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Zeina Nassar: „Egal, was andere denken – ich kämpfe meinen Weg“

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Zeina Nassar hat einen unvergleichlichen Box-Stil – und das liegt nicht in erster Linie an ihrem Sport-Hijab

In seiner neuesten „Just Do It“-Kampagne stellt Nike Ausnahmeathletinnen vor, die mit ihren Spitzenleistungen dafür sorgen, dass ihre Sportarten von einer breiten Öffentlichkeit mit anderen Augen wahrgenommen werden. Eine davon ist die Berlinerin Zeina Nassar (21).

Seit ihrem dreizehnten Lebensjahr kämpft die gläubige Muslima mit libanesischen Wurzeln im Boxring – und dafür, dass Frauen mit Kopftuch endlich auch bei internationalen Wettkämpfen antreten dürfen.

Wir haben die aktuelle Deutsche Meisterin im Federgewicht getroffen und mit ihr über ihre Passion für den Boxsport gesprochen und wie es sich anfühlt, eine Vorbildfunktion für Kinder und Erwachsene zu erfüllen.

Frage: Zeina, du kämpfst schon immer für deine Träume, egal, was dir im Weg steht. Was ist der Traum, für den du zurzeit kämpfst?

Zeina Nassar: „Mein allergrößter Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Dafür kämpfe und trainiere ich sehr hart. Allerdings müssten dafür erst mal die Wettkampfbestimmung geändert werden, damit ich international kämpfen darf. Das heißt: Es muss Frauen international erlaubt werden, mit Kopftuch zu kämpfen.“

Was gibt dir Kraft weiterzukämpfen, trotz Widerständen? 

Zeina: „Meine Ziele, die ich mir gesetzt habe. Zudem frage ich mich auch jedes Mal, wenn ich nicht mehr kann, warum ich das eigentlich mache, und dann fällt mir wieder auf, dass ich es liebe und dass ich dafür doch alles tun muss! Außerdem bin ich ich jetzt noch jung, jetzt kann ich das noch. Jetzt bin ich Leistungssportlerin – das versuche ich sinnvoll zu nutzen.“

Vor gut einem Jahr hat Nike das erste Sportkopftuch für muslimische Frauen vorgestellt: das Nike Pro Hijab. Du hast es in Deutschland bekannt gemacht. Wie haben deine Gegner und das Publikum reagiert, als du ihnen zum ersten Mal mit Kopftuch gegenübergestanden hast?

Zeina: „Ich habe tatsächlich nur gutes bzw. überwiegend gutes Feedback bekommen – auch von Leuten, die kein Kopftuch tragen. Meine allererste Gegnerin ist nach dem Kampf zu mir gekommen und meinte, dass mein Box-Stil richtig interessant ist. Sie hat mich auch auf das Kopftuch angesprochen und meinte, dass sie es so toll findet, dass ich mit Kopftuch boxe und meiner Religion treu bleibe.

Bei den Deutschen Meisterschaften 2018 war es auch so, dass eine Gegnerin auf mich zugekommen ist und meinte: ‚Krass, ich trage auch ein Kopftuch, darf aber nicht damit boxen. Wie machst du das denn?‘ Ich habe ihr dann erklärt: Nee, du darfst. In Deutschland wurde das für mich geändert, seitdem dürfen alle so kämpfen.“

Zeina möchte nicht auf ihr Äußeres reduziert werden

Als du die Deutsche Meisterschaft im Federgewicht gewonnen hast, hat das „besorgte“ Bürger und Islam-Erklärer aufgebracht. Wie schaffst du es, mit solch einem Hass umzugehen? 

Zeina: „Mittlerweile kann ich ziemlich gut mit öffentlichem Druck umgehen. Mir ist relativ egal, was andere über mich denken – oder über meine Sportart. Ich sehe das als Motivation und denke mir: Ich zeig’s dir erst recht! Es juckt mich echt total gar nicht, was du da gerade schreibst!

Aber mich stört es, wenn ich weiß, dass andere wegen so was das Selbstbewusstsein verlieren – oder anfangen zu zweifeln. Es ist völlig egal, was andere über dich denken, solange du zufrieden bist. Dann kannst du auch alles erreichen!“

Wie sehr nervt es dich eigentlich, dass immer alle über dein Kopftuch sprechen anstatt über deine Box-Skills? 

Zeina: „Meine sportliche Leistung soll im Vordergrund stehen. Es ist mir wichtig, dass ich nicht auf das Kopftuch reduziert werde. Letztendlich ist wichtig, was du IM Kopf hast und nicht was du auf dem Kopf trägst. Diese Message sollte im Vordergrund stehen und nicht, welches Tuch ich wie trage!“

Ihr Box-Stil? Unorthodox und effektiv

Ok, dann unterhalten wir uns über deinen Box-Stil. Dein Trainer Kay Huste sagt, du kämpfst unorthodox. Kannst du das einmal ausführen? 

Zeina: „Ja, das ist tatsächlich wahr. Meine erste Trainerin hat immer gesagt: ‚Zeina, mach die Deckung hoch, mach die Deckung hoch.‘ Ich habe immer gedacht, dass es ein Fehler ist, dass ich die Deckung nicht hochnehmen kann wie diese Standard-Boxer. Irgendwann habe ich gemerkt, ich kann nur eine Hand hochnehmen und die andere Hand unten lassen.

