Kommentar zu homophoben Anfeindungen.

„Ich habe ja nichts gegen homosexuelle Paare, aber in der Öffentlichkeit muss das echt nicht sein.“

Das ist einer der Sätze, den ich nur allzu häufig auf sozialen Netzwerken lese und der mich jedes Mal zum Verzweifeln bringt. Denn es ist nicht nur ein einfacher Satz, diese Aneinanderreihung von Worten ist hochgradig homophob.

Was der User mir da eigentlich sagen möchte: Ich finde deine sexuelle Ausrichtung okay, so lange sie für mich nicht greifbar wird und somit nicht für mich existiert. Soll auch heißen: Nimm deinen Kerl und bleib‘ zu Hause! Sperr dich ein! Das hier ist mein Territorium, auf dem ich mich sicher fühlen möchte.

Letzten Endes ist meine sexuelle Orientierung für dich also doch nicht okay, oder?

Jetzt mal ehrlich: Wenn ich im Kino sitze und neben mir ein (in der Regel heterosexuelles) Pärchen sitzt und so wild ineinander verschwindet, dass der Speichel sich noch in den Reihen davor verteilt, ist das für mich unangenehm. Kein Entkommen.

Aber hey, das ist Liebe und das ist nun einmal Zuneigung. Also rege ich mich darüber auf? Sage ich den Leuten, dass sie doch bitte verschwinden mögen, da ich mich von so viel Heterosexualität gestört fühle? Nö. Ganz im Gegenteil: Ich akzeptiere die Situation und freue mich, dass sich zwei Menschen gefunden haben. Wollen wir das nicht alle?

Also frage ich mich, wo eigentlich das Problem ist, wenn mein Freund mich auf der Straße küsst oder meine Hand hält.

Klar, homosexuelle Paare gehören zu einer Minderheit. Wir leben immerhin in einer Hetero-Welt. Ich verstehe auch, dass man als geneigter Hetero in seinem Hetero-Fußball-ich-fahre-Opel-Prollo-Universum nicht so gut damit klarkommt, wenn man einen Mann auf einmal als Frau versteht.

„Wer ist bei euch die Frau und wer der Mann?“

Liebe Heten, da beginnt schon das Problem! Das Rollenverständnis sieht bei zwei Männern oder zwei Frauen nicht so aus, wie das bei euch sein mag. Es mag Paare geben, die sich daran orientieren – das entspricht jedoch nicht der Regel. Versuchen wir es doch mal so: Wenn man diese Beziehung herunter bricht, bleiben da zwei Menschen, die Gefühle füreinander haben. Das ist ganz simpel. An sich gibt es an einer nicht heterosexuellen Beziehung auch nichts, das man nicht okay finden könnte oder nicht verstehen könnte.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind nicht schwarz oder weiß, es gibt ganz viele Graustufen.

Und nochmal zum Verständnis: Man sucht sich seine Sexualität nicht aus. Wieso sollte ich bitte einer Minderheit angehören wollen, die hier und da angefeindet wird, die in manchen Ländern sogar verboten ist? Ja, wieso sollte ich?

Auch Brit-Pop-Star Lily Allen (32) hat sich mit der Thematik auseinandergesetzt und den Song „Fuck You“ aufgenommen. Einfacher kann man es nicht sagen: „Du sagst also, es ist nicht okay gay zu sein? Ich glaube, du bist einfach nur böse. Du bist ein Rassist, der mich nicht zu Fall bringen wird. Deine Meinung ist mittelalterlich.“

In diesem Sinne: „Fuck you“.

Quelle: Noizz.de