Ist das das Berghain für Babys?

Es gibt viele Assoziationen, die mir in den Kopf kommen, wenn ich an Raves denke: dunkle Floors, lauter Techno mit durchdringendem Bass, verschwitzte Menschen, die ekstatisch tanzen und nicht selten unter dem Einfluss illegaler Substanzen stehen. Woran ich definitiv nicht denke, sind dagegen: Babys. Die haben in meiner Welt ungefähr so viel mit Rave-Culture zu tun wie das Berghain mit dem Oktoberfest.

Vielleicht ist das aber eines der Dinge, die man erst versteht, wenn man selbst Elternteil wird. Das wird einem als kinderloser Mensch vom kindergeplagten Pendant ja gerne bei allem, was ansatzweise kritisch zu den Nachkömmlingen geäußert wird, entgegengeworfen. In Oakland, Kalifornien zumindest scheint man meine Meinung schon einmal nicht zu teilen. Dort schickt das amerikanische Pendant zu den Prenzlauer-Berg-Helikoptereltern den Nachwuchs jetzt nämlich ins Baby-Berghain.

Wenn Emma und Charlie für Kindernamen stehen

Wer sich auf einem dieser Raves verirrt, sollte wissen: Wenn nach Emma oder Charlie gefragt wird, dann ist im Gegensatz zu richtigen Raves ein Kind gemeint. Aber was sagen Emma und Charlie selbst eigentlich dazu? Leiden sie unter dem zwanghaften Versuch ihrer Eltern, cool zu sein, oder freuen sie sich über das frühzeitige Training für die Clubtüren dieser Welt? Leider konnte ich weder Emma noch Charlie für ein Interview gewinnen, aus meiner persönlichen Erfahrung mit der Begeisterungsfähigkeit von Babys würde ich aber schätzen, dass die Kids das alles ziemlich geil finden.

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Auf der Party – Achtung, Höchstalter 4 Jahre! – dürfen die Kleinen nämlich zu echten DJs im Neonlicht tanzen, angespornt von den stolzen Helikopter-Eltern auf der Seite. Danach gibt's erst einmal ein Fläschchen von Mama – denn ihr wisst: Beim Raven trinken nicht vergessen! –, bevor die Babys ins tanzinduzierte Koma fallen. Aha, gar nicht so dumm: Dem Partner-Yoga-Kurs steht so außer der Parkplatzsuche für den Familienkombi (wahrscheinlich ein Tesla) nichts mehr im Weg.

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Baby Raves als Alternative zum Leistungsdruck?

Die monatlichen Baby-Raves des Bay Area Children’s Theatre in Oakland sind seit Beginn der "Partyreihe" im Jahr 2016 jedes Mal innerhalb von Minuten ausverkauft. Wie die "Los Angeles Times" berichtet, liegt das wohl nicht nur daran, dass die hippen Cali-Eltern ihre Jugend nicht los lassen wollen: In der San Francisco Bay Area wird das Freizeitangebot zunehmend von der Kultur des Silicon Valley beeinflusst.

Statt Buchvorlesungen für Kleinkinder werden in den lokalen Bibliotheken Malkurse für Erwachsene und Workshops für Mieterrechte angeboten. Frisch gebackene Eltern finden kaum traditionelle Spielgruppen für Kinder, stattdessen Säuglingssprachkurse und postpartale Bootcamps. Raves als Alternative zu übertriebenem Leistungsdruck also? Aus diesem Blickwinkel finde ich das Baby-Berghain gar nicht mehr so schlecht.

Aber was weiß ich schon. Ich werde es wohl erst ganz verstehen, wenn ich selbst einmal Kinder habe.

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  • Quelle:
  • Noizz.de