Ich habe gemerkt, dass ich so einfach schneller bin. Dass ich nicht so wie andere Boxer boxe, sondern dass ich mit der Gegnerin spiele. Das provoziert sie total und ich versuche, dass sie mein Spiel spielt und nicht andersrum – dass ich sie aus dem Rhythmus bekomme und ich ihre Schwächen und Stärken rausbekomme – und so gewinne. Das ist viel mehr Kopfsache oder mentale Stärke als einfach nur Kraft. Für mich ist ein Boxwettkampf zu 70 Prozent Kopfsache und zu 30 Prozent Kraft.

Ich bin sehr stark darin, meine Emotionen unter Kontrolle zu haben. Viele Gegner stört es total, wenn sie gerade nicht vorankommen; ich bleibe einfach voll entspannt und versuche, den Kampf oder die Runden zu steuern.“

Nächster Stopp Olympische Spiele: Die Berlinerin trainiert hart und hofft, dass die Regeln geändert werden und Frauen mit Kopftuch antreten dürfen

Du hast einmal gesagt, Muhammad Ali sei dein Vorbild. Er hat auch unorthodox gekämpft. Und auch er war Moslem. Gibt es weitere Gemeinsamkeiten? Was bewunderst du an ihm? 

Zeina: „Seine Stärke, wie hart er gekämpft hat und auch, dass er für ganz viele Sachen einsteht. Nicht nur für Sport – vor allem auch für die Religion, dass er auch da gekämpft hat, auch wenn es nicht einfach war. Er zeigt mir, dass einfach alles möglich ist. Dass es wirklich völlig egal ist, woher du kommst, wie du aussiehst, welche Religion du hast oder welche Sprache du sprichst. Das bewundere ich einfach total – auch, dass er so menschlich war, so bodenständig und intelligent. Das kennt man ja nicht so. Die erste Assoziation ist ja nicht: ‚Ach ja, die Boxer, das sind intelligente Leute.‘ Viele denken, es geht nur ums Prügeln, doch bei ihm war es eine ganz große Geschichte. Für mich ist er eine Legende!“

Für Nike hast du auch schon zusammen mit Basketball-Star LeBron James vor der Kamera gestanden. Hattet ihr Zeit, euch auszutauschen?

Zeina: „Wir haben tatsächlich erst mal Basketball gespielt, und das war so verdammt cool! Es war wirklich sehr inspirierend, ihn kennenzulernen. Wir hatten einen tollen Kontakt und haben viel gelacht. Am Ende wollte ich ein bisschen mit ihm Boxen und er hat angefangen zu schreien und ist zurückgewichen – es war wirklich lustig und unterhaltsam. Außerdem hat er eine krasse Ausstrahlung – das hat mich inspiriert dranzubleiben. Das war ein Moment, den ich wirklich nie vergessen werde!“

LeBron James mischt sich immer wieder politisch ein, engagiert sich für die Rechte der Schwarzen, liefert sich Twitter-Beefs mit Trump. Mischst du dich auch politisch ein? Welche Rolle spielt dein Instagram-Kanal (20.000 Follower) dabei?

Zeina: „Ich bin tatsächlich sehr aktiv auf Instagram und ich versuche, viel zu teilen, was ich interessant finde – bei mir ist das der Sport. Ich habe diesen Account nicht um andere zu motivieren oder zu ermutigen, sondern weil ich für meinen Sport einstehe und meine Erfahrungen teile. Es ist nicht mein bewusstes Ziel, etwas in der Gesellschaft zu verändern oder andere zu motivieren. Natürlich stärkt mich das, wenn ich Nachrichten bekomme und sehe, dass ich ein Vorbild bin oder sie Tipps von mir haben wollen. Wem es gefällt, super. Wem es nicht gefällt, soll mir einfach nicht folgen …“

Fame ist schön, aber der Sport steht im Mittelpunkt

Welcher Gedanke kommt dir in den Sinn, wenn du den Begriff Heimat hörst?

Zeina: „Ich bin in Berlin geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen und fühle mich hier auch total zu Hause – aber gleichzeitig auch im Libanon, weil ich da auch noch eine große Familie habe. Ich könnte dort allerdings nicht leben, weil ich einfach hier aufgewachsen bin und mir alles aufgebaut habe.“

Hat es Vor- oder Nachteile, sich mit zwei Ländern zu identifizieren?

Zeina: Ich finde es total spannend zu wissen, dass ich hier geboren bin, aber gleichzeitig auch Arabisch spreche und im Libanon genauso willkommen bin. Dort werde ich manchmal wie ein kleiner Star behandelt, weil ich einmal in einer TV-Show war – die schauen wirklich alle im Libanon. Ich werde ständig angesprochen: ‚Ey, du bist doch die Boxerin aus Deutschland, und du kämpfst für unser Land.‘ Es freut mich, dass ich sowohl hier als auch dort akzeptiert werde.“

Zeina reist so oft wie möglich in den Libanon. Ihre Heimat ist aber Berlin – der Ort, an dem sie an ihrer Karriere schraubt

Quelle: Advertorial

Gesponserter Artikel von Nike