Das war der teuerste Sex meines Lebens - trotzdem bereue ich nichts!

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer am Strand

Ich schwelge unfassbar gerne in Erinnerungen. Unter meinem Bett steht eine Kiste mit Dingen, die mich an verschiedene Situationen erinnern. Da ist zum Beispiel eine zerrissene Strumpfhose drin, Konzertkarten, eine Rolle Klopapier, Knicklichter und eine ungeöffnete Flasche Bier. Ich versuche, Momente immer festzuhalten, damit ich mich möglichst lange an sie erinnern kann. Deshalb habe ich auch mehr als 23.000 Fotos auf meinem Handy ... okay, besser gesagt: HATTE ich! Denn blöderweise ist mir mein heiß geliebtes Handy vor ein paar Wochen abhanden gekommen.

"Wie ist das mit deinem Telefon eigentlich passiert?", wollte eine Freundin letztens von mir wissen, der ich zuvor etwas wehmütig mein neues Smartphone präsentiert hatte.

"Wurde auf Malle geklaut", sagte ich, seufzte, konnte mir ein leichtes Grinsen aber nicht verkneifen. Kleiner Fakt über mich: Ich liebe Mallorca. Jetzt mal ganz ehrlich ... Wenn eine Sexkolumnisten zum Ballermann fährt, dann bekommt der Name noch mal eine ganz andere Bedeutung.  

"Am Strand oder im Club?", sie zog eine Augenbraue hoch, wahrscheinlich wusste sie schon, dass da noch eine pikante Geschichte auf sie wartete.

„Na ja … nachts am Strand ... beim Sternegucken."

Ihr Blick sagte mehr als tausend Worte.

"Okay … Vielleicht haben wir keine Sterne geguckt ...", jetzt musste ich noch breiter grinsen.

"Du hast dir beim Sex dein Telefon klauen lassen?"

Ich lachte und klimperte vielversprechend mit den Wimpern. Inzwischen habe ich den Verlust meines roten iPhones langsam verkraftet. In dem Moment fühlte es sich allerdings an, als ob meine kleine Welt einfach in sich zusammengestürzt war.

Aber der Reihe nach …

Ich habe euch in einer meiner letzten Kolumnen ja schon von Johnny erzählt. Ich hatte ihn während einem meiner zahlreichen Partytrips ins 17. Bundesland kennengelernt. Jedes Mal, wenn ich am Flughafen von Palma lande, geht die Sonne in meinem Herzen und zwischen meinen Beinen auf – das ist wie Karneval bei 30 Grad und am Meer! Kurz: Mein ganz persönlicher Happy Place. Als ich Johnny nur wenige Meter vor mir am Strand liegen sah, wurde mein Glücksort zum Himmel auf Erden. Groß, muskulös, Tattoos, ein bisschen assi, dunkle Haare und im gelben Bierkönigshirt ­– meine Vagina veranstaltete bei seinem Anblick einen Freudentanz.

Es dauerte zwar etwas, bis wir ins Gespräch kamen, aber als er mich dann endlich angesprochen hatte, war mir sofort klar, wie dieser Abend enden würde. Spoiler: Ich hatte ja keine Ahnung, was da noch auf mich zurollte.

Wir quatschten, lachten, tranken und tanzten. Inzwischen war es dunkel, und wir waren vom Strand in einen der Läden umgezogen. Seine Hand wanderte nun schon zum wiederholten Male auf meine Hüfte, gleich seine ersten Berührungen hatten wie ein kleines Zuhause angefühlt. Ich wanderten über seinen Körper und fuhr unauffällig Richtung Schritt, während ich an einem Meterstrohhalm nuckelte und Jacky-Cola trank.

Zwischen uns schwebten beschwipste rosa Herzchen durch die Luft – seine unauffälligen Berührungen unterm Tisch ließen meine Hormone brodeln. Dass die anderen Gäste des Lokals längst gecheckt hatten, was zwischen uns lief und meine Hand längst dabei war, seinen Schwanz durch die Hose abzuchecken, interessierte mich nicht. Es kickte nur noch mehr.

Alkohol und Adrenalin ließen meine Vagina brennen

Auch als wir die Location wechselten und uns ins Getümmel aus Betrunkenen, Junggesellenabschieden und Fußballmannschaften schmissen, ließ ich seinen Schwanz … äh, ich meine natürlich seine Hand … nicht mehr los. Während um uns herum alle zur Bühne guckten, hatten wir nur Augen füreinander. Seine Hände wanderten über meinen Körper, seine Lippen hinterließen ein Kribbeln in meine Halsbeuge.

Dieses ganze Spielchen ging etwa zwei Stunden – ein ewiglanges Vorspiel. Inzwischen stand meine Vagina in Flammen: Ich wollte diesen Typen, dessen Penis ich jetzt schon sehr deutlich durch die Hose fühlen konnte, und zwar AUF DER STELLE!

