In der Öffentlichkeit stehen meist weibliche Opfer von Vergewaltigungen. Doch auch Männer leiden unter gewalttätigem Missbrauch. Ein schockierender Fall aus Hamburg wird nun über die nächsten Wochen verhandelt.

Ein 28-jähriger Mann soll im September 2019 in Hamburg von einem 46-Jährigen unter Drogen gesetzt, vergewaltigt und getötet worden sein. Der Angeklagte, in dessen Wohnung die verwesende Leiche gefunden wurde, behauptet, unschuldig zu sein.

Die Männer lernten sich auf einer Party kennen

Laut der Staatsanwaltschaft nahmen beide Männer am 22. September 2019 an einer privaten Geburtstagsfeier teil. Zusammen seien sie nach der Party zu dem älteren Mann nach Hause gegangen. Dort soll dem Jüngeren ein mit Drogen versetztes Getränk angeboten worden sein. Es soll sich bei dem Drink um eine Ecstasy-Amphetamin-Mischung gehandelt haben. Anschließend sei der 28-Jährige im Rauschzustand im Schlafzimmer sexuell missbraucht worden.

Die verwesende Leiche wurde laut des Polizeiberichts vier Monate später in der Wohnung des Angeklagten gefunden, nachdem das Opfer von Angehörigen als vermisst gemeldet wurde. Sie war mit Sand bedeckt, mit Säcken umhüllt und unter einer Matratze im Gästezimmer versteckt, so die Staatsanwaltschaft.

Obwohl das Opfer in einen starken Rausch versetzt worden war, konnte es sich noch gegen die Vergewaltigung wehren. Daraufhin soll der nun Angeklagte gewalttätig geworden sein. Kurze Zeit später starb der 28-Jährige. Es ist unklar, ob er an einer Drogenüberdosis starb oder an seinen Verletzungen.

Symbolbild

Der Gerichtsprozess startete am vergangenen Freitag

Der 46-Jährige wird nun wegen Mordes, Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Er selbst behauptet, unschuldig zu sein – und dass er den an einer Überdosis gestorbenen Mann nachts in seiner Wohnung aufgefunden habe. Weil er Angst hatte, habe er die Polizei nicht informiert.

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Der Verdächtigte wird zudem noch in einem zweiten Fall angeklagt: Er wird von einem Nebenkläger beschuldigt, ihm nach einer öffentlichen Party K.O.-Tropfen verabreicht und vergewaltigt zu haben. Von der Tat soll er Fotos gemacht haben, mit denen er den Mann danach erpresste, um ihn zu einem weiteren Treffen zu überreden. Zur Klärung des Mordfalls und der weiteren Vergewaltigung sind 19 Verhandlungstermine angesetzt.

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Männliche Vergewaltigungsfälle sind ein gesellschaftliches Tabu

Oft bleiben Vergewaltigungsfälle mit männlichen Opfern im Verborgenen. Männer melden ihre Missbrauchserfahrungen aus Scham weniger häufig als Frauen bei der Polizei – insbesondere weil Vergewaltigungen, die an Männern begangen werden, ein gesellschaftliches Tabu sind, so Dr. Maeve Eogan und Deirdra Richardson in einem Artikel im Magazin "Irish Health".

Im Jahr 2018 veröffentlichte das Bundeskriminalamt, dass insgesamt 9.324 Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten Vergewaltigungen wurden – und 473 Männer. Berichtet wird allerdings in der Regel meist ausschließlich von den weiblichen Opfern. Wenn die Berichterstattung sich öffnen würde, um auch die männlichen Opfer zu inkludieren, könnte es für viele männliche Opfer sexueller Gewalt leichter sein, auch ihren Fall zur Strafanzeige zu bringen.

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Quelle: Noizz.de