Die Hassmails werden einfach zu neuen Musikkompositionen.

Wir befinden uns im Jahr 2018 und wenn das Symphonieorchester der schwedischen Stadt Helsinborg ein Konzert spielt, das Kompositionen aus der LGBT-Szene enthält, dann bekommen die Musikanten einen Hassbrief.

Der anonyme Absender erklärte in seinem im Januar abgeschickten Schreiben zunächst, dass er das Orchester sehr schätze, doch dass er nach der Performance „kotzen wollte“. Die Person kündigte an, ihr Konzert-Abo zu kündigen, weil das Orchester „auf den Schwuchtel-Zug aufspringen“ würde.

Wie mit anonymer Homophobie umgehen?

In einem Statement erklärte der Komponist Frederick Österling, dass es schwierig sei, anonyme Beschimpfungen zu kontern. Doch dann kam der Tenor-Sänger Rickard Söderberg auf die Idee, aus dem Hass klassische Musik zu machen. Und zwar eine Kantate der Liebe namens “Bögtåget”, übersetzt „Schwuchtel-Zug“. Diese hatte Ende Mai feierliche Premiere.

Gegenüber dem LGBTQ-Portal „Queery“ erklärte der Sänger den künstlerischen Ansatz: „ Dadurch, dass wir den Text in das Umfeld eines klassischen Opern-Librettos interpretiert haben, haben wir die Emotionen, die der anonyme Absender ausdrücken wollte, nochmal herauskristallisiert. Und gleichzeitig haben wir das gemacht, was Kunst tun sollte: Unsere Zeit in unserem Wirken zu reflektieren.“

Hier ein paar Ausschnitte aus den Proben:

Der Sänger Rickard Söderberg trägt mit Stolz ein Pride-Shirt, eine Regenbogenbrille und Nagellack.

Wir finden: sehr clever und mit einem Augenzwinkern gelöst! Nur so und nicht mit Gegenhass lässt sich Homophobie bekämpfen.

Quelle: Noizz.de