„Beherzt griff ich in die Toilette, war wild entschlossen, meinen Schatz zu retten.“

Obwohl Handys Termin-Verwalter, Gedächtnis-Hilfe und Fotobuch zugleich sind – früher oder später landen alle unsere Geräte bei irgendeinem Techniker auf dem Tresen, den wir dann mit flehenden Augen bitten, unser heiß geliebtes Teil wieder zurück zu den Lebenden zu holen. Oftmals handelt es sich hierbei um einen verlorenen Kampf. Diese sechs Geschichten zeigen jedoch: Unsere Handys sind beständiger, als wir manchmal denken.

Silvia: „Akku links, Sim-Karte rechts, vordere Verkleidung unter dem Schrank, Handy selbst: sonst wo“

Handy: Samsung SGH E330

Ich hatte zu Anfang meines Studiums ein silbernes kleines Klapp-Handy, das langsam aber sicher vor sich hinstarb. Die Tasten musste ich irgendwann so fest drücken, dass mich in der Bibliothek mal eine Tischnachbarin bat, meine SMS doch draußen zu schreiben.

So richtig schlimm wurde es, als es mir ein paar Mal herunterfiel. Nach dem dritten oder vierten Sturz zerfiel es in alle Einzelteile: Akku links, Sim-Karte rechts, vordere Verkleidung unter dem Schrank, Handy selbst: sonst wo. Das passierte leider immer öfter, und ich wurde immer routinierter im Einsammeln der Fragmente. Als ich irgendwann das Gefühl hatte, nur noch eine lose Sammlung an Plastikteilen in der Hand zu haben, war es Zeit: Das Panzer-Tape musste her.

Ab da an sah mein Klapp-Handy aus wie eine Mumie, die Tasten konnte ich noch erahnen (tippen ging meist gar nicht mehr), zusammenklappen konnte man das Teil auch nicht so wirklich, und so richtig Telefonieren war natürlich längst passé Meine Freunde waren zunehmend genervt.

Ich versuchte, dem entgegenzuwirken, indem ich die Tasten mit einem scharfen Messer ausritzte und immer laut und deutlich sprach. Es war außerdem die Zeit, in der ich die Kommunikation via Mail für mich entdeckte. Aber letztendlich half alles nichts: Bei der nächsten BAföG-Nachzahlung verabschiedete ich mich von meinem alten, geliebten Samsung. Es hatte mir vier Jahre gedient, drei davon konnte ich auch mit ihm telefonieren.

Melina: „Er war weg, mein Handy auch“

Handy: Huawei P10

Ich war mit meiner Schwester und ein paar Freunden im Urlaub im Schwarzwald. In dem Örtchen gab es einen kleinen See, an dem haben wir abends mit ein paar Leuten gechillt. Wir haben ein bisschen getrunken, und irgendwann kam so ein merkwürdiger Typ zu uns herüber. Der war schon mega besoffen und auch älter als wir. Nachdem er ein bisschen mit uns gequatscht hat, ging er wieder. Kurz darauf bemerkte ich, dass noch etwas anderes fehlte. Er war weg, mein Handy auch.

So viele Gedanken schossen mir durch den Kopf: „Wo ist mein Handy? Hat der Typ mein Handy?! Wo ist dieser Typ?“ Wir haben überall gesucht. Als wir es angerufen haben, klingelte nichts. Dann ist mir und meiner Schwester ein Geistesblitz gekommen. „Weißt du noch, wir waren doch vorhin am Wasser pinkeln ...“

Voller Euphorie rannten wir zurück zum Pinkel-Platz – und tatsächlich, dort lag es noch, am Wasser, neben einem zusammengeknüllten Taschentuch. Trotz Urin, See-Feuchte und stundenlangem Rumliegen im Dreck funktionierte es tatsächlich noch.

Lars: „Scheiße!, schoss es mir durch den Kopf“

Handy: IPhone 3GS

Es war das schönste IPhone-Modell aller Zeiten: ein gutes, altes 3GS. Schwarz, schöner runder Rücken, anschmiegsam wie ein Schmeichelstein. Aber leider auch flutschig wie ein Wassereis im Hochsommer. In Wahrheit war es tiefster Winter, ich musste aufs Klo – ein großes Geschäft, wie man in Business-Kreisen zu sagen pflegt –, und zog die Hosen runter.

Das iPhone 3GS natürlich in der rechten Gesäßtasche. Ich brachte meinen Termin zu Ende, zog die Hose hoch und … flopp! Ich brauchte eine ganze Sekunde lang, um zu verstehen, was passiert war. „Scheiße!“, schoss es mir durch den Kopf. Adrenalin. Ich drehte mich um. Sah das iPhone in der Kloschüssel. Ekel-Info: Ich hatte noch nicht gespült.

Aber egal. Ich dachte nicht nach. Beherzt griff ich in die Toilette, war wild entschlossen, meinen Schatz zu retten. Ich fischte es aus meiner Scheiße und machte, was man nicht machen darf: Ich hielt es unter den Wasserhahn. Aber: Hätte ich es wirklich besudelt bergen sollen? Um es kurz zu machen: Nach einem einwöchigen Reisbad ging das Ding ganz plötzlich an – und verbrachte den Rest seines Lebens in meiner rechten Vordertasche.

Carlotta: „Hätte ich bloß gewusst, was für ein gravierender Fehler das war“

Handy: iPhone SE

Mir ist mein Handy schon so oft ins Klo gefallen. Zu oft. Nach dem letzten Mal war es dann wirklich hinüber (es war mir bei einer House-Party aus der Hosentasche in die Toilette gefallen, leider merkte ich es erst nach drei Stunden und fischte es aus dem Klo-Wasser vieler verflossener Wodka-Colas).