Ich griff nach seiner Hand und zog ihn mit mir: Jetzt kickten Alkohol, Adrenalin und Aufregung durch unsere Körper, vom Weg bis zum Strand waren wir wie paralysiert. Unter einem Sonnenschirm hinter ein paar weißen Sonnenliegen konnten wir nicht mehr an uns halten. Ich schubste ihn in den Sand, setzte mich auf seinen Schoß und drückte ihm meine Lippen auf seine. Wir verfielen in einen Kuss, der auf der Zunge prickelte, wie die Sonne tagsüber auf unserer Haut.

"Du bist einfach der Wahnsinn ...", flüsterte er mir entgegen, während ich mich voller Vorfreude an seinem Gürtel zu schaffen machte. Der Dämon zwischen meinen Beinen war erwacht und hatte jetzt die Kontrolle über meinen Verstand übernommen.

"Julie ... da sind Leute neben uns ...", seufzte er, als ich kurz davor war zwischen seine Beine abzutauchen.

Ich fing an, zu kichern, und setzte mich noch einmal auf seinen Schoß, legte einen Finger liebevoll auf seine Wange und grinste. "Niedlich, der Kleine hat Schiss, dass uns jemand beobachtet", dachte ich mir in meinem leicht angesäuselten, völlig sorgenfreien Zustand. "Na und? Entspann dich einfach ... Sollen die uns doch zugucken", grinste ich, bevor ich noch einen Kuss auf seinen Lippen platzierte und ihn somit endgültig ruhig gestellt hatte.

Während ich zwischen seinen Beinen kniete, rauschte das Meer im Hintergrund. Von etwas weiter weg hörte man laute Musik und ausgelassenes Lachen, die Meeresbrise umspielte unsere Körper, trotzdem waren es meine Lippen an seinem Penis, die bei ihm eine Gänsehaut hinterließen. "Ich will dich ... JETZT", hauchte ich ihm entgegen und kramte in meiner Tasche nach einem Kondom.

Über uns glitzerten die Sterne am Himmel, in meinen Augen die Geilheit. Er grinste, als er sich das Kondom überrollte und sich dann langsam auf mich drehte. Der Alkohol, die Endorphine und das Adrenalin vermischten sich in meinem Körper zu einem Glückscocktail – ich flog geradewegs Richtung Wolke Sieben.

"Du bist so geil", sagte ich mit kratziger Stimme ... besoffener Dirty Talk at its best. Er lächelte, drückte mir einen weiteren Kuss auf den Hals, was mich etwas übermütig werden ließ. Ich rollte mich auf ihn und krabbelte noch mal zwischen seine Beine, weil ich es wie immer nicht sein lassen konnte, ihm noch mal zu beweisen, dass ich die Blowjob-Queen des Jahrhunderts bin. Keine gute Idee, merkte ich später. Denn wie das an einem Strand eben ist – der Sand war ÜBERALL. Selbst Tage später konnte ich die feinen Körnchen immer noch in allen möglichen und unmöglichen Körperöffnungen knirschen hören. Kurz: Wir brauchten ein neues Kondom.

Ich taste im dunklen Sand nach meiner Tasche

Rechts, links, noch mal rechts, nochmal links. FUCK!

"Meine Tasche ist weg!", sagte ich. Die Erkenntnis kam so hart wie ein Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf. Gerade war ich noch trunken vor Glück (okay, und vom vielen Alkohol), jetzt fühlte ich mich von der einen auf die andere Sekunde wieder nüchtern.

"Das ist doch jetzt ein Scherz, oder?", fragte er mich mit großen Augen und richtete sich ebenfalls auf.

"Ohne Scheiß, die war hier gerade doch noch!" Auch wenn sich unsere kleine Nummer ziemlich ausgiebig angefühlt hatte, waren vielleicht gerade mal ein paar Minuten vergangen. Ich hatte doch nur ganz kurz die Augen geschlossen, kurz die Glücksgefühle genossen ... DAS KONNTE NICHT WAHR SEIN!

"Bist du dir sicher, dass du sie hier hattest?", fragte er und tastete in seiner Hosentasche nach seinem Portemonnaie und Handy. Alles da. Ich verfiel in Panik, denn in meiner Tasche befand sich mein gesamtes Leben: alle Erinnerungen an meine Jugend, all meine Telefonnummern (auch die von fucking Ex- ... oder aktuellen Lovern), 23.000 Bilder und Videos von den schönsten und schrecklichsten Tagen! Na ja, und auch noch ein Chanel-Lippenstift, etwas Geld und mein Personalausweis. FUCK!

"... und ich hab noch gesagt: Pass auf, da sind Leute neben uns..."

"Ich dachte, du meinst die andern, die neben uns gefickt haben!", keifte ich wenig liebevoll.

