Warum die Kirche des Satans sowas von 2019 ist.

Schauspieler Christian Bale bedankt sich während seiner Golden-Globe-Rede bei Satan höchstpersönlich. Rapperin Cardi B einigt sich via Social-Media mit der Church of Satan auf einen anscheinend besonders teuflischen Penis. Sänger Marilyn Manson ist sowieso schon seit Ende der 70er geweihter Priester der satanistischen Kirche. Und Influencerin Suzie Grime folgt der religiösen Organisation auf Twitter.

Die Church of Satan ist zweifellos in der Pop-Kultur angekommen – und anscheinend relevanter denn je. Aber warum? Aus welchem Grund weht uns momentan so viel teuflischer Wind um die Ohren? Hat da jemand einen neuen Marketing-Dude engagiert oder passt die im Jahr 1966 gegründete Kirche einfach plötzlich in unseren Zeitgeist?

Opferrituale und Blut trinken: Vorurteile und was die Kirche eigentlich vertritt

Wenn wir an Satanisten denken, schießen uns Bilder von geopferten Katzen, blutverschmierten Frauen in Kutten und gruseligen Ritualen in der Dunkelheit eines entlegenen Friedhofs durch den Kopf. Tatsächlich bewegt sich die Realität der Church of Satan in viel otto-normaligeren Gefilden. Keine schwarze Magie, kein Satan, dem Verzweifelte ihre Seele zum Spottpreis andrehen wollen.

Auf der offiziellen Website der Kirche wird richtig gestellt: „Wir glauben nicht an Satan als ein Wesen oder eine Person. Satan ist für uns ein Symbol für Stolz, Freiheit und Individualismus und dient als eine metaphorische Projektion von außen.“ Im Klartext heißt das: Die Church of Satan vertritt einen atheistischen Standpunkt. Satan beschreibt für die Anhänger der Kirche ausschließlich eine Art Prototyp, mit dem sie sich identifizieren.

Der amtierende Hohepriester der Church of Satan, Peter H. Gilmore, geht in seinem Blogeintrag „Satanismus: Die gefürchtete Religion“ auf Rituale und schwarze Magie ein. Rituelle Magie würde praktiziert werden, allerdings nicht, um übernatürliche Wesen zu erreiche, sondern als Selbsttherapie.

Gegründet wurde die Church of Satan von Anton Szandor LaVey (†) Ende der 1960er in San Francisco. Sein erklärtes Ziel: Hedonismus und einen Gegenentwurf zu den meisten Weltreligionen zu etablieren. „Ich sage mich los von allen Konventionen, die mir nicht Erfolg und Zufriedenheit im Diesseits versprechen“, schreibt er in der 1969 erschienen satanischen Bibel. Die schreib er angeblich in der Walpurgisnacht, also der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Vermarkten konnte sich das Haus anscheinend schon immer gut.

In den neun satanistischen Grundsätzen heißt es unter anderem „Satan bedeutet Sinnesfreude anstatt Abstinenz“. Die christliche Todsünde „Wollust“ wird hier also ganz, ganz klein geschrieben.

Der Satanismus und sein Image des Schreckens

1993 ermorden drei Teenager ihren Mitschüler mit einem Elektrokabel, machen mit ihrer Tat als Satansmörder Schlagzeilen. Das Gericht geht abschließend davon aus, dass die ständige Beschäftigung mit satanistischem Gedankengut der Jugendlichen die Hemmschwelle während des Mordes herabsenkte. Die Teenies halten dagegen.

2001 tötet ein Satanisten-Paar aus Witten einen jungen Mann mit 66 Messerstichen. Der Teufel habe angeblich ein Menschenopfer gefordert. 2014 bringt eine 19-Jährige gemeinsam mit ihrem Ehemann einen Mann um. Satan habe es ihr befohlen.

Die Liste ist lang. Der Church of Satan ordnete sich allerdings keiner dieser Täter konkret zu. Ein abschreckendes Bild in der Öffentlichkeit erzeugten die Taten trotzdem – und werfen ein schlechtes Licht auf die Organisation aus San Francisco, die sich immer wieder von solchen Taten distanziert.

„Es war immer die Absicht der Church of Satan, die Menschen darüber zu unterrichten, was Satanismus wirklich ist sowie absichtlich verbreitete Fehlinformationen auszuräumen, was wir in den vergangen fünf Jahrzehnten auch erfolgreich getan haben“, erklärt Peter H. Gilmore in einem Interview mit dem „Black Magazin“.

LGBTQ-Freundlichkeit, Frauenrecht und Tierschutz? Deshalb passt die „Church of Satan“ in unsere Zeit

Die Church of Satan hält nicht nur wenig auf einen allmächtigen Schöpfer. Auch innerhalb der Organisation wird nicht auf einen Mann an der Spitze gesetzt. Die Leitung, der sogenannte „Order of the Trapezoid“, setzt sich aus zwei Hohepriestern zusammen, jeweils einem Mann und einer Frau. Im Vergleich mit anderen Religionen wie dem Katholizismus (Stichwort: Papst) und angesichts der #MeToo-Debatte zeigt sich die Kirche hier also gerade zu fortschrittlich.

In den FAQs ihrer Website macht die Kirche außerdem klar, wie sie zur LGBTQ-Community steht: „Wir akzeptieren uneingeschränkt alle Formen des menschlichen sexuellen Ausdrucks zwischen Erwachsenen.“ Die Church of Satan habe seit ihrem Gründungsjahr immer schwule, lesbische, bisexuelle und asexuelle Mitglieder aufgenommen. Das Thema werde bereits in der satanischen Bibel von Gründer LaVey im Kapitel „satanischer Sex“ behandelt.

In der satanischen Bibel steht außerdem geschrieben, dass der Mensch nicht auf einer höheren Stufe als das Tier steht. Laut Autor LaVey gilt der Mensch als gleichberechtigter Teil der Natur, weshalb Tiere genauso zu achten sind. LaVey geht noch einen Schritt weiter und schreibt: Tiere würden für ihn den wahren Satanisten verkörpern. Seine Begründung: Sie leben rein nach ihren Trieben, während der Mensch durch spirituelle und intellektuelle Entwicklung eingeschränkt wird.

Veganismus oder Vegetarismus sind deshalb trotzdem kein Teil der Weltanschauung der Kirche. Auf Twitter erklärte die Kirche im November 2018: „Veganismus (eine Diät) ist kein Satanismus (eine Religion), es gibt jedoch einige Satanisten, die Veganer sind, und einige Veganer, die Satanisten sind. Das eine ist keine Untermenge des anderen.“

Gleichberechtigung, Hedonismus, LGBTQ-Mitglieder, Tierfreundlichkeit, Suzie Grime und Christian Bale. Ein Potpourri, der sich eigentlich nach der nächstenbesten Hipster-Vereinigung aus Berlin-Mitte anhört. In Fact sprechen wir hier aber über die Church of Satan.

Fun-Fact: Der Hauptsitz der Church of Satan befindet sich mittlerweile in New York, Manhattan. Das Manhattaner Viertel, das sich die Organisation ausgesucht hat, passt wie die Faust aufs Auge: Hell's Kitchen, Midtown West.

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Quelle: Noizz.de