Dieser Sommer war – und ist – anders als jeder andere Sommer: Spontan ins Freibad fahren? Abstandsregeln und Reservierungspflicht für Strände und Freibäder machten das fast überall in Deutschland unmöglich. Weil Clubs immer noch geschlossen sind, gilt für viele Städter*innen: Cornern bis die Polizei kommt. Beliebte Reiseziele waren dagegen zeitweise so leer, dass sie gespenstisch wirkten.

Schon mal am FKK-Strand eine Maske getragen oder als fast Einzige*r durch den Sicherheitscheck am Flughafen gegangen? Wegen der Corona-Krise war im Sommer 2020 vieles anders als sonst. Eine Auswahl von 7 Dingen, die irgendwie neu gewesen sind:

1. Venedig – so leer, wie nie

So haben die meisten Venezianer*innen ihre Stadt wohl noch nie erlebt: keine Motorboote, keine Gondolieri und kaum Touristen. Selbst auf dem sonst übervollen Markusplatz waren Selfies ohne Menschenmassen im Hintergrund möglich. Die braune Suppe in den Kanälen war verschwunden und erlaubte einen Blick auf die Flora und Fauna unter Wasser. Sogar eine Qualle wurde gesichtet!

Die Stadt, die immer wieder über Beschränkungen für die Touristen diskutiert, hat sich eine Verschnaufpause gegönnt – bevor es zurück zum Massentourismus geht?

2. Digitale Standampeln an Nord- und Ostsee

Um die im Sommer erwarteten Ströme von Urlaubern zu lenken, ließen sich die Orte an Nord- und Ostsee einiges einfallen: von Parkleitsystemen, Bodenaufklebern mit Abstandsregeln bis hin zu Einbahnstraßensystemen am Strand. Schleswig-Holstein setzte zur Unterbindung größerer Menschenansammlungen in der Lübecker Bucht auf digitale Lösungen und entwickelte eine Online-Strandampel. "Es ist ein Service für die Tagestouristen", sagte eine Sprecherin. Denn so vermeide man den Frust, morgens früh zum Beispiel in Hamburg loszufahren und dann doch nicht an den Strand zu dürfen.

Urlaub 2020: Strandkorb und Camping an der Oststee

3. Cornern ist auch außerhalb Berlins wieder chic

Mit dem Bierchen auf öffentlichen Plätzen, am Späti oder Kiosk chillen: Corona führte in vielen Städten zum Comeback des Cornerns. Egal ob an der Straßenecke beim Imbiss oder im Park – aufgrund geschlossener Clubs und Bars verlegten viele das Feiern nach draußen.

Corona-Cornern wurde zum Problem und rief aus Angst vor einer Virusverbreitung mehrmals die Polizei auf den Plan. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher zog sogar ein Alkoholverbot in Erwägung. "Die jungen Leute wollen dann da Bier trinken im öffentlichen Raum. Und wenn sie das nicht gekühlt irgendwo bekommen, dann funktioniert eben dieses Cornern nicht so, wie sie sich das vorstellen."

4. Leere Flughafen, kein Fluglärm

Geisterstimmung an deutschen Flughäfen, kein Fluglärm, kaum Passagiere und leere Schalter. Für die wenigen Menschen, die dennoch flogen, eine schöne Abwechslung: Keine Schlangen an den Toiletten, als Erster beim Sicherheitscheck und schnelles Boarding.

Für die Flughafenbetreiber bedeutete die Corona-Krise allerdings tiefrote Zahlen. In Frankfurt lag das Passagieraufkommen beispielsweise im zweiten Quartal rund 94 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Auch die Fluggesellschaft Lufthansa hat bislang über drei Milliarden Euro Verlust während der Pandemie gemeldet.

Symbolbild: Flugzeug

5. Mehr Platz im Becken und auf der Liegewiese: Schwimmbäder wollen ihre Einlasssysteme langfristig ändern

Auch Badegäste mussten sich in diesem Sommer an bestimmte Regeln halten. Der Vorteil: mehr Platz auf der Liegewiese und kein Gedränge am Beckenrand. Oft waren sogar Vorab-Reservierungen Pflicht, um die Zahl der Menschen zu begrenzen.

Ein mögliches Konzept für die Zeit nach Corona? "Das schaffen wir jetzt nicht mehr ab", sagte unter anderem der Geschäftsführer der Frankfurter Bäderbetriebe, Boris Zielinski. Und für die Gäste sei es auch von Vorteil, "wenn sie an heißen Sommertagen nicht mehr in immensen Warteschlangen an der Kasse stehen müssen".

6. FKK? Nackt ja, aber bitte mit Maske!

Mundschutz auch beim Nacktbaden: Ein FKK-Strand an einem Baggersee in Tschechien hat es in der Corona-Krise zu weltweiter Berühmtheit gebracht. Selbst der US-Nachrichtensender CNN berichtete über einen Aufruf der örtlichen Polizei an die Nacktbadenden, doch bitte einen Mundschutz zu tragen. Unter dem Motto "Nackter Körper: ja – unverhüllter Mund: nein" hatten die Ordnungshüter*innen ihren Appell ins Internet gestellt.

7. Der Sport der Stunde: Stand-up-Paddeln ist das beste Social Distancing

Egal ob in Flüssen, im Meer oder auf Seen – Stand-up-Paddler schienen spätestens diesen Sommer überall zu sein. Manche nahmen den Hund mit auf das Board oder den besten Kumpel, andere ließen sich gewappnet mit einem Stechpaddel alleine über die Wasseroberfläche treiben. Fest steht: Der Spaß auf den Brettern ist während der Corona-Krise zum Massenphänomen geworden. Auch der Deutsche Stand-up-Paddle-Verband berichtet von einem starken Anstieg der Buchungen und Verleihanfragen der Boards.

[Text: Zusammen mit dpa]

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  • Quelle:
  • Noizz.de