500 Muttermale: „Auf der Straße rufen sie mir Dalmatiner zu und bellen!”

Dorothea Schmitz

Hamburger Biertrinkerin
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Mutige Alba Parejo (16) gibt Kontra – mit nackter Haut!

Mit 12 Jahren merkte die Spanierin Alba Parejo zum ersten Mal, dass Fremde sie als „nicht normal” ansahen. Auf der Straße wurde sie angeglotzt und sogar beschimpft: „Fremde Leute riefen mir ,Dalmatiner' zu und bellten dann in meine Richtung. Oder sie beschimpften mich als Alien”, sagt Alba im NOIZZ-Interview.

Die Mobbing-Attacken wurden immer schlimmer. Alba sagte nichts, wenn sie auf der Straße beleidigt wurde. „Aber nachts weinte ich und wünschte mir, ich hätte eine andere Haut! Ich war in der Pubertät. Das war besonders schwer, weil da doch jeder einfach nur hübsch sein möchte!”

Alba leidet an Konnataler Nävuszellnävus, einer Pigmentstörung, bei der Betroffene mit vielen und großen Muttermalen geboren werden. „Meine Hautärztin hat sie mal für eine Studie gezählt. Es sind so um die 500 Stück.

Ein großer erstreckt sich sogar über ihre Hüfte, ihren Po, Bauch und Oberschenkel.

Vor einem Jahr – Alba war zu der Zeit 15 Jahre alt – findet sie die Kraft, offensiv gegen die Hänselein anzugehen. Sie fasst den Entschluss, ihren Körper öffentlich zu zeigen. „Bis dahin habe ich ihn versteckt und ich hätte nie gedacht, mal meinen Rücken, meinen Po oder meine Beine zu zeigen!

Sie postet Bilder von ihrem nackten Körper. „Sad Stracciatella” nennt sie sich auf Twitter und Instagram und zeigt der Welt dort ihre Muttermale. „Ein Freund schrieb mir irgendwann, er würde mich malen wollen. Da bekam ich dann ein Bild von einer Kugel Stracciatella. Das ‘Sad‘ also traurig, ist ein Scherz unter meinen Freunden. Weil auf den Social-Media-Plattformen alle immer sehr traurig sind. Der Name ist also ein Witz.”

Schnell verbreiten sich Albas Bilder und ein Modehaus engagierte Alba sogar für seine Webekampagne.

Alba selbst meldet sich bei einer Künsterlin, die Menschen sucht, die sich bemalen lassen wollen. Auch die Künstlerin ist von Albas Selbstbewusstein und Botschaft begeistert und bemalt die Schülerin. „Ich bin dann nur in Unterhose und den vielen gemalten Augen auf meinem Körper durch Barcelona gelaufen”, erzählt Alba NOIZZ.

So therapiert die Schülerin sich selbst und verliert ihre Angst vor den Reaktionen auf ihren Körper. Aber auch anderen hilft sie. Betroffene schreiben Alba und wollen mit ihr sprechen: „Ich habe bestimmt mit 20 Menschen mit derselben Erkrankung Kontakt.”

Aber die Spanierin richtet sich natürlich auch an alle, die weder krank sind noch andere mobben: „Ich möchte die Menschen generell sensibilisieren – für die Krankheit. Aber auch dafür, dass wir uns unseren Körper und die physischen Gegebenheiten nicht aussuchen. Man muss keine 90-60-90-Maße haben, um glücklich zu sein.”

Angefeindet wird die Schülerin trotzdem noch: „Erst neulich, genau ein Jahr, nachdem ich das erste Foto meines Körpers auf Twitter hochlud, schrie mir ein Mann auf der Straße in New York ‘Dalmatiner‘ entgegen. Naürlich tat es immer noch weh, aber nicht mehr so schlimm wie früher.”

Alba zeigt ihren Körper mittlerweile gern und modelt ab und zu. „Zu modeln ist mein Hobby, aber kein Beruf für später, von dem ich leben könnte. Nach der Schule möchte ich etwas studieren, wo ich viele Leute kennenlerne und viel reise. Vielleicht soziale Arbeit oder internationale Beziehungen.”

Für ihre Message wird die Schülerin aber immer einstehen: Toleranz und Akzeptanz für die Krankheit und Liebe zum eigenen Körper. „So wie Winnie Harlow dafür sorgte, dass fast jeder die Hautkrankehit Vitiligo kennt und zeigt”, sagt Alba.

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Dalmatiner Mobbing Spanierin Spanie Muttermal Leberfleck
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