Gewalt an trans* Menschen ist so brutal wie kaum ein anderer Übergriff. Diese Taten sind oft nicht nur entsetzlich, sondern auch absolut barbarisch und außergewöhnlich gefühllos. Warum müssen trans* Menschen so viel mehr leiden, als andere Minderheiten – und warum schauen Regierungen einfach weg?

Mira ist 42 Jahre alt. Am 4. April 2020 parkt ein LKW in der Nähe ihres Hauses in Jakarta, Indonesien, der Fahrer beschuldigt Mira wenig später, sein Handy und Portemonnaie geklaut zu haben. Eine Gang von inoffiziellen Aufpassern der Gegend versammelt sich daraufhin um sie herum, untersucht sie, findet jedoch nichts. Dann gießen sie zwei Liter Benzin über sie und zwingen sie dazu, die Tat zuzugeben. Ein Gang-Mitglied lässt dann ein Feuerzeug auf Mira fallen, die in Flammen aufgeht. Ins Krankenhaus schafft sie es noch lebend, doch schon am Folgetag wird sie für tot erklärt.

Was sich anhört, wie ein Schauermärchen ist eine wahre Geschichte, die sich Anfang April genau so in Indonesien ereignet hat. Ein Freund von ihr, Orin, musste dem Mord tatenlos zusehen, berichtet die indonesische Zeitung "The Jakarta Post". Laut Amnesty International sind zwei der Täter nun in Gewahrsam, drei andere sind auf der Flucht. Auf viel Unterstützung von der Regierung können die Hinterbliebenen nicht hoffen – in Indonesien werden queere Menschen an den Rand gedrückt, trans* Menschen in Heilungsanstalten geschickt und Homosexualität soll bald verboten werden.

Miras Tod ist einer von Hunderten ihrer Art

Doch leider ist Miras Mord in Indonesien kein Einzelfall. Auf der ganzen Welt werden trans* Menschen grausam ermordet, einzig und allein aufgrund ihrer Identität. Letztes Jahr mussten 331 trans* Menschen deswegen sterben, zwei Drittel davon waren Sexarbeiter*innen. Brasilien, Mexiko und die USA vermelden die meisten dieser Morde und die Dunkelziffer liegt wohl noch weitaus höher, so die Organisation "Transgender Europe".

Symbolbild: Trans*gender

Leon Harun Witzel, Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung Trans* erklärt gegenüber dem Magazin "Queer", dass Morde an trans* Personen besonders brutal seien, weil die Mörder sich noch sicherer sind, ohne Strafe davonzukommen. Gerade in Ländern wie Indonesien, wo LGBTI*-Personen so an den Rand getrieben werden, bekommen solche Morde nicht viel Aufmerksamkeit von den Regierungsbehörden. Auch eine weitestgehend trans* feindliche Öffentlichkeit hat oft wenig Interesse an solchen Morden. So verrichten Mörder ihre Tötungen mit weniger Gewissen für die absolut widerwärtige Natur ihrer Taten.

Selbst die Justiz schaut weg

Besonders prekär ist die Lage in der Türkei. Dort wurden 2017 fünf trans* Frauen in ihrer eigenen Wohnung mit Säbeln, Messern und Stöcken attackiert. Angeklagt wurden am Ende nicht die Täter, sondern die trans* Frauen – für Freiheitsberaubung, Anwendung physischer Gewalt und Morddrohungen, berichtet die "TAZ". Ereignisse wie diese zeigen, dass viele Taten in einem trans* feindlichen politischen Rahmen systematisch verloren gehen.

Gay Pride Istanbul

Am 20. November wird seit 21 Jahren am "Transgender Day of Remembrance" an die Opfer trans* phober Gewalt erinnert.

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  • Quelle:
  • Noizz.de