Jordan ist 21, studiert an der Florida State University und war Mitglied der Schwesternschaft Kappa Gamma – bis sie vor Kurzem rausgeworfen wurde. In einer viel geklickten TikTok-Story beschuldigt sie die Schwesternschaft in Teilen anti-queer und rassistisch zu sein – und ihre Erfahrungen seien nur die Spitze des Eisberges.

Dass die meisten Burschenschaften einem ziemlich rückwärtsgewandten Gesellschaftsbild hinterherrennen, in dem Rassismus und das Patriarchat ganz weit oben stehen, ist uns nicht neu. Von Schwesternschaften hört man hingegen eher selten was. Vielleicht, weil es sie in Europa kaum gibt. In den USA sieht das etwas anders aus – und dort wird nach einer viral-gegangen TikTok-Story einer rausgeworfenen Studentin aus der Schwesternschaft Kappa Gamma, heftig darüber diskutiert wie zeitgemäß die denn überhaupt noch sind.

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Auf der Social-Media-Plattform teilte die 21-jährige JJ Jordan ihre Erfahrungen in der US-weit größten Schwesternschaft. Während eines "Standard" -Treffens, bei dem sich Mitglieder in einem Gremium aussprechen können, falls irgendetwas vorgefallen ist, was gegen die Regeln der Schwesternschaft ist, sei sie von einer Verbindungsschwester gemeldet worden – weil sie angeblich "nackt in der Mitte eines Verbindungshauses ohnmächtig geworden" sei. Sie bestreitet das. Das Treffen fand im März 2018 statt, sie studierte an der Florida State University.

Hier könnt ihr Jordans ganze Geschichte hören:

Zum besseren Verständnis: In den USA sind die meisten Bruderschaften und Schwesternschaften in der sogenannten "National Panhellenistic Conference" zusammengeschlossen, die 1902 gegründet wurde. Daneben gibt es noch die unabhängigen Greek-Letter-Verbindungen, die an 620 Fach- und Hochschulen der USA und Kanada vertreten. Es gibt über 4.600 Verbindungsjahrgänge mit über 3,6 Millionen Mitgliedern weltweit. Sie berufen sich auf ein klassisches, griechisches Bildungsideal – deswegen auch die Namen mit Buchstaben des griechischen Alphabets.

Dass es in der Realität bei den Verbindungen natürlich nicht nur um Bildung geht, sondern auch einiges anderes abgeht, musste Jordan am eigenen Leib erfahren. Aus US-College-Filmen kennt man die wilden Partys der Verbindungshäuser, in denen die Mitglieder leben und wohnen. Das kann alles aber auch eine ziemlich hässliche Seite haben. Das schildert zumindest Jordan gegenüber Buzzfeed News.

Jordan will nicht mehr schweigen

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Die Ereignisse der Black-Lives-Matter-Proteste in den vergangenen Wochen hätten sie dazu bewegt, ihre Geschichte mit der Öffentlichkeit zu teilen, die ihrer Meinung nach repräsentativ für den Umgang der Schwesternschaften mit der queeren Szene, People of Color und Schwarzen stehe. Es handle sich um ein "System der Unterdrückung", gegen das sich bislang kaum einer wehre.

Während der Aussprache, bei der sie als Schlampe und Egozentrikerin beschimpft wurde, sei sie niemals gefragt wurden, wie sie sich fühle oder ob sie verletzt sei durch die Anschuldigungen. Ihr Video wurde auf TikTok bisher über 3,7 Millionen Mal aufgerufen. Sie stellte gleichzeitig klar, dass sie nicht per se gegen Brüderschaften und Schwesternschaften sei und sie eigentlich noch immer ein gutes Verhältnis zur Verbindung hätte – allerdings müsse man sich auch innerhalb der Vereinigungen Gedanken machen, welche Werte man vertrete.

Im Gespräch mit Buzzfeed News sagte sie, für sie vereinen Schwesternschaften und Bruderschaften Elitismus und Klassismus sowie systematischen Rassismus. "Ich denke, es wurde Zeit, dieses System ebenfalls abzubauen", sagt sie. Sie sei sich bewusst, dass sie ein großes Privileg im Vergleich zu vielen anderen habe, weil sie weiß ist und aus einem guten Elternhaus komme.

"Ich hoffe, das eröffnet ein viel größeres Gespräch, insbesondere wenn man auch Schwarzen und lateinamerikanischen Frauen zuhört, die den Schwesternschaftsprozess durchlaufen haben. Die Menge an Intersektionalität in einem System wie einer Schwesternschaft ist so groß", betont sie. Sie hoffe damit auch anderen queeren Frauen zu helfen.

Was sagen die Schwesternschaften?

Ganz schnuppe sind ihnen die Vorwürfe von Jordan nicht. Auf Nachfrage von Buzzfeed News antwortete der Dachverband von Kappa Gamma, dass sie zunächst keine Unstimmigkeiten feststellen konnten – das von Jordan beschriebene Standard-Treffen ähnele den Vorgaben, die von vielen anderen Schwesternschaften der "National Panhellenistic Conference" befolgt werden. "Trotzdem werden wir den derzeitigen Leitern und Beratern zusätzliche Schulungen zu unseren Prozessen anbieten", heißt es in einem Statement.

"Wir sind uns bewusst, dass Schwesternschaften und Hochschulen im ganzen Land weiter daran gearbeitet haben, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Student*innen sicher fühlen und mit Respekt behandelt werden" sagt Heidi Roy, Kommunikationsdirektorin bei Kappa Gamma. Als Organisation, die Frauen und ihr Vertrauen stärken soll, würde die Schwesternschaft ihre Rolle bei solchen Problemen sehr ernst nehmen.

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Quelle: Noizz.de