Im Cannabis-Club sollen Wiesbadener bald ganz legal anbauen und kiffen

Alexej Hock

Politik, Musik & Soziales
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In Wiesbaden könnte Cannabis bald auch von Privatpersonen angebaut werden. Hier ein Mann in Kalifornien mit einer Pflanze für medizinische Zwecke Foto: Matt Masin / dpa

Vorbild sind erfolgreiche Modell-Projekte in Barcelona und den USA.

Bald soll jeder erwachsene Wiesbadener legal kiffen dürfen – wenn er dem „Cannabis Social Club“ beitritt. Die Fraktion LINKE&PIRATEN (L&P) hat am Donnerstag einen entsprechenden Antrag in das Stadtparlament eingebracht. Wenn der Antrag durchgeht, wäre Wiesbaden bundesweit die erste Stadt mit einem solchen Club, der Cannabis-Konsum erlaubt.

Ingo von Seemen von den Linken ist sozialpolitischer Sprecher der Fraktion und erklärte gegenüber NOIZZ, was es mit dem Antrag auf sich hat. Demnach gehe es nicht darum, Drogen zu verharmlosen oder gar zu verbreiten.

Vielmehr sei der Club eine mögliche Lösung „für aktuelle Fehlentwicklungen“ in der Drogenpolitik. Cannabis sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, Herstellung und Vertrieb jedoch „weiterhin kriminellen Strukturen überlassen“ und teuer.

Das Modell-Projekt „Cannabis Social Club“ dagegen werde wissenschaftlich begleitet. Die Landeshauptstadt Wiesbaden soll laut dem Antrag, den die Website „sensor“ veröffentlichte, für einen „ordnungsgemäßen Betrieb“ sorgen und Sicherheit und Qualität kontrollieren.

Unter anderem soll eine Stelle für Sucht- und Drogenprävention geschaffen werden. „So erkennen wir auch, wenn es problematischen Konsum gibt“, sagt von Seemen.

Konkret soll der Club so funktionieren: Jeder Mensch über 18 Jahren, der seinen Wohnsitz in Wiesbaden hat, kann eintreten. Für die Anmeldung muss man den Personalausweis hinterlegen. So kann der Konsum beobachtet werden.

Das Konzept sieht vor, dass jedes Mitglied „höchstens ein Gramm pro Tag“ erhalte. Anbau, Ernte und Weiterverarbeitung erfolge durch die Mitglieder.

Es gebe noch eine andere Lösung für den Anbau, erklärt von Seemen: „Unser Vorschlag sieht vor, dass die Mitglieder selbst das Cannabis anbauen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, dass die Stadt anbaut. Diese besitzt einen Biohof, der sich dafür eignen könne.“

Das sind Details, die nun von der Verwaltung geklärt werden müssen. „Die nächsten Schritte sind, dass der Magistrat, also die Verwaltung, ein Konzept erstellt“, sagte von Seemen. Es gebe ja noch einige Fragen zu klären, etwa wo sich der Club befinden soll, wie die Anmeldeprozedur aussehen soll, ob es eine Mitgliederbegrenzung gibt und wie hoch die THC-Gehalte sein dürfen.

Dass erst neulich bekannt wurde, dass 63 Prozent der Deutschen gegen eine Legalisierung von Cannabis sind (NOIZZ berichtete), bekümmert von Seemen nicht. „Wir hatten das im Wahlprogramm schon lange stehen. Wir richten uns nach der Überzeugung, nicht nach Umfragen.“

Als Vorbild dienen den Politikern die zahlreichen Cannabis-Clubs in Barcelona, bei denen man gegen einen Mitgliedsausweis zu dem eigens angebauten Gras kommt. Auch in Kalifornien seien solche Modell-Projekte erfolgreich gewesen.

Nun folgt also der erste deutsche „Cannabis Social Club“ – mit möglichen Stimmen von den Grünen und FDP. Laut von Seemen hätten die Stadtratsfraktionen Bereitschaft signalisiert.

„Die SPD ist die große Unbekannte“, sagt Seemen. Und schätzt seine Chancen als hoch ein, dass diese als Zündlein an der Waage für grünes Licht sorgen.

Wird Wiesbaden damit Wahlheimat für passionierte Kiffer? Von Seemen wiegelt ab. Ein Zuzug von Menschen sei nicht die Intention des Antrages. Er sagt: „Wenn die Stadt dadurch jedoch für Leute attraktiv wird, sie deswegen zuziehen, haben wir da nichts dagegen.“

Quelle: Noizz.de

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