Weil sie offen lesbisch lebte, wurde Sarah Hegazi in ihrem Heimatland Ägypten verfolgt und gefoltert. Nach schweren Depressionen hat die queere Aktivistin sich vergangenes Wochenende im kanadischen Exil das Leben genommen.

Im Oktober 2017 besuchte die Ägypterin Sarah Hegazi ein Konzert der libanesischen Indierockband Mashrou' Leila in Kairo. Weil sie dort die Regenbogenflagge schwenkte, wurde die 30-Jährige neben sechs weiteren Konzertbesucher*innen von der ägyptischen Polizei verhaftet. Man warf ihr unter anderem vor, einer illegalen Gruppe beigetreten zu sein und "sexuelle Abweichungen" zu fördern.

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"An die Welt: Du warst grausam, aber ich vergebe dir."

Nach drei Monaten kam Hegazi im Januar 2018 gegen eine Kaution wieder frei und floh nach Kanada. Seit ihrer Festnahme litt die Aktivistin jedoch an schweren Depressionen: Die Polizei hat bei der Festnahme Elektroschocker eingesetzt, im Gefängnis wurde die Aktivistin körperlich und psychisch misshandelt.

Am 14. Juni nahm sich Hegazi im kanadischen Toronto das Leben.

In einem handschriftlichen Abschiedsbrief, der auf Social Media veröffentlicht wurde, schreibt Hegazi: "An meine Brüder und Schwestern: Ich habe versucht, Erlösung zu finden, und bin gescheitert. Vergebt mir. An meine Freunde: Die Reise war grausam und ich bin zu schwach, um zu widerstehen. Vergebt mir. An die Welt: Du warst grausam, aber ich vergebe dir."

Rest in power, Sarah Hegazi.

Homosexualität in Ägypten

Offiziell ist Homosexualität in Ägypten zwar nicht verboten, dennoch geht der Staat hart gegen queere Menschen vor. Allein im vergangenen Jahr sollen mindestens 92 Angehörige der LGBTQ-Community in Ägypten festgenommen worden sein. Die Regierung nutzt demnach auch gezielt Dating-Apps, um queere Menschen in die Falle zu locken, oder nimmt wahllos auf offener Straße fest.

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aa

Quelle: Noizz.de