„Orange is the New Black“-Star wurde unfreiwillig geoutet – jetzt spricht sie über die Folgen

Juliane Reuther

Popkultur, Politik & Feminismus
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Samira Wiley heiratete 2017 Drehbuchautorin Lauren Morelli. Foto: whododatlikedat / Instagram

Vielen Stars ging es genauso.

Ein Coming-Out ist wohl einer der emotionalsten Momente, die man erleben kann. Denn für viele ist der Moment, an dem sie ihre Sexualität preisgeben, ein Tag, auf den sie jahrelang hingearbeitet haben.

Wann dieses große Ereignis stattfinden soll und wie es über die Bühne geht, ist eine sehr persönliche Sache. Schließlich muss man für diesen Schritt bereit sein. „Orange is the New Black“-Star Samira Wiley war nicht bereit, als sie von einer Serienkollegin geoutet wurde. In einem Interview erzählte Samira jetzt, wie schmerzhaft diese Erfahrung für sie war.

„Jemand aus dem Team hat ein Interview gegeben und darin über die homosexuellen Schauspieler der Show gesprochen und meinen Namen genannt. Ich habe es abgedruckt gesehen und habe geweint. Ich habe viel geweint“, offenbarte sie jetzt im WNYC’s-Podcast „Nancy“.

Auch einige deutsche Stars mussten schon die schmerzhafte Erfahrung machen, von einer anderen Person unfreiwillig geoutet zu werden. TV-Koch Alfred Biolek und Komiker Hape Kerkeling wurden 1991 bei einer Spezialsendung des RTL-Formats „Explosiv“ von dem Aktivisten Rosa von Praunheim im TV als homosexuell geoutet. Das gezwungene Coming-Out ist zwar schon viele Jahre her, jedoch noch immer unvergessen.

Wie schmerzlich es sein muss, aus den Medien zu erfahren, dass sich eine (fremde) Person das Recht herausgenommen hat, eines der persönlichsten Details über das eigene Leben auszuplaudern, ist kaum vorstellbar. Für viele Mitglieder der LGBTQ-Community ist alleine das Outing im Familien- und Bekanntenkreis eine Herausforderung.

Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass Menschen wie Hape Kerkeling sowieso in den Medien stattfinden und damit unweigerlich weniger Privatsphäre haben. Allerdings birgt gerade ein unfreiwilliges Coming-Out eine große Gefahr für Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Denn obwohl es längst nicht mehr so sein sollte, kann die Nachricht über die eigene sexuelle Orientierung ganze Karrieren zerstören. „Die Hochzeit meines besten Freundes“-Star Rupert Everett rat noch vor zehn Jahren allen Nachwuchsschauspielern, ihre Sexualität geheim zu halten. Er hatte sich Ende der Achtziger zu sein seiner Homosexualität bekannt und danach keine Hollywoodrollen mehr angeboten bekommen.

Man könnte meinen, dass heutzutage niemand mehr wegen der sexuellen Orientierung um Jobs bangen muss, doch die Gerüchteküche brodelt noch immer. Hollywood ist weiterhin ein homophober Ort, an dem schwule und lesbische Künstler keine Hauptrollen mehr ergattern – zumindest keine Heterorollen.

Denn während noch immer viele der LGBTQ-Rollen mit heterosexuellen Cis-Männern und -Frauen besetzt werden, scheint es für manche Produzenten weiterhin unvorstellbar, eine*n homosexuellen Darsteller*in als Heterocharakter zu casten. Dabei zeigen etliche Stars, allen voran Neil Patrick Harris, dass ein guter Schauspieler JEDE Rolle super verkörpern kann – ganz losgelöst von sexuellen Vorlieben oder Identität.

Am 11. Oktober 2018 feiert der internationale Coming-out-Tag sein 30-jähriges Bestehen. Gerade rechtzeitig stößt Schauspielerin Samira Wiley also das Thema von unfreiwilligen Outings an und bringt es so wieder ins Gespräch.

Denn abgesehen von möglichen Schwierigkeiten im Beruf ist ein ungewolltes Coming-out natürlich auch immer ein Übergriff in die Privatsphäre, mit dem auch das private Leben aus den Fugen geraten kann. Je mehr Stars über die traumatischen Folgen solcher gezwungener Coming-outs sprechen, desto öfter könnten solche Vorfälle verhindert werden.

Quelle: Noizz.de

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