Weil drei Deppen sich "ausgegrenzt" fühlen.

Der Klimawandel, die neuen Abtreibungsgesetze in den USA, der Rechtsruck in der Gesellschaft. Es sind politisch schwierige Zeiten.

Nun das nächste Ding. In Boston fordern heterosexuelle Männer einen CSD für sich selbst. Also einen Protest, der sich für heterosexuelle Menschen einsetzt. Einen sogenannten "Straight Pride".

Zur Erklärung: Der Christopher Street Day wurde von 50 Jahren in New York ins Leben gerufen, um sich für die Rechte von Homosexuellen einzusetzen. Noch heute werden Schwule als minderwertige Menschen gehandelt. Zum Beispiel beim Blutspenden. Schwule müssen ein Jahr lang abstinent, ohne Sex, leben, bevor sie Blut spenden dürfen. Schwule würden ein höheres Risiko tragen, sich mit Krankheiten wie HIV und Hepatitis anzustecken. Dabei kann nach sechs Wochen eine HIV-Ansteckung ausgeschlossen werden. Die Regelung stigmatisiert also. Weiter werden Homosexuelle in manchen Ländern immer noch mit dem Tod oder Folter bestraft.

Und nun eben die Typen in Boston, die einen "Straight Pride" fordern. Sie fühlen sich ausgegrenzt, sagen sie. Einer dieser Männer ist Mark Sahady. Der Republikaner gibt auf Facebook seine Meinung kund. So findet er Demonstrationen gegen "Ungerechtigkeiten" nervig, weil sie ihm den Weg zur Arbeit versperren. Angela Merkel ist in seinen Augen eine Mörderin, da die Flüchtlinge in Deutschland für den Terror verantwortlich seien. Und nun eben auch CSDs, weil sie ihn als heterosexuellen Mann ausschließen. Was nun auch nicht stimmt. CSDs sind Demonstrationen, bei denen alle willkommen sind, die sich für die freie Liebe, Sexualität abseits der Heteronormativität und gleiche Rechte für alle aussprechen.

In einem Facebook-Post erklärt der Sahady den "Straight Pride", bei dem er und seine zwei heterosexuellen Kompagnons am 31. August durch Boston marschieren und ihren Stolz zeigen wollen. Sie haben sogar eine eigene Flagge designt und Brad Pitt zu ihrem "Maskottchen" erkoren.

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"Wenn du einen Opfer-Status hast, darfst du dich selbst feiern und von den Unterdrückern erwarten, sich deinen Gefühlen unterzuordnen", schreibt Sahady auf Facebook. Sahady habe laut der "Washington Post" auch schon eine Demonstration gegen strengere Waffengesetze organisiert. Weiter sei er Mitglied einer Organisation, die sich gegen "gewalttätige Extremisten und die regressive Linke" einsetze.

Ein weiterer Organisator der "Straight Pride" behauptet, er fühle sich als "unterdrückte Mehrheit". Massachusetts Anstrengungen, sich für die LGBT-Community einzusetzen, sei nur "unfair gelabelter Hass". Und weiter: "Wir wollen Toleranz, und wir wollen Toleranz für jeden – nicht nur für die LGBTQ-Community."

Es scheint so, als würden sich die Herren bedroht fühlen. Angst vor Flüchtlingen, vor Linken, vor Schwulen. Wie Christopher Isherwood einst geschrieben hat, ist die Definition einer Minderheit dort notwendig, wo sich eine Mehrheit bedroht fühlt. Das ist hier auch der Fall.

In den Kommentaren regen sich die User auf oder machen sich über die "Straight Pride" lustig. So schreibt einer der Nutzer: "Wurde jemals jemand angegriffen, weil er hetero ist? Getötet? Rausgeschmissen? Enteignet? Wieso also braucht ihr eine 'Straight Pride'?" Ein anderer meint: "Das ist das Dümmste, was ich je gehört habe." Manche Nutzer sind sich auch schon sicher, dass viele Mitglieder der LGBT-Community zur "Straight Pride" einfinden werden, um das Event zu crashen.

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Die Pride Week in Boston findet vom 31. Mai 2019 bis zum 9. Juni statt. Boston ist eine der LGBT-freundlichsten Städte der USA. Der Staat Massachusetts setzte als erster die Ehe für alle durch.

god

Quelle: NOIZZ-Redaktion