Der eine spendet Geld an trans* Sexarbeiterinnen, der andere bringt die gleichgeschlechtliche Ehe mit dem Antichristen in Verbindung. Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI haben sehr unterschiedliche Einstellungen zur queeren Community. Ein Ally ist Franziskus aber trotzdem nicht.

Der derzeitige Papst Franziskus und sein Vorgänger, Ex-Papst Benedikt XVI (Ratzinger), könnten nicht unterschiedlicher sein – das war bereits vor dem Amtsantritt von Franziskus 2013 klar. Wie sehr sich die beiden unterscheiden, zeigte sich gerade erneut an ihrem Umgang mit der queeren Community. Während Franziskus wegen der Corona-Krise einer Gruppe von trans* Sexarbeiterinnen Geld spendete, sorgt Benedikt mit einer Interviewaussage für seine am Montag erschienene Biografie "Benedikt XVI.: Ein Leben" für Aufsehen, in der er die gleichgeschlechtliche Ehe mit dem Antichristen in Verbindung brachte ... Aua!

Ein Umzugswagen mit Papst Benedikt XVI. (l.) und Papst Franziskus (r.) beim Rosenmontagsumzugs am 24. Februar 2020 in Düsseldorf

Papst Emeritus Benedikt XVI. führte eine strikt LGBTQ-feindliche Linie

"Vor hundert Jahren hätte es noch jedermann für absurd gehalten, von einer homosexuellen Ehe zu sprechen", so der ehemalige Papst in dem Interview, das er 2018 mit dem Journalisten und Autor Peter Seewald führte. Die Gesellschaft habe sich zunehmend gegen die christliche Lehre gewandt und wer sich diesen unchristlichen Ideen entgegenstelle, werde von ihr exkommuniziert (aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen). Überraschend ist das leider nicht: Ratzinger vertrat bereits während seiner Amtszeit von 2005 bis 2013 eine strikt LGBTQ-feindliche Haltung. Im gleichen Interview verurteilte der 93-Jährige übrigens Abtreibungen und künstliche Befruchtung.

Ex-Papst Benedikt XVI.

Papst Franziskus dagegen gab vor Kurzem einer Gruppe von etwa 20 trans* Sexarbeiterinnen eine unbekannte Summe. Einige der 30 bis 50 Jahre alten Frauen aus Lateinamerika sind HIV-positiv, andere erzählten davon, dass die italienische Mafia ihnen Pässe und Geld gestohlen und sie so zur Sexarbeit gezwungen habe. Sie suchten Hilfe bei einer Kirche in Torvaianica, Italien – weil die aber aufgrund des Coronavirus' selbst nicht mehr genug Mittel zur Verfügung hatte, wandte sich der Pastor dort an den Papst. Laut "Them" schickte Franziskus einen "päpstlichen Almosengeber", einen Beamten, der die Spenden der Kirche beaufsichtigt.

Papst Franziskus: Freundlicher aber kein Ally

Papst Franziskus grüßt Papst Emeritus Benedikt XVI. 2014 in der Vatikanstadt

Papst Franziskus mag einen freundlicheren LGBTQ-Kurs führen, allerdings ist auch er nicht gerade ein Ally: Im Jahr 2015 unterstützte er etwa ein slowakisches Referendum, um gleichgeschlechtliche Paare davon abzuhalten, zu heiraten oder Kinder zu adoptieren. 2014 lud er Tony Perkins, den Vorsitzenden von "Family Research Council", in den Vatikan ein – eine Lobbygruppe, die sich fast ausschließlich dem Kampf gegen Homo-Rechte widmet. In der Vergangenheit beschuldigte er Trans* Menschen außerdem, versuchen zu wollen, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen "aufzuheben", und sagte, er sei dagegen, Schüler über die Existenz von LGBTQ-Personen zu unterrichten.

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Quelle: Noizz.de