Als ich mir dann endlich ein neues Handy besorgte, kaufte ich gleich eine unkaputtbare Hülle dazu. Sie war grau, sah aus wie ein Klotz, aber mein Handy war darin vor jeglichen Umweltfaktoren gesichert. So war es auch für einige Monate glücklich. Bis es nicht mehr anging. Einfach so. Ich probierte alles, nahm es aus der Hülle und versuchte jeden Trick kurz vor der Mund-zu-Mund-Beatmung.

Das, was mein Handy schließlich von den Toten auferweckte, war ein kompletter System-Restart (Bei Apple: Home-Taste und Aus-Taste gleichzeitig halten). Dann ging es wieder an, und ich war beruhigt. Danach entschied ich mich, es nicht mehr in die unkaputtbare Hülle zu packen, weil ich ihr insgeheim die Schuld für das Herzflimmern meines Handys gab. Hätte ich bloß gewusst, was für ein gravierender Fehler das war.

Denn danach merkte ich erst, wie schrecklich ich mein Handy behandelte und wie oft mir diese Hülle den Arsch gerettet hatte. Gleich am nächsten Tag fiel es mir aus der Jackentasche, als ich mit dem Fahrrad über die Straße flitzte. Meine Kopfhörer riss es mir abrupt aus den Ohren, sonst hätte ich es wohl gar nicht gemerkt. Ich machte eine Vollbremsung und sammelte es einige Meter hinter mir wieder ein. Eine Ecke war abgeknickt und ein Riss im Bildschirm. Tasten funktionieren noch. Alles gut.

Ein paar Tage später kletterte ich auf einer wackligen Leiter nach oben in den Dachboden meiner Eltern. Als ich die Leiter wieder nach unten kletterte (und ich schon mein eigenes Leben fürchtete), waren meine Hände voll mit Tassen, Laptop und einem Buch. Mein Handy balancierte ganz oben auf den Berg von Sachen, den ich auf meiner linken Hand gestapelt hatte. Als ich gerade meinen ersten Fuß auf die Leiter wagte, rutschte mir mein Handy von oben herunter auf den kalten, harten Fußboden vier Meter in die Tiefe. Es knallte, dann Stille. Ich hielt es für tot, bereitete mich schon auf den Abschied vor. Zuerst traute ich mich nicht, das Handy anzugucken.

Ich fasste mir ein Herz und nahm es in die Hand. Der Bildschirm hatte noch einen Kratzer, doch ansonsten war alles gut. Was zum Teufel war mit diesem Handy los? Es ging einfach nicht mehr kaputt! Allerdings wäre ich die Letzte, die sich darüber ernsthaft beschweren würde.

Justin: „Dann ist der Korken in meiner Tasche geknallt“

Handy: Huawei Ideos X3

Ich war mit 14 Jahren das erste Mal auf eine Party eingeladen. Super aufregend. Weil ich cool sein wollte, nahm ich mir einen Sekt mit. Den hat mir meine Oma heimlich mitgebracht, damit meine Mutter es nicht merkt. Dabei habe ich selber damals noch gar kein Alkohol getrunken. Aber irgendwie dachte ich, es gehört sich wohl, eine Flasche Sekt mitzubringen.

Ich habe den Sekt zusammen in einen Turnbeutel mit meinen restlichen Sachen gepackt, mit dabei: mein Handy.

Dann bin ich aufs Fahrrad gestiegen und los zur Party. Als ich über ein Kopfsteinpflaster gefahren bin, hat meine Tasche sich so geschüttelt, dass mein Handy an den Flaschenhals vom Sekt gestoßen ist. Der Korken hat sich durch die holprige Fahrt immer weiter gelockert, bis der Korken in meiner Tasche endgültig knallte.

Ich legte eine Vollbremsung ein und checkte, was passiert war. Der Sekt hatte sich natürlich über meine ganzen Sachen verteilt. Ein Blick auf mein Handy offenbarte, dass das Display komplett zersprungen war. Außerdem triefte es – so wie alles andere in meiner Tasche – vor Schaumwein.

Aber wer hätte es gedacht: Es überlebte! Da es noch eins der ersten fetten Huawei-Handys war, rettete der dicke Rand dem Gerät das Leben.

David: „Nach ein paar Stunden hatte ich innerlich schon aufgegeben“

Handy: iPhone 7

Meine Freunde und ich hatten auf einem Campingplatz irgendwo in Russland Ferien gemacht, ein abgegrenzter Bereich im Wald, der circa drei Kilometer in jede Richtung hinaus reichte.

Abends haben wir alle noch ein bisschen was zusammen getrunken. Irgendwann bin ich einfach so alleine im Wald herumgewandert, keine Ahnung mehr, wieso oder was währenddessen passiert war. Ein Freund von mir hat mich dann schließlich wieder gefunden und zu den anderen gebracht. Doch, wie sollte es anders kommen – mein Handy war nach dem nächtlichen Irrgang verloren. Ich hatte keinen Plan, wo es sein könnte.

Daraufhin haben wir die ganze Nacht gesucht. Nach ein paar Stunden hatte ich innerlich schon aufgegeben. Schließlich hatten wir schon sieben Stunden gesucht, und ich dachte „Wenn wir es bis jetzt noch nicht gefunden hatten, dann würden wir es wohl nie mehr finden.“

Dann tauchte eine meiner Freundinnen aus einem Dickicht von Büschen auf. In ihrer Hand hielt sie mein Handy! Sie fand es unter einem Stein. Wie zur Hölle es dahin gekommen war, kann ich mir nicht erklären. Was genau während meines nächtlichen Spaziergangs passiert war, weiß ich bis heute nicht.

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Quelle: Noizz.de