand 19.03.). "Streamingdienste könnten grundsätzlich heruntergebremst werden, damit Geschäftsanwendungen im Homeoffice aus flüssig laufen. Eine Einschränkung zum Beispiel auf eine niedrigere Auflösung wäre schon denkbar."

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In diesem Fall könne man noch wie gewohnt Netflix und Co. schauen, müsse sich aber mit einem schlechteren Bild zufriedengeben. In Deutschland müsse man laut Reuther dieser Tage grundsätzlich nur mit geringen Folgen für den Streaminggenuss rechnen: "Ich denke nicht, dass es in den nächsten Tagen zu einer Unterbindung von Streamingdiensten kommt. Wenn überhaupt, dann eher eine Einschränkung in der Auflösung und gegebenenfalls eine Bremse beim Herunterladen, also dem Offline-Viewing von Inhalten."

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Statement von Netflix zur Corona-Drosselung

Am Donnerstag gab Netflix bekannt, dass der Streamingdienst die Datenmengen in seinem Video-Streamingdienst in Europa zunächst für 30 Tage selbstständig drosseln wird, um die Netze in der Coronavirus-Krise zu entlasten. Der Marktführer reagierte damit auf einen Aufruf von EU-Kommissar Thierry Breton. Die Netflix-Nutzer sollten trotzdem einen Dienst mit "guter Qualität" bekommen, versicherte die US-Firma. Nach Einschätzung des Unternehmens wird Netflix durch den Schritt 25 Prozent weniger Datenverkehr verursachen.

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de