"Ich war ungebildet."

Eine weiße Cis-Person, die sich der LGBTQ-Community gegenüber respektlos verhält – das ist in Hollywood, aber auch sonst irgendwo leider keine Seltenheit. So überraschte es auch nicht sonderlich, als Schauspielerin Scarlett Johansson im vergangenen Jahr bekannt gab, dass sie im Film "Rub and Tug" einen Trans*-Mann spielen werde.

Was folgte, war ein Shitstorm aus der Trans*-Community, Unverständnis seitens der Schauspielerin - und schließlich ein überraschender Sinneswandel. Johansson gab die Rolle freiwillig ab. Fall abgeschlossen und beendet? Nicht für Johansson. Denn jetzt erzählte sie in einem Interview mit der "Vanity Fair", dass sie ihre erste Reaktion auf die heftige Kritik bereut.

"Im Nachhinein betrachtet, habe ich die Situation falsch gehandhabt", sagte die 35-Jährige. Ihre erste Reaktion sei nicht sensibel gewesen. Denn zunächst hatte sie Kritikern geantwortet, dass ihre Schauspielkollegen Jeffrey Tambor, Jared Leto und Felicity Huffman auch erfolgreich Transgender-Rollen gespielt hätten. Was sie dabei nicht bedachte: Auch diese wurden für stark dafür kritisiert, die Rolle anstatt einer Trans*-Person übernommen zu haben. "Ich war ungebildet", sagte Johannson über ihre Reaktion. Ihr sei nicht bewusst gewesen, wie die Transgender-Gemeinde darüber denke, wenn Cis-Menschen Trans*-Personen spielten.

Sie habe eine Menge gelernt. Doch einfach sei diese Phase nicht gewesen. "Es war eine schwere Zeit", sagte sie. "Ich fühlte mich deswegen schrecklich." Es sei kein gutes Gefühl, sich zu fühlen, als ob man taub für etwas sei.

Klingt doch nach ehrlicher Reue und nach einem schwierigen, aber erfolgreichen Lernprozess. Mehr davon, bitte!

Doch eines nehmen ihr Kritiker noch immer übel: Johansson unterstützt den Star-Regisseur Woody Allen, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird. "Er beteuert weiter seine Unschuld, und ich glaube ihm", sagte sie dem Magazin "Hollywood Reporter".

Woody Allens Adoptivtochter Dylan Farrow hatte diesem 2018 während der #MeToo-Bewegung erneut vorgeworfen, sie als Siebenjährige im Elternhaus missbraucht zu haben. Allen hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Dennoch hatten sich einige Schauspieler von dem vierfachen Oscar-Preisträger distanziert. Colin Firth, Timothée Chalamet, Mira Sorvino, Greta Gerwig, Ellen Page und andere sagten, dass sie künftig nicht mehr mit Allen drehen wollten. Johansson aber bleibt dabei: Sie ignoriert die Vorwürfe und verteidigt Allen. Fraglich, ob sie das nicht ebenfalls irgendwann bereuen wird.

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Quelle: Noizz.de