An diesem Punkt war die Stimmung ganz kurz davor, zu kippen. Das war für mich gerade eine absolute emotionale Ausnahmesituation: Ich war fertig mit den Nerven. Das Beeindruckende an Johnny war allerdings, und das rechne ich ihm wirklich hoch an, dass er nicht nur einen kühlen Kopf bewahrte, sondern dazu auch noch äußerst liebevoll mit mir umging: "Hey, komm erst mal her", sagte er jetzt, zog mich in seine Arme und strich fürsorglich über meinen Rücken. Das versöhnte mich wieder, sorgte aber auch dafür, dass ich anfing zu heulen, weil ich realisierte, dass mir mein scheiß ganzes Leben geklaut worden war.

"Was machen wir jetzt?", fragte er mich. Ich ließ mich in den Sand plumpsen von der sexy Aufreißerin zum trotzigen Kleinkind innerhalb von vier Sekunden – Bravo, Julie!

"Das kann doch nicht wahr sein ... keine Ahnung ... heulen ... Das ist das SCHLIMMSTE, was mir passieren kann!", sagte ich jetzt und heulte noch kurz eine Runde weiter. Johnny suchte währenddessen den ganzen Bereich um uns herum noch mal akribisch ab: Aber nichts. Die Tasche war weg.

Tja, da saßen wir also, auf der immer noch von der Sonne aufgeheizten Mauer, und ich dachte nur: "Scheiße, wie kann sich das beste One-Night-Stand aller Zeiten innerhalb von wenigen Sekunden in so eine riesige Katastrophe verwandeln?" Johnny hatte sich hinter mich gesetzt und seine Arme um mich gelegt, ich lehnte mich an seine Brust und seufzte: "Was für eine verdammte Scheiße!"

"Das tut mir wirklich leid", sagte er und hauchte mir einen süßen Kuss in den Nacken.

Ich stand auf: Vorbei war die Partynacht, vorbei war die aufgeheizte Stimmung zwischen uns, vorbei war mein Leben – Julie ohne Handy, das ist wie Malle ohne Alkohol. Ich wollte nur noch nach Hause, also stolperten wir Arm in Arm an der Playa entlang Richtung Hotel. Johnny blieb bei mir und ertrug meine Schimpf- und Heulanfälle, wie ich es selten bei einem Typen erlebt hatte.

Mein Leben war zerstört, aber meine Vagina gab nicht auf

Er war wirklich ein toller Mann, schade, dass ich ihn ausgerechnet auf Malle Kennenlernen musste … denn was auf Malle passiert, bleibt auf Malle (Spoiler: Außer mein Telefon, das befindet sich inzwischen laut Apple in Gambia). Dass ich meinen Glauben an die Männerwelt anscheinend doch noch nicht aufgeben musste, ließ mich kurz vergessen, wie unfassbar beschissen diese Situation eigentlich war. Ich blieb stehen und griff nach seinen Händen.

Mein Leben war jetzt eh schon vorbei, warum also nicht wenigstens mit einem richtig lauten Knall? "Scheiß drauf, lass uns zu Ende bringen, was wir angefangen haben", seufzte ich und drückte ihm meine Lippen auf seine. Ich weiß nicht ob es am Alkohol lag, an der Meeresbrise oder an ihm, aber plötzlich war die Lust wieder da. Er drückte mich gegen eine Hauswand und fuhr mit seinen Händen unter mein Top, meine Finger wanderten wieder zu seinem Gürtel. Seine Berührungen spendeten mir genau den Trost, den ich jetzt gebrauchen konnte.

"Ich habe noch nie so eine Frau wie dich getroffen", sagte er zwischen zwei Küssen, ehe ich ihn erneut Richtung Strand zog.

Diesmal landeten wir nicht im Sand, sondern auf einem der Bademeisterhochsitze. Wieder Küsse, wieder streifte wir einander die Kleider vom Leib, wieder dieses Kribbeln zwischen den Beinen. Während er mich von hinten nahm, beobachtete ich den Sternenhimmel, die blinkenden Lichter der Playa und dachte mir nur: "Scheiße, ich liebe diesen Ort!"

Und die Moral von der Geschicht?

... am Strand vögeln, sollte man nicht. Meine Freundin bekam sich vor Lachen nicht mehr ein, als ich ihr die Fotos vom Tag danach zeigte: Julie in Russenhocke vor der Polizeiwache, Julie heulend am Strand, Julie mit Bierkönigshirt beim deutschen Konsulat in Palma.

"Ich glaube, jetzt ist Malle für dich gegessen, oder?", fragte sie.

Ich riss meine Augen auf: "Spinnst du? Der nächste Flug ist schon gebucht! Das war definitiv der teuerste Fick meines Lebens, aber ich bereue nichts!" 

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Quelle: Noizz.de